Russland greift die Ukraine immer wieder mit Drohnen an (Archivbild)

Russische Angriffe auf Ukraine forderten mindestens 20 Tote

Freitag, 21. August 2026 | 20:47 Uhr

Von: importer

Bei russischen Drohnenangriffen auf die Ukraine sind am Freitag laut lokalen Behörden mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. In der südostukrainischen Großstadt Krywyj Rih wurden mindestens 14 Menschen in einem belebten Einkaufszentrum getötet. In der südlichen Region Mykolajiw starben amtlichen Medien zufolge mindestens vier Menschen, drei davon waren Kinder. Zuvor waren nach russischen Attacken im grenznahen ostukrainischen Gebiet Charkiw zwei Tote vermeldet worden.

Zu den Angriffen in Krywyj Rih berichtete der Militärgouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, am Abend auf Telegram, es habe mindestens 103 Verletzte gegeben. 27 davon befänden sich in einem ernsten Zustand, unter ihnen ein Kind. Die Opferzahl könne noch steigen. Nach seinen Angaben gerieten mehrere Geschäfte in dem Einkaufszentrum in Brand.

Die russische Armee griff offenbar zunächst mit einer Drohne an, später folgte ein weiterer Angriff. Ein Video zeigt eine Drohne, die auf ein Gebäude stürzt, aus dessen Dach bereits Rauch aufsteigt. Die Echtheit der Aufnahmen könnte zunächst nicht gesichert überprüft werden.

Selenskyj: “Angriffe wie diese sind Terrorakte”

Eine zweite russische Drohne habe das Einkaufszentrum eine halbe Stunde nach der ersten getroffen, erklärte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und verurteilte den Angriff auf seine Heimatstadt als “absolut zynisch und verabscheuungswürdig”. Dieser sei ein gezielter Versuch gewesen, nach dem Ausbruch eines Brands Rettungskräfte zu treffen.

Selenskyj fordert die internationale Gemeinschaft auf, Russland zur Rechenschaft zu ziehen. “Solche Angriffe sind schlichtweg Terrorakte”, betonte er. Die Welt müsse entsprechend darauf reagieren – mit echtem Druck auf den Aggressor. “Damit Frieden herrschen kann, muss Russland tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden.”

Die Heimatstadt von Selenskyj liegt rund 350 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew. Erst vor wenigen Tagen war Krywyj Rih vom russischen Militär mit Kampfdrohnen und ballistischen Raketen angegriffen worden. Dabei starben nach offiziellen Angaben zwei Zivilisten, knapp ein Dutzend Menschen wurde verletzt.

Zwei Tote in Charkiw

Zuvor hatte Russland mit Drohnenangriffen in Charkiw nach ukrainische Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet. Bei der Attacke mit sechs Drohnen auf das Dorf Lebjaschje seien zwei Frauen im Alter von 66 und 73 Jahren gestorben. Zwei weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten, teilte Charkiws Militärgouverneur Oleh Synjehubow bei Telegram mit. Es seien fünf Häuser in Brand geraten, drei zerstört und viele weitere beschädigt worden.

Die Region ist besonders oft das Ziel von russischen Angriffen in dem seit viereinhalb Jahren andauernden Krieg. Nach Angaben der ukrainischen Flugabwehr setzte Russland gegen das Land insgesamt 135 Drohnen ein, davon seien 107 abgeschossen worden. Russische Truppen nahmen zudem nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau das Dorf Selene in der ostukrainischen Region Donezk ein. Dies meldete die staatliche Nachrichtenagentur TASS.

Bei den Angriffen auf die Region Mykolajiw sei zudem eine Frau verletzt worden, hieß es in einer Mitteilung auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Eine Stellungnahme Russlands lag zunächst nicht vor.

Grenzübergang zu Moldau beschädigt

Zudem wurde bei einem russischen Drohnenangriff in der südukrainischen Region Odessa in der Nacht auf Freitag ein Grenzübergang zu Moldau beschädigt. Der Passagier- und Fahrzeugverkehr am Kontrollpunkt Tabaky wurde eingestellt und auf andere Übergänge umgeleitet, wie der ukrainische Grenzschutz auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilte. Die moldauischen Behörden seien über die Situation informiert.

Russland führt seit knapp viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Seit einigen Monaten nimmt das russische Militär verstärkt zivile Ziele im Nachbarland ins Visier. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.

Bei einer Beilegung des Ukraine-Konflikts sieht Moskau vor allem die USA in der Pflicht, wie der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow am Freitag bekannt gab. Es sei entscheidend, inwieweit Washington seinen Einfluss auf die Regierung in Kiew und deren europäische Unterstützer geltend mache, erklärte er in einem Interview mit dem Medienportal News.ru. Zwar zeigten die USA Bereitschaft zu einem “konstruktiven Dialog”, neue Vorschläge zur Konfliktlösung müssten jedoch die “Realitäten vor Ort” widerspiegeln.

Kiew wehrt sich mit Gegenschlägen – Ölraffinerie in Russland brennt

Bei Gegenschlägen, mit denen die Ukraine auf die Angriffe antwortet, hat Kiew erneut Hunderte Drohnen gegen russische Ziele eingesetzt. Die russische Flugabwehr meldete in nicht überprüfbaren Angaben, sie habe 325 ukrainischen Drohnen abgeschossen.

In Moskau stellten wegen Luftalarms mehrere Flughäfen vorübergehend den Betrieb ein. In der Region Perm weit im russischen Hinterland – rund 1.000 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Moskau – wurde Medien zufolge eine Ölraffinerie getroffen. Es kam demnach zu einem Brand. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte später den Angriff auf die “über 1.600 Kilometer von der Grenze” entfernte Raffinerie und andere Ziele.

Kommentare

Aktuell sind 4 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen