Von: Martin Geier
Bozen – Kaum ist der Sommer vorüber, werfen die kommenden Wahlen ihre langen Schatten voraus. Bis zu den Landtagswahlen sind es zwar noch zwei Jahre, doch da sich die Ära Arno Kompatschers ihrem Ende zuneigt, ist das landesweite LH-Casting – im Südtiroler Herbst vornehmlich vor “nuiem Wein, Schlochtplottn und Kestn” – bereits in vollem Gange.
Was das Casting zusätzlich anheizt, ist die Tatsache, dass der Chef keinen Kronprinzen aufgebaut hat und unter den Anwärtern kein Stern so richtig glänzen kann – oder will. Vor den “gebrotnen Kestn” und nach dem einen oder anderen “Glasl Wein” werden im “Bauer sucht Frau”-Stil die Vorzüge, Nachteile und Chancen jedes Männleins und Weibleins bewertet.

Dieser lustige und abendfüllende Zeitvertreib sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die SVP bei den letzten Landtagswahlen stetig Verluste eingefahren hat und von der noch aus der Durnwalder-Ära gewohnten Mandatsmehrheit weiter entfernt ist denn je. Zwar wird das Edelweiß weiterhin den Landeshauptmann stellen, aber da mit vielen Partnern die Mehrheiten immer unsicherer werden, ist von der früheren Machtfülle wenig übriggeblieben.
Mit wem die Sammelpartei die Hochzeit feiert, steht ebenfalls in den Sternen. Unkenrufen zufolge soll jedoch entscheidend sein, wer nächstes Jahr in Rom das Rennen macht: die von Giorgia Meloni geführte Mitterechts-Koalition oder das Mittelinks-Bündnis. Es gibt viele Gründe, dort etwas weiterzubringen und es sich daher mit Rom nicht zu versauen – von der Autonomie über die Industrie bis hin zur Landwirtschaft.

Bedenklich stimmt, dass der kommende Chef, oder die Chefin, ein schweres Erbe antreten muss. Zwar strotzt Südtirols Wirtschaft vor Kraft, aber dem Land laufen viele junge Menschen davon, von denen viele nicht wiederkommen. Um das dringendste Problem des Landes, die hohen Wohnkosten, anzugehen, sind drastische Maßnahmen notwendig. Es wird nicht funktionieren, wenn man nur ein bisschen dahinzuregieren versucht, es mit der Gießkanne allen recht machen will und sich vor schwierigen Entscheidungen drückt. Das wird nur die „Abstimmung mit den Füßen” samt politischem Extremismus weiter befeuern.
Das LH-Casting mit klamarösen Exits, neuen Anwärtern und überraschenden Comebacks wird noch Monate in Anspruch nehmen, doch das Anforderungsprofil für den Knochenjob steht bereits fest: Gesucht wird eine mutige, kompetente und durchsetzungsstarke Person, die ihre Mannschaft und auch das Land über alle politischen und ethnischen Gräben hinweg zu einen vermag und für eine einmal getroffene Entscheidung auch bereit ist, durchs Feuer zu gehen.




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