Wieder gegenseitige Drohnenangriffe (Archivbild)

Tote und Verletzte bei russischen Angriffen in der Ukraine

Sonntag, 13. September 2026 | 18:36 Uhr

Von: importer

Russlands Militär hat am Sonntag seine Angriffe gegen Städte in der Ukraine fortgesetzt. Bei mehreren Attacken auf die ostukrainische Stadt Kramatorsk wurden laut Behörden mindestens zwei Menschen getötet. Weitere zehn Bewohner seien verletzt worden, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit. Zudem griff Russland in der Westukraine nahe der Grenze zu Polen einen Personenzug mit Drohnen an. Weitere russische Drohnen schlugen wenige Kilometer vor der polnischen Grenze ein.

Der erste russische Angriff auf Kramatorsk habe einem Kleinwagen gegolten, später sei die Stadt von vier Fliegerbomben getroffen worden. Erst Mitte dieser Woche waren bei einem russischen Angriff auf Kramatorsk nach offiziellen Angaben 19 Menschen verletzt worden. Die Stadt wird immer wieder vom russischen Militär angegriffen, da die Frontlinie nur etwas mehr als zwölf Kilometer entfernt ist.

In der Hafenstadt Odessa und Umgebung wurden bei einer Serie russischer Angriffe im Tagesverlauf mindestens 24 Menschen verletzt. Nach Angaben der Behörden wurden bei den Angriffen mehrstöckige Wohngebäude sowie Lagerhäuser beschädigt.

Das russische Militär bestätigte die Angriffe auf Odessa. Dabei seien eine Produktionsstätte für Drohnen sowie ein Lager für Raketen und Artilleriewaffen der ukrainischen Streitkräfte getroffen worden, behauptete das Verteidigungsministerium in Moskau. Auch diese Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Russischer Angriff auf Personenzug nahe der ukrainisch-polnischen Grenze

Am Sonntag wurde unterdessen nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn die Lokomotive des Passagierzugs von Kiew nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen. Die Passagiere wurden rechtzeitig evakuiert, niemand sei zu Schaden gekommen, hieß es. Die polnische Eisenbahn PKP teilte mit, sie habe den Zug von der ukrainischen Seite mit mehr als sechs Stunden Verspätung übernommen. Er setze seinen Weg nach Warschau fort.

Nach Angaben von Polens Verteidigungsminister Radoslaw Kosiniak-Kamysz schlug im Westen der Ukraine außerdem eine Drohne einen Kilometer von Polens Grenze entfernt ein, eine weitere mit einem Abstand von fünf Kilometern. Polnische Kampfjets vom Typ F-16 sowie ein Aufklärungsflugzeug hätten die Situation kontrolliert. Der Luftraum über Polen wurde demnach nicht verletzt.

Polen wirft Moskau Eskalation vor

Die polnische Regierung warf Moskau nach den Angriffen auf den Zug von Kiew nach Warschau sowie auf die Grenzregion der Ukraine zu Polen eine Verschärfung des Konflikts vor. . “Die Eskalation von russischer Seite ist nun Realität geworden, und die Beispiele dafür rücken immer näher an unsere Grenze heran”, sagte Polens Regierungschef Donald Tusk bei einer Sitzung des Krisenstabs. Auch westliche Politiker sind bei ihren Reisen nach Kiew auf die Bahnverbindung von Polen in die Ukraine angewiesen – der Luftraum über dem Land ist gesperrt.

Am Sonntag war nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn die Lokomotive des Passagierzugs von Kiew nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen worden. Die Passagiere wurden rechtzeitig evakuiert, niemand sei zu Schaden gekommen, hieß es. Die polnische Eisenbahn PKP teilte am Abend mit, der Zug sei mit sechs Stunden Verspätung in Warschau eingetroffen.

Zwei polnische Grenzübergänge zeitweise evakuiert

Wegen der Gefahr von Luftschlägen stellten zwei Grenzübergänge auf der polnischen Seite zeitweise den Betrieb ein. Wie der Chef des Grenzschutzes bei der Sitzung des Krisenstabs in Warschau sagte, gab es in den frühen Morgenstunden rund zwei Kilometer vom Grenzübergang Dorohusk entfernt einen Drohnenangriff auf eine Tankstelle. Rund 280 Reisende seien von dem Gelände des Grenzübergangs evakuiert worden, Grenzschützer und Zollbeamte hätten sich in einen Schutzraum begeben.

Später habe sich eine weitere Drohne dem Grenzübergang Hrebenne genähert. Auch hier seien mehr als 300 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Es sei aber am Ende nicht zu einem Angriff in der Nähe gekommen. Am Nachmittag hatte sich die Situation an der Grenze demnach wieder normalisiert.

Tusk warnt vor weiteren Störaktionen an der Grenze

Regierungschef Tusk verwies darauf, dass Russland in der Vergangenheit bereits versucht habe, Grenzübergänge in Moldawien lahmzulegen. Man habe von Verbündeten zuvor Hinweise bekommen, dass der russische Plan Versuche beinhalten würde, die ukrainischen Grenzübergänge zu desorganisieren und möglicherweise auch zu zerstören – dies könne auch Polen betreffen.

Man müsse mit verstärkten Aktionen Russlands in den kommenden Wochen und Monaten rechnen, sagte Tusk weiter. “Wir können nicht ausschließen, dass diese Eskalation auch unser Staatsgebiet betreffen wird.” Russland sei auch bereit, gegen Polen düsengetriebene Drohnen einzusetzen, warnte er.

Kiew: Moskau muss Konsequenzen spüren

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb, Moskaus Angriffe hätten nahe der ukrainisch-polnischen Grenze in der Region Wolyn eine Lokomotive in Brand gesetzt und eine Tankstelle beschädigt.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte härtere Konsequenzen für Moskau. Russische Angriffe an der polnisch-ukrainischen Grenze seien nicht einfach eine Fortführung der Attacken auf die ukrainischen Staatsgrenzen, schrieb er auf der Plattform X: “Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der NATO ‘klopft’.”

Polens Regierungschef Tusk berief für den Spätnachmittag eine Krisensitzung der Ressortchefs und der uniformierten Dienste ein. “Wir nehmen diese Ereignisse äußerst ernst”, schrieb Innenminister Marcin Kierwinski auf X.

Moskau bestätigte Angriffe

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte in der Früh unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Sie würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten, hieß es.

Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine russische Invasion. Bei russischen Angriffen gibt es immer wieder auch Tote und Schäden im Zugverkehr und an Bahnhöfen.

Zwei Tote bei ukrainischen Angriffen in der Ukraine

In der russischen Teilrepublik Tatarstan wurden unterdessen infolge eines ukrainischen Drohnenangriffs zwei Menschen getötet. Eine Drohne sei in einen Baum gestürzt, wodurch ein in der Nähe stehendes Auto mit vier Insassen beschädigt worden sei, teilte der Bürgermeister der Stadt Nischnekamsk, Radmir Beljajew, am Sonntag auf Telegram mit. Zwei der Insassen seien ums Leben gekommen, die anderen beiden seien schwer verletzt worden.

Vier weitere Menschen wurden Beljajew zufolge verletzt, als eine Drohne in ein Wohnhaus stürzte. Industrieobjekte und zivile Objekte seien beschädigt worden. In einem nicht näher genannten Unternehmen sei ein Feuer ausgebrochen, das schnell gelöscht worden sei.

Der Generalstab in Kiew bestätigte unter anderem einen Angriff auf Nischnekamsk. Die Raffinerie Taneko sei getroffen und die Entzündung eines der Tanks festgestellt worden. Schon in der Vergangenheit hatte Kiew bei Gegenangriffen die Ölraffinerie in Nischnekamsk getroffen.

Militärgeheimdienst: Haben Raffinerie in Südrussland getroffen

Die Ukraine attackierte nach eigenen Angaben außerdem die Raffinerie Slawjansk Eko in der russischen Region Krasnodar. Eine Ölverarbeitungsanlage und ein Tankpark seien getroffen worden, teilte der ukrainische Militärgeheimdienst HUR mit. Ein großflächiges Feuer sei ausgebrochen. Zur Begründung hieß es, die Anlage in Slawjansk-na-Kubani diene dem russischen Angriffskrieg.

Der Zivilschutzstab der Region Krasnodar teilte bei Telegram lediglich mit, dass auf dem Gelände eines nicht näher beschriebenen Unternehmens ein Feuer ausgebrochen sei. Herabstürzende Drohnentrümmer hätten außerdem eine Gasleitung in einem Wohngebiet der Stadt Slawjansk-na-Kubani, beschädigt. Schon in der Vergangenheit war die Raffinerie dort getroffen worden. Im Sommer brannte sie infolge einer Attacke mehrere Tage lang.

Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Als Teil ihres Abwehrkampfes nimmt sie auch Ziele im russischen Hinterland ins Visier.

Russland wirft Ukraine Angriffe nahe AKW Saporischschja vor

Der Chef des staatlichen russischen Atomenergiekonzerns, Alexej Lichatschow, warf der Ukraine unterdessen einen Angriff auf Diesel-Lastwagen nahe dem Kernkraftwerk Saporischschja vor. Dabei seien zwei russische Soldaten getötet und mehrere weitere verletzt worden, erklärt Lichatschow. Die Ukraine gefährde damit gezielt die Sicherheit der von Russland besetzten Anlage. Treibstoff ist für Generatoren wichtig, die die Kühlung der Reaktoren bei einem Ausfall der externen Stromversorgung sichern.

Der Angriff hat Lichatschow zufolge am Freitag stattgefunden, die Vorwürfe äußert der Rosatom-Chef am Sonntag. Beide Seiten werfen einander regelmäßig vor, die Sicherheit des größten europäischen Atomkraftwerks zu gefährden.

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