US-Präsident droht mit Reaktion

Trump kündigt Iran Vergeltung nach Hubschrauberabschuss an

Dienstag, 09. Juni 2026 | 22:16 Uhr

Von: APA/AFP/Reuters

Im Iran-Krieg droht eine neue Eskalation: US-Präsident Donald Trump hat Vergeltung wegen des Abschusses eines US-Kampfhubschraubers angekündigt. Die Piloten seien zwar unverletzt geblieben, aber die Vereinigten Staaten “müssen gezwungenermaßen auf diesen Angriff reagieren”, erklärte Trump am Dienstag. Irans Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammed Baqer Qalibaf warnte die USA wiederum davor, ihre “Verpflichtungen” zu brechen.

Erst wenige Stunden zuvor hatte Trump ein Abkommen zur Beendigung des Krieges noch in greifbarer Nähe gesehen. Er sei darüber informiert worden, “dass die Iraner vergangene Nacht einen unserer hochmodernen Apache-Hubschrauber abgeschossen haben während einer Patrouille in der Straße von Hormuz”, erklärte Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. Die Piloten seien zwar unverletzt, die USA müssten dennoch “gezwungenermaßen auf diesen Angriff reagieren”.

Der Apache-Hubschrauber ist eine Maschine mit einer Zweier-Besatzung sowie einer Maschinenkanone. Er kann auch mit anderen Waffen wie etwa Hellfire-Raketen ausgerüstet werden.

Vor Trumps Erklärung hatte das für die Region zuständige US-Regionalkommando CENTCOM erklärt, dass zwei US-Soldaten eines Apache AH-64 nach dem Absturz ihres Hubschraubers nahe der Küste des Oman gerettet worden seien. “Die Soldaten wurden binnen etwa zwei Stunden sicher gerettet und befinden sich in einem stabilen Zustand”, erklärte CENTCOM im Onlinedienst X. Bei dem Rettungseinsatz kam demnach eine See-Drohne zum Einsatz.

Zweiter Abschuss von US-Militärmaschine

Es handelt sich um den zweiten Abschuss einer bemannten US-Militärmaschine durch den Iran, den die US-Regierung bestätigte. Im April war ein US-Kampfjet vom Typ F-15 abgeschossen worden. Auch hier wurden beide Piloten gerettet, davon einer in einer besonders spektakulären Rettungsaktion.

Irans Parlamentspräsident Qalibaf richtete auf X eine Warnung an die USA: “Wir bevorzugen die Sprache der Diplomatie, aber andere Sprachen beherrschen wir weitaus besser. Wenn ihr eure Verpflichtungen nicht einhaltet, werden wir zu der Sprache wechseln, die wir am besten beherrschen.”

Außenminister Abbas Araqchi forderte ausländische Streitkräfte zum Verlassen der Straße von Hormuz und der umliegenden Gebiete auf. Bei einem Verbleib liefen sie ständig Gefahr, ins Kreuzfeuer zu geraten, erklärte Araqchi auf X.

Nur wenige Stunden vor seiner Erklärung zu dem Apache-Abschuss hatte Trump in der Nacht auf Dienstag noch verkündet, dass ein Friedensabkommen mit Teheran in greifbare Nähe gerückt sei. “Wir befinden uns in den letzten Zügen dessen, was ein sehr, sehr gutes Abkommen sein wird”, sagte er und stellte einen Abschluss der Verhandlungen in den kommenden “zwei oder drei Tagen” in Aussicht.

Raketen auf Israel

Am Sonntagabend hatte der Iran allerdings erstmals seit Inkrafttreten einer brüchigen Waffenruhe Anfang April wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Als Grund gaben die iranischen Revolutionsgarden israelische Luftangriffe auf Viertel der libanesischen Hauptstadt Beirut an, die als Hochburgen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten.

Als Reaktion nahm auch Israel die Angriffe auf Ziele im Iran wieder auf. Im Verlauf des Montags verkündeten Israel und der Iran dann die vorläufige Einstellung der Kampfhandlungen. Beide Seiten drohten jedoch mit einer Wiederaufnahme der Kämpfe, sollte die jeweils andere Seite erneut angreifen. Teheran warnte Israel ausdrücklich vor weiteren Angriffen auf Ziele im Süden des Libanon. Iranische Staatsmedien meldeten am Dienstag, bei israelischen Angriffen am Vortag seien drei Menschen getötet worden, darunter zwei Soldaten. Aus Israel gab es zunächst keine Angaben über mögliche Opfer.

Trump hatte den Iran und Israel zuvor aufgefordert, ihre gegenseitigen Angriffe umgehend einzustellen. “Die abschließenden Verhandlungen über ‘Frieden’ laufen, vorbehaltlich der Ignoranz oder Dummheit, die ihnen in die Quere kommen könnte”, erklärte der US-Präsident am Montag. Die indirekten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein dauerhaftes Ende des Krieges waren zuletzt ins Stocken geraten.

Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen den Iran-Krieg begonnen. Teheran reagierte darauf mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Seit dem 8. April gilt eine brüchige Waffenruhe. Der Konflikt hat die Öl- und Spritpreise in aller Welt in die Höhe schießen lassen.

Erneut Attacken auf den Libanon

Ungeachtet der iranischen Forderungen und Drohungen griff Israel unterdessen am Dienstag erneut Ziele im Libanon an. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens acht Menschen bei einem Luftangriff auf die Stadt Tyrus getötet.

Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei feuert die Hisbollah seither immer wieder Raketen auf Israel ab. Israel reagierte mit Luftangriffen auf zahlreiche Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Der Iran, der die Hisbollah im Libanon politisch und finanziell unterstützt, besteht darauf, den Libanon in ein mögliches Abkommen mit den USA zur Beendigung des Krieges einzubeziehen.

Der pakistanische Armeechef Asim Munir empfing am Dienstag seinen libanesischen Kollegen Rodolphe Haykal zu Beratungen. Munir ist der pakistanische Chefvermittler in den indirekten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran. Nach Angaben von Pakistans Regierungschef Shehbaz Sharif stand ein Abkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs “kurz vor dem Abschluss”, als am Sonntag die jüngsten Angriffe zwischen dem Iran und Israel begannen.

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