Von: importer
In die Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs könnte unter Vermittlung der USA wieder Bewegung kommen. Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sind am Samstag in Moskau eingetroffen. Ihr Flug landete um 12.52 Uhr Moskauer Zeit (11.52 Uhr MESZ). Der russische Präsidentenberater Kirill Dmitrijew empfing Witkoff und den Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump am Flughafen Wnukowo. Ein Treffen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin war geplant.
Putin ordnete wegen des Besuchs der US-Unterhändler einen dreitägigen Stopp der Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew an. Das teilte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur TASS meldete. Die Angriffspause gelte mit Tagesbeginn des Sonntags für drei Tage. Peskow bestätigte, dass Putin am Samstag Witkoff und Kushner empfangen werde. Die Ukraine hatte zugesagt, wegen dieses Besuchs den russischen Luftraum für drei Tage nicht zu gefährden.
Am Sonntag werden die zwei US-Unterhändler zu Gesprächen in Kiew erwartet. Es würde sich um den allerersten Besuch der beiden seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 handeln. Die beiden Geschäftsleute haben dagegen Moskau schon mehrmals besucht.
Selenskyj: Russland beschießt vor US-Besuch Kiewer Flughäfen
Kurz vor dem erwarteten Besuch der US-Unterhändler in Kiew haben die russischen Streitkräfte nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Flughäfen der Hauptstadt beschossen. Die Flughäfen Schuljany und Boryspil seien demonstrativ zum ersten Mal seit einiger Zeit angegriffen worden, schrieb er in den sozialen Netzwerken.
Selenskyj unterstellte, dass Moskau damit Unsicherheit vor der Anreise der Amerikaner verbreiten wolle. “Offensichtlich sind diese russischen Angriffe auf die Flughäfen eine Reaktion auf die Gespräche und Vorbereitungen für einen möglichen Einsatz eines US-Flugzeugs in der Ukraine mit Landung auf dem Flughafen Kiew oder dem Flughafen Boryspil”, schrieb er. “Russisch-iranische Drohnen als Antwort auf die amerikanische Diplomatie.”
In der Ukraine ruht seit Beginn der russischen Großinvasion 2022 der zivile Flugverkehr. Für einen sicheren Flug Witkoffs nach Kiew wären ukrainische Erlaubnisse, aber auch russische Sicherheitsgarantien erforderlich. Schuljany ist der alte Flughafen der ukrainischen Hauptstadt und liegt im Stadtgebiet. Als er zu klein wurde, wurde in der Kreisstadt Boryspil etwa 20 Kilometer östlich von Kiew ein neuer internationaler Airport gebaut.
Trump spricht von Vorschlag
US-Präsident Trump bestätigte im Weißen Haus auf Reporternachfrage, dass er seine beiden Unterhändler entsandt habe. Sie würden einen Vorschlag mitbringen, um den Ukraine-Krieg zu beenden, sagte Trump. “Wir haben sie dorthin geschickt, um zu prüfen, ob wir etwas erreichen können”, sagte er. Wie schon bei vorherigen Vermittlungsbemühungen der USA in dem Krieg gab sich der Republikaner optimistisch, dass das gelingen könnte. Ein echter Durchbruch wurde bisher aber nicht erreicht – obwohl Trump einst verkündet hatte, er könne den Krieg binnen 24 Stunden beenden.
Dmitrijew hatte im Juni gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärt, er sei während einer Unterbrechung der Besuche mit den US-Unterhändlern in Kontakt geblieben. Er hatten zudem an allen früheren Treffen der US-Gesandten mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin teilgenommen und war in diesem Jahr an den Verhandlungen über Ausnahmen von den US-Sanktionen für russisches Öl beteiligt.
Russland rief die USA dazu auf, bei Gesprächen über ein Ende des Konfliktes die Realitäten auf dem Schlachtfeld zu berücksichtigen. Die Lage verändere sich zuungunsten der Ukraine, sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS zufolge. “Die Schlüsselfrage ist, inwieweit die US-Regierung angesichts der Realitäten vor Ort bereit ist, in die Suche nach einer echten Lösung für die aktuelle Krise zu investieren.”
Selenskyj will auf ukrainische Luftangriffe verzichten
Selenskyj sagte, Ziel sei es, einen möglichst konstruktiven und inhaltsreichen Besuch und Verhandlungen mit der US-Seite zu ermöglichen, damit dieser Krieg zu Ende gebracht werden könne. Er kündigte an, dass die Ukraine – “wie es bei vorherigen diplomatischen Besuchen der US-Seite war” – die Sicherheit des russischen Luftraums gewährleisten werde, damit die Verhandler sicher ankommen könnten. Von ukrainischer Seite werde es keine Luftangriffe geben, versprach er. Russland müsse spiegelbildlich reagieren, sagte Selenskyj.
Allerdings gab es in der Nacht auf Samstag dann wieder Luftalarm und Berichte über Explosionen. Im ukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk sind durch einen russischen Luftangriff in der Nacht auf Samstag vier Menschen getötet worden. Der Angriff habe einen Industriebetrieb in der Stadt Kamjanske getroffen, teilte Gebietsgouverneur Olexander Hanscha auf Telegram mit. Es habe sechs Verletzte gegeben. Das russische Militär in Moskau sprach von einem Angriff auf ein großes Metallkombinat, das die ukrainische Rüstungsindustrie beliefere.
Einschläge russischer Drohnen wurden in der Nacht auch aus dem Großraum Kiew gemeldet. Laut dem Nachrichtenportal “Kyiv Independent” gab es eine Welle von Drohnenangriffen, bei denen im Vorort Boryspil ein neunstöckiger Wohnblock beschädigt wurde. Zwei Frauen seien verletzt worden, hieß es unter Berufung auf Militärgouverneur Tymur Tkatschenko.
In der ostukrainischen Region Dnipro kamen bei einem russischen Raketenangriff auf ein Stahlwerk fünf Menschen ums Leben. Produktionsanlagen und Infrastruktur seien beschädigt worden, der gesamte Betrieb sei deshalb eingestellt worden, teilte der Stahlproduzent Metinvest weiter mit. “
Über Russland hingegen wurden in der Nacht 59 ukrainische Drohnen abgewehrt, wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte. Die vergleichsweise niedrige Zahl lässt darauf schließen, dass die Ukraine wie angekündigt eine Feuerpause wegen des Besuchs der US-Vermittler einhält.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen