Ab September werden digital verschiedene Szenarien für Zufahrtsberechtigungen und Verkehrslimitierungen simuliert

Verkehrsberuhigung am Grödner Joch: Ab September digitale Testphase

Mittwoch, 12. August 2026 | 20:00 Uhr

Von: Martin Geier

Bozen/Corvara/St. Christina/St. Ulrich/Wolkenstein – Die Vorbereitungen für eine Verkehrsberuhigung (ZTL) am Grödner Joch gehen weiter. Wie geplant beginnt im September 2026 die „digitale Testphase”, wie das Ressort für Infrastrukturen und Mobilität sowie die zuständige Arbeitsgruppe mitteilen. Dabei werden verschiedene Szenarien für Limitierungen und Berechtigungen inklusive der Auswirkungen auf andere Gebiete, Sektoren und Personengruppen simuliert, so wie es in den vergangenen Monaten von verschiedenen Seiten gefordert wurde.

Die Simulation gilt als Voraussetzung, um genau zu ermitteln, welche Maßnahmen für die tatsächliche Einführung nötig sind. So wird zum Beispiel untersucht, welche Infrastrukturen – wie Kreisverkehre, Checkpoints, zusätzliche dritte Vorzugsspuren sowie Infopoints in Gröden und im Gadertal – erforderlich sind, damit das System funktioniert. Sollte die Simulation zeigen, dass die Infrastruktur anzupassen ist, müssten anschließend ensprechende Vorkehrungen getroffen werden. Klar ist: Die nötigen Maßnahmen sind sorgfältig zu planen, um Staus oder ein Verkehrschaos in den Dörfern und Tälern zu verhindern. Andernfalls wäre das Vorhaben kontraproduktiv.

LPA/Landesstraßendienst/Ab September 2026 beginnt wie geplant eine sogenannte “digitale Testphase” zur Verkehrsberuhigung am Grödner Joch.

Nachdem es im Verkehrsministerium und Parlament in Rom gelungen ist, eine Abänderung der Straßenverkehrsordnung zu erreichen, welche die juridische Grundlage für eine Verkehrsberuhigung auch außerhalb der Ortskerne schaffen soll, haben Gemeinden und Land die Möglichkeiten ausgelotet und ein Pilotprojekt ausgearbeitet. Seit zehn Monaten ist eine eigens eingesetzte Arbeitsgruppe im Einsatz, mit dem Ziel, die erste Territoriale Verkehrsberuhigte Zone (TVZ UNESCO) Italiens zu entwickeln. Zur Arbeitsgruppe gehören Ernest Cuccarollo (Gemeinde Wolkenstein), Martin Resch (Gemeinde St. Christina und Mobilitätszentrum Gröden), Andreas Sanoner (Gemeinde St. Ulrich), Francesco Kostner (Gemeinde Corvara), Max Nagler (Tourismusgenossenschaft Alta Badia), Kurt Sagmeister (IDM) Helmuth Moroder (von der Arbeitsgruppe beauftragter Berater) sowie in Vertretung der Landesverwaltung Elisabeth Berger (Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung) und Michael Andergassen (Sonderbeauftragter für Landesmobilitätsplanung und Verkehrssteuerung).

In den vergangenen Monaten seien wesentliche Grundlagen geschaffen worden, erklären Cuccarollo und Nagler von der Arbeitsgruppe. Ein Konzept wurde ausgearbeitet, Grundsatzbeschlüsse der Gemeinden in Gröden und im Gadertal wurden gefasst, die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden geprüft und die digitalen Kontroll- und Verwaltungssysteme wurden vorbereitet. Gleichzeitig habe man die Zusammenarbeit zwischen der Arbeitsgruppe, den beiden Talschaften und dem Land intensiviert. “Alle Beteiligten wissen, dass es ein schwieriges Projekt ist, und verfolgen das gemeinsame Ziel einer Verkehrsberuhigung des UNESCO-Welterbes und der Talschaften”, betonen Nagler und Cuccarollo.

Bei einem Austausch mit der Arbeitsgruppe hat das Land vor kurzem seine Unterstützung für das Projekt bekräftigt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Umsetzung eines derart innovativen Vorhabens mit erheblichen technischen, organisatorischen und rechtlichen Herausforderungen verbunden sei und das Projekt einfach, praktisch und juridisch einwandfrei sein müsse. Diese Anforderungen seien allen Beteiligten klar und es gebe noch viel zu tun, heißt es von Seiten der Arbeitsgruppe (LPA hat berichtet).

Bei der Testphase werden Szenarien anhand der tatsächlichen Daten berechnet und für die technischen Anwendungen simuliert. In der Zwischenzeit sollen vor allem das Informationsportal, die Registrierungsplattform, Lösungen für Einheimische, Formulare für Beherbergungsbetriebe zur Anmeldung ihrer Gäste sowie digitale Vorlagen erarbeitet werden.

Die Erkenntnisse werden kontinuierlich ausgewertet, um das Projekt Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Sie dienen auch als Basis für die Gemeinden, um mit den Einheimischen sowie den verschiedenen Nutzern und Stakeholdern das geeignete Maß der Verkehrseinschränkung zu definieren. Es gelte, sich darauf zu einigen, wer fahren dürfe und wer nicht. Zugleich sollen die Bewohner der beiden Täler, aber auch die Menschen in ganz Südtirol genau über das Vorhaben und dessen konkrete Auswirkungen aufgeklärt werden. Geplant ist, dass die Bevölkerung und die Wirtschaftsvertretungen im Sinne einer optimalen Planung und konstruktiven Entscheidungsfindung nach der Auswertung von der Arbeitsgruppe und den Gemeinden informiert und einbezogen werden.

Bezirk: Salten/Schlern

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