Von: mk
Bozen – Die Wasserknappheit der vergangenen Tage bereitet vielen Sorge. „Der Wert lebenswichtiger Ressourcen wird meistens erst erkannt, wenn sie knapp werden“, erklärt der Dachverband für Natur- und Umweltschutz in einer Aussendung.
Schon Kinder lernen, beim Zähneputzen den Wasserhahn zu schließen. Individueller sparsamer Umgang mit Wasser sei grundsätzlich wichtig. Dass jedoch erneut ein Ad-hoc-Dekret des Landeshauptmannes notwendig ist, um auf die Wasserknappheit zu reagieren, zeige ein strukturelles Problem. Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz fordert daher die zeitnahe Umsetzung einer konkreten Klimawandelstrategie.
„Wichtige Erkenntnisse liegen längst vor. Die Eurac-Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels in Südtirol hat die Risiken klar aufgezeigt – darunter auch häufiger auftretende Zeiträume von Wasserknappheit. Der Bericht beschränkt sich nicht auf Problemanalysen, sondern benennt auch konkrete Maßnahmen: ein vorausschauendes Wassermanagement, ein systematisches Monitoring der Wasserverfügbarkeit und klare Richtlinien für den Umgang mit Engpässen“, erklärt der Dachverband. Genau solche Instrumente würden bislang weitgehend fehlen.
„Wir brauchen endlich eine Politik, die nicht nur auf Notlagen reagiert, sondern Risiken frühzeitig erkennt und entsprechend handelt. Wasser ist eine zentrale Lebensgrundlage und darf nicht erst dann Thema werden, wenn es knapp wird“, betont Elisabeth Ladinser, Vorsitzende des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz.
Besonders kritisch sei in diesem Zusammenhang die Entwicklung im Tourismus zu sehen. Der Bericht „STOST – Sustainable Tourism Observatory South Tyrol“ der Eurac weist für 2023 einen touristischen Wasserverbrauch von rund 8,3 Millionen Kubikmetern aus – ein Anstieg von 28,5 Prozent gegenüber von vor zehn Jahren. Da die Nächtigungszahlen weiter stetig steigen, muss laut Dachverband auch mit einem steigenden Wasserbedarf gerechnet werden. Schätzungen gehen derzeit von durchschnittlich rund 500 Litern Wasser pro Gast und Tag in den Beherbergungsbetrieben aus.
„Die Zeit der touristischen Expansion ist vorbei. Solange nicht erhoben ist, wer wie viel Wasser tatsächlich verbraucht, und wie sich diese für die Allgemeinheit grundlegende Ressource in Zukunft entwickelt, dürfen keine weiteren Großhotelprojekte genehmigt werden, die den Druck auf unsere natürlichen Lebensgrundlagen weiter erhöhen. Es kann nicht sein, dass Gäste in Wellnessoasen plantschen, während wir als Bevölkerung unsere Gemüsegärten nicht gießen sollen“, schließt daher Elisabeth Ladinser.
Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz fordert unmissverständlich, die Empfehlungen der Klimarisikoanalyse endlich umzusetzen, die Klimawandelanpassungsstrategie des Landes rasch abzuschließen und klare Regeln für den Umgang mit knappen Ressourcen zu schaffen. Gleichzeitig brauche es eine konsequente Klimaschutzpolitik. Jede vermiedene Erwärmung reduziere auch die zukünftigen Risiken für Wasser, Landwirtschaft und Natur. Ziel müsse es sein, dass der nächste Sommer mit einer vorausschauenden Strategie beginnt und es nicht wieder ein Wassernotstandsdekret brauche, so der Dachverband abschließend.




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