Von: importer
Bei jüngsten Angriffen Russlands auf Kiew und Umgebung sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Bei einem russischen Raketenangriff auf ein Eisenbahndepot in der ukrainischen Hauptstadt wurden nach offiziellen Angaben sieben Menschen getötet. Schon vorher war bekanntgeworden, dass ein schwerer Luftangriff mit Raketen und Drohnen drei Menschen in der Stadt Boryspil getötet hatte. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von insgesamt zwölf Toten und Dutzenden Verletzten.
Auch Odessa, Charkiw, Saporischschja, Cherson und andere Städte seien angegriffen worden, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Es gebe Brände und schwere Schäden, schrieb Bahnchef Olexander Perzowskyj auf Facebook. “Russland plant seine Angriffe immer so, dass sie im Leben der Menschen so viel Zerstörung wie möglich anrichten, und es hat Erfolg, wenn es an Kapazitäten zur Flugabwehr fehlt”, erklärte Selenskyj. Die Ukraine sei dankbar für alle Hilfen zur Flugabwehr, die Lieferungen müssten aber in diesem Herbst aufgestockt werden.
Russland greift Hafeninfrastruktur in Region Odessa an
Auch die Hafeninfrastruktur in der südukrainischen Schwarzmeer-Region Odessa ist nach Behördenangaben Ziel eines russischen Angriffs geworden. Der massive Schlag habe auch der Energieinfrastruktur gegolten, teilt der ukrainische Rettungsdienst auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zudem sei durch den Beschuss ein Feuer in einem Wohnhaus ausgebrochen, bei dem ein Mensch verletzt worden sei.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die russischen Streitkräfte hätten einen “massiven Angriff” mit Waffen mit großer Reichweite und Drohnen ausgeführt. Der Angriff habe sich gegen militärisch-industrielle Einrichtungen sowie Kraftstoff- und Energieanlagen in Kiew und der umliegenden Region gerichtet. Das Ministerium bestätigte zudem, es habe Infrastruktur in der Region Odessa sowie die Häfen von Odessa und Tschornomorsk getroffen.
Schulbeginn am Dienstag
Die ukrainische Luftwaffe hatte in der Nacht auf Dienstag bei Telegram mitgeteilt, dass sich “mehrere Ziele” auf die Hauptstadt zubewegten. Kurz darauf sahen AFP-Journalisten in Kiew mehrere Lichtblitze und hörten laute Explosionen. Die ukrainische Luftwaffe hatte davor gewarnt, dass die Gefahr durch “ballistische Waffen und andere Angriffsmittel gegen Kiew und die Region weiterhin besteht”. Die Einwohner wurden aufgefordert, in Schutzräumen zu bleiben.
In der Ukraine beginnt am Dienstag das neue Schuljahr. Zwar wollen die Behörden in Kiew angesichts zunehmender Drohnenangriffe aus Russland ihre Sicherheitsmaßnahmen bei Luftalarm anpassen. Die Militärverwaltung der Region ordnete jedoch an, dass in Gebieten mit hohem Risiko keine Großveranstaltungen stattfinden dürfen.
Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, hatte am Montag auf Telegram erklärt, er habe Behördenvertreter in Kiew zusammengebracht, um über Änderungen der Sicherheitsmaßnahmen zu beraten. Dabei habe er etwa vorgeschlagen, die U-Bahn weiter über die Dnipro-Brücken fahren zu lassen. Bei Luftalarm stoppt die Metro derzeit ihren Verkehr über den Fluss.
Die russische Armee hat ihre Angriffe auf die Ukraine zuletzt stark ausgeweitet. Regelmäßig fliegen Schwärme von Kampfdrohnen auf die Hauptstadtregion zu. Durch die wiederkehrenden Alarme kommen der Verkehr und das Wirtschaftsleben teilweise zum Erliegen, weil Geschäfte geschlossen werden und die U-Bahn den Verkehr über die Dnipro-Brücken einstellt, was regelmäßig zu einem Verkehrschaos führt. Die Kiewer Stadtverwaltung kündigte zudem an, bei Schulkindern stärker auf Online-Unterricht setzen zu wollen.
Ukrainische Angriffe
Die Ukraine griff auch wieder Russland an: In der an die Ukraine grenzenden Region Belgorod wurde laut dem dortigen Gouverneur Alexander Schuwajew bei einem solchen Angriff ein Mensch getötet. Es habe sich um einen Zivilisten gehandelt.
Auch der wichtige russische Ostseehafen Ust-Luga wurde nach Angaben des Regionalgouverneurs Ziel eines Drohnenangriffs. “Im Hafengebiet von Ust-Luga sind infolge des Drohnenangriffs Schäden entstanden, und es brennt”, erklärte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, am Dienstag auf Telegram. Die Bemühungen zur Abwehr des Angriffs dauerten demnach an.
Der Hafen von Ust-Luga am Finnischen Meerbusen in der Nähe der estnischen Grenze ist ein wichtiger Umschlagplatz für Dünger, Öl und Kohle aus Russland. Nach Angaben der russischen Behörden wurde er bereits mehrfach attackiert.
Die Ukraine hatte zuletzt ihre Gegenangriffe auf die russische Infrastruktur verstärkt, darunter Raffinerien, Öldepots und Häfen. Kiew sieht diese Anlagen als legitime Ziele, um die Einnahmen Russlands aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seiner Offensive in der Ukraine zu reduzieren.
Russland drohte mit einer “vernichtenden” Reaktion auf feindselige Handlungen in der Ostseeregion. Bei einer weiteren Eskalation der militärpolitischen Lage werde die Antwort an die Urheber “leichtsinniger antirussischer Aktionen” entschlossen ausfallen, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. “Und sie müssen wissen: Diese wird für sie vernichtend sein.”
Kirchliches Vermittlungsangebot
Der orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., hat sich unterdessen als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. Wie Kathpress berichtet, teilte er dem US-Portal “Breitbart News” laut dem Portal “OrthodoxTimes” mit, dass er eine Mission plane, um sowohl den russischen Präsidenten Wladimir Putin als auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu treffen. Es gelte, einen Weg zu finden, den Krieg in der Ukraine zu beenden, der unter anderem auch die Orthodoxe Kirche zerrissen habe, so der Patriarch.




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