Von: apa
In seinem 94. Rennen im Ski-Weltcup ist Stefan Babinsky erstmals aufs Podest gerast. Der 29-jährige Steirer musste sich im Super-G von Wengen nur Giovanni Franzoni um 0,35 Sek. geschlagen geben. Der Dominator der beiden Abfahrtstrainings aus Italien feierte mit Startnummer 1 einen Monat nach dem ersten Stockerlplatz in Gröden seinen Premierensieg. Der Schweizer Franjo von Allmen komplettierte zwei Hundertstel hinter Babinsky das Podest am Schweizer Ski-Traditionsort.
Der vierfache Wengen-Sieger Marco Odermatt, Raphael Haaser und Ryan Cochran-Siegle folgten auf den Plätzen vier bis sechs. Am Tag vor der traditionellen Lauberhorn-Abfahrt war Wengen-Liebhaber Vincent Kriechmayr als Zwölfter (+1,28) von einer weiteren Sternstunde weit entfernt. Unmittelbar vor und hinter ihm folgten mit Daniel Hemetsberger (11.) und Lukas Feurstein (13.) zwei Österreicher. Mit Andreas Ploier (17.) punktete ein sechster von zehn ÖSV-Läufern. “Es war eine brutale Fahrt. Ich habe alles reingehauen”, sagte Babinsky. Er sorgte für den sechsten österreichischen Podestplatz im fünften Super-G des Olympia-Winters.
Der “Testpilot” setzt sich durch
Das grüne Licht des Führenden bekam am Freitag nur Franzoni zu sehen. Der Mann mit der Startnummer 1 – im Super-G oft ein Testpilot – meisterte die zahlreichen Schlüsselstellen am Lauberhorn vermeintlich problemlos. An seine Zeit im letzten Sektor kam niemand heran. “So clean, so easy”, klopfte Odermatt dem Italiener im Zielraum anerkennend auf die Schulter. Auch Feurstein gratulierte dem Sieger zu einem “super Job mit Startnummer eins”.
Dieser gestand prompt: “Es war stressig.” Zwei Jahre zuvor war Franzoni im Canadian Corner noch schwer gestürzt, nun glaubte der dreifache Junioren-Weltmeister ausgerechnet in dieser Passage das Rennen gewonnen zu haben. Der Dritte von Gröden dachte im ORF-Interview auch an “Schicksal”. “Wenn du das Vertrauen hast, kann auch manchmal etwas Unglaubliches passieren.” Den Sieg widmete er seinem im Chile-Training tödlich verunglückten Zimmerkollegen Matteo Franzoso. “Ich habe ihm mein erstes Podium gewidmet und auch diesen Sieg. Zu Beginn der Saison habe ich gesagt, dass ich mein ganzes Leben lang mit ihm Ski fahren werde, und so wird es auch bleiben.”
Haaser und Odermatt scheitern im Kernen-S
Einmal mehr erwies sich das Kernen-S als Schlüsselstelle. Haaser etwa monierte an dieser einzigartigen Rechts-Links-Kombination im Weltcup acht Zehntel liegengelassen zu haben. “Das ist nicht akzeptabel. Da bin ich einfach nicht gut Skigefahren.” Auch Odermatt kassierte dort seinen entscheidenden Zeitrückstand. “Eine Stelle, da kann ich normal ein bisschen Zeit ausbauen. Heute habe ich versucht, noch ein bisschen länger zu warten. Es war einfach zu viel.”
Der Schweizer liegt zur Saison-Halbzeit in der Super-G-Wertung 94 Punkte vor dem ersten Verfolger namens Kriechmayr. Der Oberösterreicher konnte den Schwung nach einer ambitionierten Fahrt im oberen Teil nicht weiter tragen. “Den Canadian-Corner wie im Training vergeigt. Dann war überall der Wurm drin. Ein bescheidener Tag”, befand Kriechmayr.
Babinsky fand die “Überzeugung”
“Ich habe es ganz gut umgesetzt”, sagte hingegen Babinsky. Er ärgerte sich letztlich marginal über ein anderes “S”. “Ich habe das Ziel-S nicht ganz nach Plan durchgezogen.” Auf der pickelharten Piste war das Tempo extrem hoch. “Es ist ein irrsinniger Kampf von oben bis unten. Man muss eine Überzeugung haben, das macht es aus”, sagte Babinsky. Von den Fahrern mit höheren Nummern kam keine Gefahr, denn die Sicht am Lauberhorn wurde mit Fortdauer immer düsterer.
Der erst 24-jährige Franzoni gehört damit auch in der Abfahrt am Samstag zu den großen Favoriten. Wobei etwa Kriechmayr relativierte: “Morgen ist noch einmal eine andere Hausnummer. Da gibt es Leute wie Von Allmen oder Odermatt, die die letzten Jahre immer schnell waren. Aber was er heute abgeliefert hat, war herausragend.”




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen