Von: apa
Der Norweger Johan-Olav Botn hat wenige Wochen nach dem Tod seines Freundes Sivert Guttorm Bakken erstmals Olympia-Gold gewonnen. Der 26-Jährige triumphierte am Dienstag in Antholz im Einzel über 20 km ohne Fehlschuss 14,8 Sekunden vor dem französischen Weltmeister Eric Perrot. Bronze ging an Botns Landsmann Sturla Holm Laegreid (+48,3), der wie Perrot eine Strafminute verzeichnete. Die Österreicher spielten nur Nebenrollen, Patrick Jakob wurde 24.
Jakob unterliefen wie Dominic Unterweger (32.) und Simon Eder (34.) zwei Fehlschüsse, nach viel Zeitverlust in der Loipe lag das rot-weiß-rote Trio im Ziel über fünf Minuten hinter dem Sieger. “Ich bin schon sehr zufrieden. Seit Jänner ist es immer mehr bergauf gegangen, den Schwung habe ich gut mitnehmen können”, sagte Olympia-Debütant Jakob, der im Weltcup noch nie so weit vorne gelandet ist.
Fabian Müllauer schoss sieben Mal daneben und landete abgeschlagen auf Rang 73. Knapp an einer Sensation dran war der Finne Olli Hiidensalo, der ohne Schießfehler letztlich aber deutlich hinter Laegreid Vierter wurde. Etliche Mitfavoriten wie Titelverteidiger Quentin Fillon Maillet aus Frankreich (8.) beförderten sich mit zu vielen verpassten Scheiben früh aus dem Medaillenrennen.
Botn siegte im Gedenken an toten Freund Bakken
Der erst in der heurigen Saison im Weltcup so richtig durchgestartete Botn stürmte mit 20 Treffern zu seiner ersten Medaille bei einem Großereignis. “Für Sivert”, schrie Botn im Ziel in die TV-Kamera und deutete mit dem Finger in den Himmel. Am 23. Dezember hatte er im Trainingslager am Lavaze-Pass seinen Teamkollegen Bakken in der Früh tot in dessen Hotelzimmer aufgefunden. Bakken trug bei seinem Auffinden eine Höhentrainingsmaske, die Todesursache ist weiter unklar, die Ergebnisse der Autopsie sollen erst im März vorliegen.
“Wir haben im letzten Jahr fast jeden Tag zusammen trainiert, für uns beide war es ein großer Traum, hier Olympiasieger zu werden. Ich hatte das Gefühl, dass ich die letzte Runde mit ihm gelaufen bin und ich hoffe, er schaut von oben zu und ist stolz auf mich”, sagte Botn.
Bronzemedaillengewinner Laegreid äußerte sich ähnlich und vergoss im Zielraum viele Tränen. Er berichtete danach aber auch in einem TV-Interview ungefragt von einem Seitensprung. Nach dem “größten Fehler” wolle er “die Liebe meines Lebens” zurückgewinnen. Dass er dafür die größte Bühne des Sports nützte, sorgte für viel mediales Echo. “Es tut mir leid, Johan, ich möchte dir nicht die Show stehlen”, meinte er auf der Pressekonferenz.




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