Von: apa
Österreichs zwölf Fußball-Bundesliga-Trainer trauen Österreichs Nationalteam bei der am 11. Juni beginnenden WM in den USA, Mexiko und Kanada viel zu. Das ist bei einer von der APA – Austria Presse Agentur durchgeführten Umfrage deutlich geworden. Niemand zweifelt am Überstehen der Gruppenphase, viele würden daher ein Out im folgenden Sechzehntelfinale noch nicht als Erfolg bezeichnen. Die Qualität von David Alaba und Co. wird als sehr hoch eingeschätzt.
“Ich traue unserem Nationalteam alles zu, wenn wir in einen guten Flow kommen”, sagte Rieds scheidender Trainer Maximilian Senft und lehnte sich damit am weitesten aus dem Fenster. Blau-Weiß-Linz-Coach Michael Köllner sprach davon, dass die ÖFB-Truppe “sehr weit” kommen könne. Auch WSG-Trainer Philipp Semlic ist sehr positiv gestimmt. “Ich bin überzeugt, dass wir gute Chancen haben, als eines der Überraschungsteams des Turniers wahrgenommen zu werden”, unterstrich der 43-jährige Steirer. Laut Salzburgs Ex-Trainer Daniel Beichler, WAC-Coach Thomas Silberberger und Altachs Ognjen Zaric darf mit einer Teilnahme am Viertelfinale spekuliert werden.
Sechzehntelfinal-Duell mit Spanien droht
Auf dem Weg dorthin müssten nach der Gruppenphase mit dem Sechzehntel- und Achtelfinale zwei K.o.-Spiele erfolgreich gestaltet werden. Die ÖFB-Auswahl misst sich in der Gruppe J mit Jordanien (17. Juni/Santa Clara), Weltmeister Argentinien (22. Juni/Dallas) und Algerien (28. Juni/Kansas City). Neben den zwei Besten der zwölf Gruppen steigen auch noch die acht besten Dritten auf.
“Ich denke, dass das Team in der Lage ist, jedem Gegner Schwierigkeiten zu bereiten”, sagte LASK-Meistertrainer Dietmar Kühbauer. Das bekräftigte auch Austrias Coach Stephan Helm. “Ich traue es unserem Team zu, den einen oder anderen ‘Großen” aus dem Turnier zu kicken.” Diese Meinung vertritt auch Sturms Vizemeister-Coach Fabio Ingolitsch, laut dem die ÖFB-Auswahl auch in der K.o.-Phase für Überraschungen gut sein werde. “Ich glaube, wir können – mit dem richtigen Turnierverlauf – sehr weit kommen”, ergänzte der 34-Jährige.
Gruppenphase überstehen “Messlatte für Erfolg”
Sollte schon im Sechzehntelfinale Spanien warten, sind die Bedenken bei einigen Verantwortlichen groß. “Da wären wir natürlich krasser Außenseiter”, betonte Hartbergs Ex-Coach Manfred Schmid. Auch für Rapids Johannes Hoff Thorup wäre dann die “Wahrscheinlichkeit für ein Ausscheiden sehr hoch”. Bei einer guten Leistung gegen solch eine Topnation könne man aber unabhängig vom Ergebnis ein positives Resümee ziehen. Auch für Semlic ist “das Überstehen der Gruppenphase die Messlatte für einen Erfolg”. Auch Silberberger und Zaric sehen das so.
Bei anderen liegt diese etwas höher. Laut Schmid wäre “alles ab dem Achtelfinale überragend”. Der Meinung von Feldhofer und Senft zufolge, dürfe man erst ab dem Viertelfinale von einem erfolgreichen Turnier sprechen. Das zu erreichen, wird kein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass Österreich zuletzt 1998 auf der WM-Bühne vertreten war. Da kam wie zuvor auch 1990 und zum fünften Mal in Folge schon nach der Gruppenphase das Aus. Aufgrund der hohen Kaderqualität der ÖFB-Auswahl rechnen viele Coaches mit einem Ende dieses Negativtrends.
Kühbauer: “Sehr gutes Gerüst mit vielen Top-Spielern”
“Österreich verfügt aktuell über ein sehr gutes Gerüst mit vielen Top-Spielern, die seit Jahren in internationalen Ligen konstant auf hohem Niveau ihre Leistung zeigen und auch die nötige Erfahrung mitbringen. Daher bin ich schon der Meinung, dass das aktuelle Team das stärkste seit langer Zeit ist”, erläuterte Kühbauer. Laut Helm handle es sich sogar um “eines der stärksten Teams in der Geschichte”. Ingolitsch sprach vom “leistungsstärksten Nationalteam, seitdem ich den Fußball intensiv verfolge”. Senft stellte einen Vergleich zum 1998er-Team her: “Ich verbinde große Gefühle mit unserer Mannschaft 1998, die meine Kindheit geprägt hat, und denke, dass die aktuelle Mannschaft qualitativ mit diesem Team mithalten kann.”
Semlic hob in diesem Bayerns Konrad Laimer und Leipzigs Christoph Baumgartner hervor. “Es ist nur einer von vielen Parametern, aber dass unser Kader mit so vielen Akteuren gespickt ist, die sich bei Spitzenclubs behaupten, ist definitiv ein großer Trumpf”, betonte der WSG-Coach. Beichler erwähnte, dass man sowohl in der Spitze als auch in der Breite sehr gut besetzt sei. “Darüber hinaus hat man das Gefühl, dass es einen sehr guten Teamspirit gibt, was für so ein Turnier ein zusätzliches Plus ist.”
Hoff Thorup: “Das Team ist entscheidend”
Für die Trainerlegionäre war es schwierig, einen Vergleich zu ziehen, von den Vorstellungen des aktuellen Teams waren sie aber angetan. “Die Nationalmannschaft hat viele Zutaten, die ein starkes Team braucht: Teamgeist, Mentalitätsspieler, Unterschiedsspieler, eine gute Altersstruktur, einen klaren Spielstil, einen starken Trainer und einen ausgeprägten Hunger nach Erfolg”, skizzierte Köllner. Auch laut Hoff Thorup wirke die Truppe von Coach Ralf Rangnick sehr stark. “Sie haben einen klaren Plan, es hängt nicht so viel an der individuellen Qualität Einzelner, das Team ist entscheidend. So kann man erfolgreich sein”, meinte der Däne. Die größten ÖFB-WM-Erfolge waren Rang drei 1954 und Platz vier 1934.




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