UEAF-Chef Ceferin und FIFA-Boss Infantino haben Redebedarf

FIFA sorgt mit Investoren-Plänen erneut für Ärger in Europa

Mittwoch, 29. Juli 2026 | 14:19 Uhr

Von: importer

FIFA-Boss Gianni Infantino hat mit seinen Investorenplänen für große Kritik gesorgt. Nur gut eine Woche nach dem WM-Finale in den USA teilte der Fußball-Weltverband mit, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils seiner kommerziellen Rechte etwa an der WM Milliarden einspielen zu wollen. Aus Europa gab es dazu ein klares Veto, auch der ÖFB stellte sich dagegen. Die UEFA soll laut Medienberichten diese Woche ein Dringlichkeitsmeeting planen. Es sei auch ein WM-Boykott möglich.

“Ich stehe den Plänen ablehnend gegenüber”, teilte ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll der APA mit. “Mein Zugang geht zu 100 Prozent mit dem Statement der UEFA konform.” Europas Verband ist der mächtigste Gegner der Pläne, die Ablehnung wurde klar kommuniziert. “Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften”, teilte die UEFA mit. Einen Bericht, wonach man den Boykott von FIFA-Wettbewerben erwäge, wollte die UEFA am Mittwochvormittag nicht kommentieren.

Die BBC berichtete, dass es noch diese Woche eine Dringlichkeitssitzung der europäischen Verbände geben soll. Ihr Statement veröffentlichte die UEFA bereits auf Basis eines Berichts der “Times” und noch bevor die FIFA offiziell die Pläne mitteilte. Als UEFA-Vizepräsident betonte der Deutsche Hans-Joachim Watzke die große Macht der Europäer. “Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht”, sagte Watzke.

“Times”: FIFA setzt auf Zustimmung innerhalb von 53 Tagen

Am Mittwoch berichtete die “Times”, dass die FIFA auf eine Zustimmung innerhalb von 53 Tagen setze und dafür eine Summe von 40 Millionen US-Dollar aufrufe. Bei einer Ablehnung hingegen gebe es demnach 10 Millionen US-Dollar. Dies sei “reine Bestechung”, sagte eine nicht namentlich genannte Person der Zeitung. Von der FIFA gab es zunächst keine Angaben dazu.

Es ist nicht das erste Mal, dass Präsident Infantino aktiv einen vorher nie erlebten Ausverkauf von FIFA-Rechten plant. Im November 2018 warb der Schweizer für einen Investoren-Deal für die Vermarktungsrechte an einer neuen Club-WM mit 24 Teams sowie einer globalen Nations League mit einem Finalturnier kontinentaler Champions. Es ging um die stolze Summe von 25 Milliarden Dollar. Damals scheiterte Infantino.

Infantino winkt wichtiger Posten

Diesmal nannte die FIFA einen Erlös von etwas mehr als vier Milliarden US-Dollar (3,52 Mrd. Euro). Ein solcher Schritt hätte außerdem einen anderen Effekt: Infantino könnte nach einer weiteren Periode als Präsident ab 2031 zum Geschäftsführer des neu zu gründenden Tochterunternehmens FFE werden und so nach 15 Jahren Amtszeit weiter mächtig im FIFA-Kosmos wirken.

Konkrete Änderungen für Fans kündigte die FIFA nicht an. Einem Bericht der “Times” zufolge könnte ein solcher Deal den Druck erhöhen, das Feld einer WM weiter auszubauen oder die WM häufiger als bisher auszutragen. Hintergrund ist das Geschäftsmodell solcher Beteiligungen: Die Investoren setzen darauf, dass die Erlöse der kommerziellen Gesellschaft steigen. Wachsen Umsatz und Unternehmenswert, steigt auch der Wert ihrer Beteiligung. Mehr Spiele oder mehr Turniere könnten für höhere Einnahmen sorgen.

Auch bei Infantinos Milliarden-Plänen 2018 ging der europäische Dachverband mit Präsident Aleksander Ceferin in Opposition zum Weltverband – und setzte sich am Ende durch. Ceferin war auch bei den Super-League-Plänen europäischer Clubs im Jahr 2021 einer der lautesten und prominentesten Gegner. Er kündigte unter anderem an, Profis könnten nicht mehr bei WM und EM spielen, wenn sie Teil dieser Super League würden.

Geld für kleine Verbände

Diesmal wird sich die Opposition komplizierter gestalten, denn Infantinos FIFA will die Fußball-Welt und vor allem die kleinen Verbände mit zusätzlichem Geld überschütten. Abseits der Ablehnung aus Europa dürfte es gerade bei kleineren Mitgliedsstaaten eine Zustimmung für die Idee geben, weil sie schlicht für einen deutlichen Anstieg der Einnahmen sorgen. “Hier geht es um die Demokratisierung des Fußballs weltweit”, sagte Infantino.

“Wir beabsichtigen, auch in die kleinsten oder entlegensten Teile der Fußballwelt, die zu oft übersehen werden, massiv zu investieren”, fügte der Schweizer an. Nach FIFA-Angaben könnten sich die Einnahmen pro Jahr für die Mitgliedsstaaten mehr als verdreifachen – auf im Schnitt bis zu mehr als sieben Millionen US-Dollar pro Jahr bis 2038. Das ist vor allem für kleine Verbände ein riesiges Geschäft.

Enttäuscht zeigte sich neben der UEFA auch die CONCACAF, die die Nationen in Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik vertritt, sowie die asiatische Konföderation AFC. Der CONCACAF-Verband bekrittelte das Prozedere. “Wir sind zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens”, hieß es in einem Statement, über das Sky News berichtete. Man habe erst über die Medien davon erfahren. Ähnliches kam vom AFC: “Wir sind enttäuscht, dass solch ein bedeutender Vorschlag angekündigt wird bevor wir Zeit hatten, den Plan zu prüfen.”

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