Von: ka
East Rutherford/Madrid/Bozen – Von den prickelnden Argentiniern, die im Halbfinale die zaudernden Engländer mit 2:1 besiegten, war am Sonntag im Finale in East Rutherford bei New York nichts mehr zu sehen. Die Albiceleste spielten ein fürchterliches WM-Finale. Der mit mehr oder weniger übeln Tricks und Fouls garnierte Angsthasenfußball einer Mannschaft, die nur auf das Elfmeterschießen wartete, wurde zu Recht nicht belohnt – Spanien gewann verdient seinen zweiten WM-Titel. Ein unwürdiger Abgang für Lionel Messi.

Für die Fußballexperten ist der Titelgewinn keine Überraschung. Die Spanier sind seit mittlerweile 38 Spielen ungeschlagen und haben damit einen neuen Weltrekord für Nationalmannschaften aufgestellt. Der Titel ist der sportliche Gipfel einer jungen, versierten Mannschaft, die seit Jahren zusammen und immer unter demselben Trainer spielt – und dadurch zu einer „Maschine“ wurde, die jeden Gegner aufreibt.
Doch Fußball war nie „nur” ein Sport, sondern galt schon immer als eine Art „Fieberthermometer”, das anzeigt, wie es um ein Land steht. Trotz der Vielzahl politischer und sozialer Probleme war die Stimmung im Land bereits vor dem Gewinn des WM-Pokals gut, denn Spanien wächst etwa dreimal so schnell wie der Rest der Eurozone und übertrifft andere große Volkswirtschaften wie Deutschland und Italien deutlich.

Bei den beiden Letztgenannten ist es genau umgekehrt. Seit die Azzurri dreimal in Folge den Einzug in die WM-Endrunde verpassten und die Schwarz-Rot-Goldenen nach enttäuschenden Vorrundenpleiten und einer noch bittereren Niederlage gegen Paraguay nur noch von der Erinnerung an glorreiche alte Fußballzeiten zehren, ist eine fast unwirkliche Stille in Südtirol eingekehrt – die Tifosi und Deutschland-Fans waren früher allenfalls enttäuscht und traurig, inzwischen haben jedoch beide resigniert. Deutschland und Italien sind heute ernüchternde Beispiele für politische Grabenkämpfe, eine lahme Wirtschaft und eine Gesellschaft, die wenig optimistisch in die Zukunft blickt. Das „Fußballfieberthermometer“ trifft es daher auch diesmal.
Sowohl im Fußball als auch im Staat warten die Deutschen und Italiener auf den einen Heilsbringer, der es richten soll. Das Beispiel Spanien zeigt jedoch, dass Erfolg auf dem Leistungsprinzip, dem „Hunger” junger Leute und dem Willen, an einem Strang zu ziehen, fußt. Das Land ist zu Recht ganz oben! Daher: Eviva España!




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen