Halbfinale: Jakub Mensik belohnt sich für einen heroischen Kampf

Mensik gewinnt Paris-Duell der Youngsters – Zverev souverän

Mittwoch, 03. Juni 2026 | 00:03 Uhr

Von: APA/dpa

Der Deutsche Alexander Zverev und der Tscheche Jakub Mensik bestreiten am Freitag das erste Halbfinale im Männer-Einzel der Tennis-French-Open. Zverev hatte den 19-jährigen Spanier Rafael Jodar bis auf die erste Hälfte des ersten Satzes im Griff, steht nach einem 7:6(3),6:1,6:3 zum fünften Mal in Roland Garros unter den letzten vier. Der 20-jährige Mensik gewann das Youngster-Duell mit dem 19-jährigen Brasilianer Joao Fonseca nach 2:44 Stunden 6:4,6:3,7:6(3).

Mensik hatte zwei Sätze lang wie aus einem Guss gespielt, Fonseca, Drittrunden-Bezwinger von Novak Djokovic, hatte da nichts zu bestellen. Mit Beginn des dritten Satzes aber schenkte Mensik seinem Gegner scheinbar förmlich ein Break, in Folge machte sich bei ihm aber eine offensichtliche Verletzung im Bereich Gesäß/Hüfte bemerkbar. Dennoch machte Mensik den Break-Rückstand wett und später auch noch einen 3:5-Rückstand. Er glich nicht nur aus, sondern ging 6:5 in Front und hatte als Rückschläger sechs Matchbälle. Fonseca wehrte sie alle ab.

Erneut Sieg mit dem siebentem Matchball

So ging es in das Tiebreak. Mensik hatte da heuer eine bessere Bilanz stehen als Fonseca, und das bestätigte er. Gleich der erste Punkt war ein Minibreak für den Tschechen. Mittlerweile war schon längst nichts mehr von einer Verletzung bei ihm zu merken, Fonseca kam nicht mehr heran. Wie schon in der zweiten Runde bei seinem Fünfsatzsieg im Match-Tiebreak gegen den Argentinier Mariano Navone nutzte Mensik seinen siebenten Matchball. Mensik: “Ich war Breaks hinten, bin aber fokussiert geblieben. Ich bin froh, dass ich das noch für mich entscheiden konnte.”

Der auf Position 26 gesetzte Mensik bekommt es nun mit dem zweitgereihten Zverev zu tun. Der Deutsche gilt in Folge des Turnierverlaufs als Titelfavorit, wird aber gegen Mensik gefordert sein. Mit Jodar hielt er einen der jungen Garde schon einmal souverän in Schach. Nur zu Beginn überraschte ihn sein Gegner, ging 4:2 in Front. Ab da nahm der Favorit das Heft in die Hand. Zverev erreichte das Tiebreak, in dem er schier unbezwingbar scheint. Mit der Satzführung im Rücken spielte sich der Weltranglistendritte in Titelform, nach 2:25 Std. war der Sieg eingefahren.

Nun fehlen ihm noch zwei Siege auf seinen ersten Major-Titel. Von 2021 bis 2024 war er in Roland Garros Jahr für Jahr ins Halbfinale gekommen, das Endspiel erreichte er aber nur 2024. Da folgte eine Niederlage gegen Carlos Alcaraz in fünf Sätzen. Zu weit möchte Zverev aber gar nicht vorausblicken: “Ich will die Matches gewinnen, die vor mir liegen – das ist mein Ziel”, sagte Zverev. “Ich bin im Halbfinale – aber das ist es für jetzt.” Das zweite Halbfinale wird am Mittwoch ermittelt, drei Italiener tummeln sich noch in der oberen Rasterhälfte – auch ohne Jannik Sinner.

Weiterer emotionaler Sieg von Kostjuk

Ins erste Frauen-Halbfinale dieses Turniers wiederum zogen die Russin Mirra Andrejewa und die Ukrainerin Marta Kostjuk ein. Madrid-Titelträgerin Kostjuk entschied das Duell mit ihrer Landsfrau Elina Switolina 6:3,2:6,6:2 für sich – an einem Tag weiterer russischer Angriffe auf deren Heimatland mit Todesopfern. Den Menschen in ihrer kriegsgebeutelten Heimat widmete Kostjuk auch den Sieg. “Wir hatten wieder eine sehr schwierige Nacht in der Ukraine, besonders in Kiew. So viele Menschen sind tot”, sagte die 23-Jährige mit Tränen in den Augen.

Von den Rängen im Stadion Philippe Chatrier gab es dafür tosenden und langen Applaus, auch ukrainische Flaggen waren zu sehen. Für Kostjuk ist es das erste Grand-Slam-Halbfinale, als erste Ukrainerin schaffte sie es bei diesem Grand Slam unter die letzten Vier. Sie hatte nach ihrem Auftaktmatch öffentlich gemacht, dass 100 m von ihrem Elternhaus eine Rakete ein Gebäude zerstört habe. Sie zeigte auf der Pressekonferenz ein Foto, das die Zerstörung zeigen soll. Sie versuche, wann es geht, “an die Schrecken des Alltagslebens der Menschen” in ihrer Heimat zu erinnern.

Pikanterweise trifft Kostjuk im Spiel ums Finale ausgerechnet auf eine Russin. Die 19-jährige Andrejewa hatte sich kurz zuvor gegen die Rumänin Sorana Cirstea mit 6:0,6:3 beeindruckend durchgesetzt und war zum zweiten Mal in ihrer Karriere in die Runde der besten Vier eingezogen. Auf den im Tennis eigentlich obligatorischen Handschlag am Netz verzichten ukrainische Profis, wenn sie auf Spieler und Spielerinnen aus Russland treffen.

Oberleitner nach Kampf im Doppel-Viertelfinale out

Eine weitere starke Leistung lieferte der Wiener Neil Oberleitner im Doppel. An der Seite des Tschechen Petr Nouza schied er gegen die italienische Nr-5-Paarung Simone Bolelli/Andrea Vavassori nach Auslassen von Matchbällen mit 7:6(7),1:6,6:7(12) aus. Die Partie dauerte 2:40 Stunden. Der 26-jährige Oberleitner wird sich nach seinem bisher wohl größten Erfolg in der Doppel-Weltrangliste in die Top 50 verbessern.

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