Von: apa
Die Steirerin Julia Scheib hat vorzeitig die kleine Kristallkugel im Riesentorlauf der alpinen Skirennläuferinnen gewonnen. Die 27-Jährige feierte am Samstag in Åre ihren fünften Weltcup-Saisonsieg, Camille Rast als ihre einzige verbliebene Konkurrentin schied im zweiten Lauf aus. Die Schweizerin war nach dem ersten Lauf 0,11 Sek. direkt vor Scheib in Front gelegen. Die Plätze zwei und drei in der Tageswertung belegten Paula Moltzan (USA/+0,36) und Alice Robinson (NZL/+0,75).
“Es fühlt sich unglaublich gut an. Ich habe selten so einen Fight gehabt jetzt im zweiten Durchgang”, sagte Scheib in einer ersten Reaktion im ORF. “Ich habe alles reingelegt, weil ich es unbedingt gewinnen wollte.” In der Wertigkeit stehe dieser Erfolg sehr hoch. Einziger Wermutstropfen in dieser Saison bleibe das Ausbleiben der Olympia-Medaille. “Wenn man so eine Saison hat, will man natürlich eine Medaille holen, da hab ich schon ein bisserl zu kämpfen gehabt. Ich habe das trotzdem relativ schnell abhaken können. Das heute war wichtig und ist gut aufgegangen.”
Emotional auf die insgesamt neunte Weltcup-Kristallkugelgewinnerin im Frauen-Riesentorlauf reagierte ÖSV-Frauen-Cheftrainer Roland Assinger: “Diese Kugel war – die letzten drei Jahre waren Hardcore (unter Tränen, Anm.), die Kugel von Cornelia Hütter und die jetzt drauf ist schon was ganz Besonderes. Diese Julia Scheib macht das heute, freue mich innerlich brutal.” Es kündigte sich eine zumindest für die ruhige Scheib doch etwas intensivere Feier an, da die Weiterreise erst für Montag angesetzt ist. “Wir werden mit dem Team schon mal eine Gaude haben. Das darf man schon feiern.”
“Erleichterung und pure Freude”
Denn die Freude bei der 27-Jährigen war groß. “Natürlich Erleichterung und pure Freude. Es ist aber für mich immer wichtig, dass man halbwegs auf einem Level bleibt mit den Emotionen. Weil wenn ein Rennen in die Hose geht, dann darf man sich auch nicht ganz fallen lassen. Wenn du jetzt ganz oben stehen darfst, kann das schon halbwegs normal bleiben. Natürlich freue ich, aber es geht dann wirklich nach innen.” Was dieser schon vor dem für 24. März angesetzten in Hafjell angesetzten Riesentorlauf für sie bedeutet, merkte man Scheib dann auch bei der Siegerehrung an.
Es ist die erste ÖSV-Kugel im Frauen-Riesentorlauf seit zehn Jahren, als Eva-Maria Brem erfolgreich blieb. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es die einzige für Ski Austria in diesem Winter bleiben. Eine theoretische Chance auf eine der begehrten Auszeichnungen hat noch Vincent Kriechmayr im Super-G der Männer. Nach der am Samstag in Courchevel erfolgten Rennabsage müsste der Oberösterreicher in noch zwei angesetzten Rennen dieser Disziplin – darunter am Sonntag erneut in Courchevel – aber 158 Punkte auf den Schweizer Superstar Marco Odermatt aufholen.
Während Scheib verhinderte, dass es wie im Vorjahr bzw. zum vierten Mal in fünf Jahren keinen rot-weiß-roten Disziplinsieg gibt, wurde Stephanie Brunner in der Tageswertung als zweitbeste Österreicherin 3,04 Sek. zurück Zwölfte. Sonst kam aus dem ÖSV-Lager nur Franziska Gritsch als 22. in die Wertung (+4,12). Nina Astner war im ersten Lauf ausgefallen. Nur ein Quartett in Rot-Weiß-Rot auf der Startliste war es auch deswegen, da zeitgleich in Narvik in Norwegen die Junioren-Weltmeisterschaften stattfinden. Für Sonntag ist in Åre ein Frauen-Slalom angesetzt (9.30/12.30 Uhr).
Österreich wie Schweiz mit 13 Kugeln im Frauen-Riesentorlauf
Vor Scheib die beste Riesentorläuferin einer Weltcup-Saison waren Annemarie Moser-Pröll drei- sowie Anna Veith bzw. Fenninger und Anita Wachter je zweimal wie auch je einmal Brem, Michaela Dorfmeister, Nicole Hosp, Monika Kaserer und Alexandra Meissnitzer. Damit hat Scheib die 13. ÖSV-Kugel in dieser Disziplin geholt, womit die Marke der Schweiz eingestellt wurde.
Im Gesamtweltcup büßte die da führende und seit Freitag 31-jährige US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin als Fünfte (+2,22) nur fünf Zähler auf ihre Verfolgerin Emma Aicher ein, da die Deutsche Vierte wurde (+1,74). Bei fünf in dieser Saison noch angesetzten Rennen hat Shiffrin noch einen Vorsprung von 120 Punkten auf Allrounderin Aicher. Diese will noch all diese Bewerbe bestreiten, Shiffrin wohl nur die noch anstehende Abfahrt nicht. Ihren Rückstand im Rennen fasste die Slalom-Olympiasiegerin zur Gänze bei einem “Steher” an einer kniffligen Stelle im ersten Lauf aus.




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