Eurac Research

Sensortechnologie, um den Tragekomfort von Sportkleidung zu bewerten

Dienstag, 16. Oktober 2018 | 21:10 Uhr

Bozen – Im Auftrag der Südtiroler Firma Q36.5 entwickelten Forscher von Eurac Research spezielle Sensoren und ein informatisches Modell zum Test von Fahrradbekleidung

Das neuartige Sensorensystem ermöglicht es, sehr viel präziser als bisher zu bewerten, wie Textilien das Wohlbefinden des Athleten beeinflussen. Die Daten der Sensoren wurden von einer speziell für diesen Zweck entwickelten Software ausgewertet. Der Firma Q36.5, die High-Tech-Fahrradkleidung herstellt, lieferten sie wertvolle Informationen darüber, wie gut verschiedene Materialien eine Überhitzung oder Auskühlung des Körpers verhindern. Nun möchte man eine App für Sportler entwickeln und arbeitet an Anwendungen im medizinischen Bereich.

Zehn Sensoren, verteilt über Körper und Kleidung des Athleten; eine Wärmebildkamera, die anzeigt, wie die Wärme sich im Körper ausbreitet; fünfzehn Straßenkilometer unterschiedlicher Steigung und Höhenlage: All dies war Teil der Versuchsanordnung, mit der der thermische Komfort von Athleten gemessen wurde während sie Sportkleidung aus mehr als zehn verschiedenen Materialien trugen. „So präzise wurde noch nie getestet, wann ein Fahrradfahrer sich im Zustand thermischen Komforts befindet – was sich dann natürlich auch auf seine Leistung auswirkt“, erklärt Abraham Mejia Aguilar, für die Studie verantwortlicher Forscher von Eurac Research. „Üblicherweise wurde nur die Wassersättigung der Kleidung gemessen; was den thermischen Komfort betraf, so war das subjektive Empfinden des Sportlers das einzige Kriterium der Bewertung.“ Die von Mejia Aguilar und seinen Kollegen entwickelte Methode stützt sich dagegen auf präzise Messungen: Die thermische Behaglichkeit des Athleten wird davon bestimmt, wieviel Schweiß das Gewebe zu verdunsten erlaubt, ohne dass dies die Körpertemperatur negativ beeinflusst. Für die Tests fuhren die Athleten bei unterschiedlichen Wetter- und Klimabedingungen und mit verschiedenen Textilien bekleidet, während die Forscher sie über die Sensoren genau überwachten und Parameter wie Temperatur und Feuchtigkeit maßen.

Ein informatisches Modell verwandelte die Daten in konkrete Informationen über die Performance der getesteten Textilien. „Durch die standardisierte und also wiederholbare Messung physiologischer Parameter lieferten die Tests uns wichtige Informationen für die Weiterentwicklung unseres Produkts“, erklärt der Gründer von Q36,5, Luigi Bergamo. „Unsere Produkte sind das Ergebnis eines in Jahrzehnten angesammelten wissenschaftlichen Know-hows im Textilbereich, und dieses System erlaubt es uns, sie objektiv zu bewerten. Im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit konnten wir so einige neu entwickelte Textilien mit recycelten oder aus Naturfasern gewonnenen Garnen erproben.“

Die von Eurac Research entwickelte Technologie könnte auch in anderen Bereichen Anwendung finden. So ist vorstellbar, dass ähnliche Sensorensysteme in Krankenhäusern eingesetzt werden, um die Feuchtigkeit und Temperatur in den Betten bettlägeriger Patienten zu kontrollieren und so die Ausbreitung bestimmter Bakterien zu verhindern.

Die Forscher entwickelten die Sensoren im Rahmen des Projekts „BICI – Bicycle clothing and thermal comfort estimation“, finanziert durch die „Ausschreibung Innovation 2016“ des Landesgesetzes 14 („Forschung und Innovation“). Informationen zu Q36.5: www.q36-5.com

Von: bba

Bezirk: Bozen

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