Tadej Pogacar gewinnt erneut die Tour de France

Unantastbarer Pogacar fixiert fünften Tour-de-France-Sieg

Sonntag, 26. Juli 2026 | 20:56 Uhr

Von: APA/dpa

Tadej Pogacar steht zum fünften Mal als Gesamtsieger der Tour de France fest. Der 27-jährige Slowene vom UAE-Team beendete die dreiwöchige Frankreich-Radrundfahrt mit dem deutlichen Vorsprung von 6:26 Minuten auf den belgischen Olympiasieger Remco Evenepoel und trat auch beim Triumphzug durch Paris noch einmal ordentlich in die Pedale. Den Sieg auf der 21. Etappe am Sonntag holte sich in einem Herzschlagfinale der Niederländer Mathieu van der Poel.

Der amtierende Cyclocross-Weltmeister rettete auf der Avenue des Champs-Elysees einen Zentimeter-Vorsprung ins Ziel. Pogacar wurde 300 m vor dem Zielstrich von der Verfolgergruppe gestellt. Mit Jasper Philipsen auf Platz zwei feierte der Alpecin-Rennstall zum Abschluss einen Doppelsieg. Pogacars Gesamterfolg stand bereits 48 Kilometer vor dem Ziel fest, da die Zeit für das Gesamtklassement wieder angehalten wurde. Somit konnten auch die Topstars auf dem Kopfsteinpflaster hoch zum Montmartre voll angreifen – und lieferten den Schaulustigen ein letztes Spektakel.

“Es war ein großartiger Tag. Ich bin sprachlos. Ich bin froh, dass es vorbei ist, dass ich zum fünften Mal gewonnen habe”, jubelte Pogacar sodann. “Es ist jeder Sieg besonders. Siebenmal die Tour gefahren, siebenmal Podium. So kannst du eigentlich kein Drehbuch schreiben, es ist unglaublich.”

Zwei Österreicher in wichtigen Rollen

Das prestigeträchtige Bergtrikot ging an Richard Carapaz (EF) aus Ecuador. Sprinterkönig wurde der Däne Mads Pedersen (Lidl-Trek). Der beste Nachwuchs-Mann war der Gesamtdritte Isaac del Toro (UAE). Der Österreicher Felix Großschartner beendete seine vierte Tour als einer der wichtigsten Helfer von Pogacar auf Platz 32. Sein Landsmann Marco Haller (147.) gab den “Road Captain” für das Tudor-Team. Der Routinier aus Kärnten schaffte seine elfte Zielankunft bei der prestigeträchtigsten Rundfahrt der Welt, er wurde zum Abschluss am Prachtboulevard am Sonntag Tages-16.

Die Hoffnung der Konkurrenz auf einen womöglich schwächelnden Pogacar war bereits vor dem Tour-Start verhalten gewesen. Und der “Menschenfresser”, wie ihn Frankreichs Sportbibel L’Equipe bewundernd beschrieb, war bei der 113. Tour-Ausgabe wieder unantastbar. Mit Solosiegen und Klettershows in den Bergen, neuen Rekorden, aber auch Dopingkontrollen um 5.00 Uhr morgens und Buhrufen vom Straßenrand für Pogacar ging das Rad-Spektakel über die Bühne.

Tour-Rekord nur eine Frage der Zeit

Bereits vor dem Schlussakt hatte der legendäre Eddy Merckx den Ausnahmekönner im exquisiten Kreis der Fünffach-Sieger mit den beiden Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault sowie dem Spanier Miguel Indurain willkommen geheißen. Laut Merckx wird Pogacar sie alle schon bald überflügeln. “Ich glaube nicht, dass er sich damit begnügen wird, mit mir und den anderen Champions gleichzuziehen. Bald wird er unseren Rekord an Tour-Siegen brechen”, zeigte sich der 81-jährige Belgier überzeugt.

Schon 2020, 2021, 2024 und 2025 hatte Pogacar triumphiert. In den Bergen war es für die Konkurrenz wieder eine “Mission Impossible”, wie Evenepoel eingestand. Wenn der Weltmeister antrat, konnten die Rivalen nur bewundernd zuschauen. So wie bei seinem Meisterstück über die 21 Serpentinen hinauf ins Radsport-Mekka Alpe d’Huez, als Pogacar dreieinhalb Minuten auf eine starke Ausreißergruppe aufholte.

Der Himmel als Limit: “Kleine Dinge verbessern sich nach wie vor”

Damit pulverisierte er auch den 31 Jahre währenden Rekord von Marco Pantani. 35:26 Minuten für den 13,8 Kilometer langen Schlussanstieg, ein Schnitt von mehr als 23 km/h, 1:24 Minuten schneller als 1995 die italienische Legende – für viele Experten eine unmenschliche Leistung. Schon am Col du Tourmalet in den Pyrenäen hatte Pogacar eine neue Bestleistung aufgestellt. “Rekorde interessieren mich nicht, es geht mir um den Sieg”, gab sich Pogacar bescheiden. Ähnlich wollte er auch seine vier weiteren Etappenerfolge in diesem Jahr nicht überbewerten.

26 Tour-Etappensiege hat Pogacar nun eingefahren. Hätte er nicht zwischendurch auch seinen drittplatzierten Teamkollegen Isaac Del Toro unterstützt, wären es wohl noch mehr. Nur noch Ex-Sprintstar Mark Cavendish (35), Merckx (34) und Hinault (28) stehen vor ihm. Geht der 27-Jährige in dem Tempo weiter zur Sache, könnte der Rekord schon in zwei Jahren fallen. “Ich habe nicht das Gefühl, dass ich seit 2024 wesentlich stärker geworden bin. Aber ich habe mehr Erfahrung; kleine Dinge verbessern sich nach wie vor. Es kommt auf die Details an”, sagte Pogacar.

Teamchef: “Aura wie Federer”

“Pogi ist inzwischen zu einer weltweiten Persönlichkeit geworden”, schwärmte sein Teamchef Mauro Gianetti: “Er hat die Aura, das Charisma, die Anziehungskraft eines Roger Federer. Er ist eine Ikone.” Der Mann aus Komenda vertritt mittlerweile auch meinungsstark die Interessen des Pelotons. Wie nach dem verhängnisvollen Sturz seines Rivalen Jonas Vingegaard, der nach einer nächtlichen Dopingkontrolle auf der 15. Etappe stürzte und einen Schlüsselbeinbruch erlitt.

Pogacar mutmaßte, dass darin ein Zusammenhang bestanden haben könnte. Neben Vingegaard wurde auch Pogacar nachts kontrolliert. Ein in Frankreich beispielloser Vorgang, der von einem Pariser Gericht genehmigt wurde. Natürlich radeln Verdachtsmomente angesichts solcher Wunderdinge mit.

Buhrufe stacheln ihn an

Die Dominanz von Pogacar gefällt nicht jedem. Auch am Straßenrand gab es bisweilen Buhrufe für den Unersättlichen. “Das macht uns nur stärker”, entgegnete Pogacar: “Wenn mich jemand ausbuht, denke ich an Novak Djokovic und lasse mich von ihm inspirieren.” Auch der serbische Tennisstar hat nicht nur Anhänger. 99 Prozent der Leute seien ihm aber positiv gestimmt, merkte Pogacar an. So kann der Radstar, der bis 2030 bei UAE unter Vertrag steht, seine nächsten Ziele in Angriff nehmen. Von der Vuelta ist die Rede, die Spanien-Rundfahrt fehlt ihm noch in seiner langen Siegerliste. Auch der Sieg beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix blieb ihm bei zwei zweiten Plätzen bisher verwehrt.

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