Von: importer
Die dänisch-ägyptische Regisseurin May el-Toukhy ist am Samstag für ihren Film “Woman Unknown” mit dem Goldenen Löwen des Filmfestivals Venedig ausgezeichnet worden. Zudem gewann die Hauptdarstellerin des Films, Mathilde Arcel, den Preis als beste Schauspielerin. Der Große Preis der Jury, ging an “Possible Love” von Lee Chang-dong. Der Dokumentarfilm “NAZA” von Yuval Abraham und Rachel Szor über die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen gewann den Spezialpreis der Jury.
Das gab die Jury am Samstagabend bekannt. El-Toukhy nahm den Hauptpreis des renommierten Festivals am Lido am Samstagabend entgegen. May el-Toukhy ist Tochter einer dänischen Mutter und eines ägyptischen Vater und wuchs nach eigenen Angaben zweisprachig und zwischen diesen beiden Kulturen im Großraum Kopenhagen auf.
Kritik an geringem Frauenanteil
Die 49-Jährige ist die erst achte Frau, die in der Geschichte der Filmfestspiele den Goldenen Löwen gewonnen hat. Im diesjährigen Wettbewerb waren von 21 Filmen nur zwei von Frauen, was die Jury-Präsidentin Maggie Gyllenhaal als strukturelles Problem beschrieben hatte.
Es gibt ein systemisches Problem”, sagte die US-Schauspielerin und Filmemacherin bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des Festivals. Es sei für Frauen “viel schwieriger”, eine Finanzierung für ihre Filme zu bekommen. “Woman Unknown” war anfangs der einzige Film einer Frau unter den zunächst 20 Wettbewerbsfilmen. Die nachträgliche Aufnahme der Gaza-Dokumentation “NAZA verbesserte das Geschlechterverhältnis nur geringfügig.
Historiendrama “Woman Unknown”
Das Historiendrama “Woman Unknown” erzählt von der jungen Dänin Marie, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vor der Hochzeit mit ihrem wohlhabenden Arbeitgeber steht. Ihr greifbar naher gesellschaftlicher Aufstieg wird jedoch durch ein Geheimnis bedroht: Während der Besatzungszeit hatte sie eine Affäre mit einem deutschen Soldaten. In der von Rache geprägten Nachkriegszeit setzt sie nun alles aufs Spiel, um ihre mühsam aufgebaute Existenz vor der Entlarvung zu schützen.
“In ‘Woman Unknown’ geht es um den weiblichen Körper als Schlachtfeld und als Thema von öffentlichem Interesse. Gleichzeitig erzählt der Film die Geschichte unsichtbarer, ignorierter und stimmloser Frauen”, sagte el-Toukhy bei der Preisverleihung. Die Regisseurin bedankte sich bei Jury-Präsidentin Maggie Gyllenhaal dafür, dass sie “ihre Stimme erhoben und die mangelnde Chancengleichheit für Regisseurinnen in unserer Branche” thematisiert habe.
John Malkovich als bester Schauspieler geehrt
Der US-Amerikaner John Malkovich wurde als bester Schauspieler für den Film “Wild Horse Nine” ausgezeichnet. Der 72-Jährige spielt in der schwarzen Komödie “Wild Horse Nine” einen zynischen CIA-Agenten, der 1973 zusammen mit einem Kollegen nach Chile reist, kurz bevor sich dort das Militär an die Macht putsch
Der aus Russland stammende Ilja Chrschanowski, der heute unter anderem in Berlin lebt, bekam für “Dau” den Preis für die beste Regie. Für das beste Drehbuch wurde Regisseur und Drehbuchautor Stéphane Brizé für “Un bon petit soldat” geehrt, gemeinsam mit Coralie Amédéo und Olivier Gorce.
“NAZA” über Tötung palästinensischer Zivilisten
In der Dokumentation “NAZA” berichten israelische Militärvertreter und Geheimdienstler anonym, wie die israelische Armee im Gazastreifen palästinensische Zivilisten tötete. Abraham und Szor waren auch an dem Dokumentarfilm “No Other Land” über den Konflikt zwischen Palästinenser und Israelis im Westjordanland beteiligt, der 2025 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Die israelisch Armee wies die Darstellungen zurück.
Den Silbernen Löwen gewann der südkoreanische Regisseur Lee Chang Dong für seinen Film “Possible Love” über die Geschichte zweier Ehepaare aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Der Preis für die beste Regie ging an den in Russland geborenen Regisseur Ilja Chrschanowski für sein experimentelles Filmprojekt “DAU”. Der vom Medienboard Berlin-Brandenburg geförderte Film wurde von der Berliner Produktionsfirma Coproduction Office produziert.
Neben Cannes bedeutendste Filmfestspiele der Welt
Die 83. Filmfestspiele Venedig, die am 2. September begonnen hatten, zählen neben den Filmfestspielen in Cannes zu den bedeutendsten der Welt.
Zu Beginn und zur Halbzeit der 83. Auflage des Festivals in Venedig waren der US-Schauspieler und Filmemacher George Clooney sowie die US-Schauspielerin Ellen Burstyn mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt worden. Auch Film-Stars wie Russell Crowe, Chiara Mastroianni und Robert Pattinson wurden durch das Festival an den Lido gelockt.
Im vergangenen Jahr war US-Regisseur Jim Jarmusch für seinen Film “Father Mother Sister Brother” über dysfunktionale Familien in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. Den Silbernen Löwen gewann 2025 Doku-Drama “The Voice of Hind Rajab” der Regisseurin Kaouther Ben Hania über den Krieg im Gazastreifen.




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