"Jagd" von Marie-Louise von Motesiczky (1936) in "Her Story"

Albertina erzählt “Her Story”: Künstlerinnen im Fokus

Donnerstag, 29. Oktober 2026 | 12:50 Uhr

Von: importer

Die Albertina verfügt über 1,2 Millionen Objekte in der Sammlung. “Wir wissen alle von den Werken von Albrecht Dürer, Michelangelo bis hin zu Klimt und Schiele”, sagte Direktor Ralph Gleis am Donnerstag vor Medien. Bei seinem Amtsantritt habe er sich aber die Frage gestellt: “Was ist mit den Frauen der Albertina?” Die letzte Ausstellung zum 250-Jahr-Jubiläum des Museums soll Antworten geben: Sie holt die “Künstlerinnen der Albertina” vor den Vorhang und zeigt “Her Story”.

Präsentiert werden 250 Werke von 132 Frauen vom 16. Jahrhundert bis in die 1970er-Jahre. Darunter finden sich große Namen wie Maria Sibylla Merian, die traditionelle Blumenmalerei mit ihrer eigenen naturkundlichen Forschung verband, Angelika Kauffmann, Käthe Kollwitz oder Maria Lassnig, aber auch viele Neuentdeckungen. Der Bogen spannt sich von Zeichnungen und Druckgrafiken früher Kupferstecherinnen und Verlegerinnen über die Moderne bis zu frühen feministischen Positionen.

Gesellschaftliche Fragestellungen und Biografien

Die Schau ist als Verschränkung von “gesellschaftlichen Fragestellungen und den individuellen Biografien” (Gleis) konzipiert und daher chronologisch und thematisch gegliedert. Es sei Teil der Recherche gewesen, betonte der Direktor, die jeweiligen Geschichten der Künstlerinnen zu beleuchten. Am Beginn des Rundgangs begegnet man diesen übrigens selbst – in Form von Porträts und Selbstporträts. Dann wird Fragen nachgegangen wie: Wie verändern sich durch die Jahrhunderte die Lebensumstände und die Möglichkeiten, als Künstlerin tätig zu sein? Welche Rolle nehmen sie ein? Wie und wie dauerhaft war ihre Anerkennung?

Ein Abschnitt ist vertriebenen Künstlerinnen gewidmet. Beim Kapitel “Eigenständigkeit” wiederum “ging es uns auch darum, zu zeigen, dass Künstlerinnen von Anfang an Kunstgeschichte mitgeschrieben haben, teilweise wieder vergessen wurden, aber gerade die Moderne ganz massiv auch mitbestimmt haben”, erläuterte Elsy Lahner, die mit Elisabeth Dutz, Katharina Hövelmann und Eva Michel das Kuratorinnenteam bildete.

Herausforderungen und weitere Forschung

Bei der Gestaltung stand man vor großen Herausforderungen, wurde betont. In den hausinternen Datenbanken waren Künstlerinnen immer wieder unrichtig eingetragen. “Lebensdaten und Lebensorte waren teilweise falsch oder unvollständig”, berichtete Eva Michel. Vieles an historischer Druckgrafik in der Sammlung sei noch nicht digitalisiert. Darum wurden für die Ausstellung historische Inventarbücher gesichtet. “Es ist uns so gelungen, 199 neue Künstlerinnen zu finden, von denen wir noch nicht wussten, dass wir sie in der Sammlung haben.”

Die Forschung über diese Künstlerinnen ist “bei Weitem noch nicht abgeschlossen”. Und es habe sich bei den Recherchen gezeigt, dass es sich immer wieder lohnt, “die Sammlung neugierig zu durchforsten, weil hier noch sehr, sehr viele Schätze schlummern, die es zu heben gilt”. Gleis ergänzte: “Dieses Projekt, das wir hier zeigen, kann als eine Bestandsaufnahme oder vielleicht auch als Startpunkt für etwas bezeichnet werden, was noch kommt.”

(S E R V I C E – “Her Story” in der Albertina, 30. Oktober bis 14. Februar 2027, www.albertina.at )

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