Tourismus wird intensiver

Ausstellung „Über Tourismus“ in Bruneck

Freitag, 28. August 2026 | 11:29 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bruneck – Immer mehr Menschen reisen öfter, weiter und kürzer. Welche Auswirkungen haben unsere Urlaubswünsche auf die gebaute Umwelt, das soziale Gefüge und den Klimawandel? Und wie können wir einen Tourismus gestalten, der nicht zerstört, wovon er lebt? Diesen Fragen widmet sich die Ausstellung „Über Tourismus“ des Architekturzentrum Wien, die der Heimatpflegeverband Südtirol vom 8. September bis 25. Oktober 2026 nach Bruneck bringt.

Seit Jahrzehnten wird der Tourismus immer intensiver und ist zu einem integralen Bestandteil unseres westlichen Lebensstils geworden. Er hat Wertschöpfung, Wohlstand und Weltoffenheit auch in entlegene Gegenden gebracht und vielerorts dazu beigetragen, Abwanderung zu verhindern. Das ist die Sonnenseite des Tourismus. Auf der Schattenseite stehen Menschenmassen, Eingriffe in Natur und Landschaft, steigende Bodenpreise und zunehmender Verkehr. Viele Gemeinden erleben dieses Spannungsfeld unmittelbar: Einerseits profitieren sie vom Tourismus, andererseits werden seine unerwünschten Nebenwirkungen immer deutlicher. Über allem steht der Klimawandel – und damit die Frage, wie zukunftsfähig unser heutiges Tourismusmodell ist.

Tourismus und Lebensraum

Anhand von Illustrationen, Beispielen und umfangreichem Datenmaterial zeigt die vom Architekturzentrum Wien kuratierte Ausstellung das Zusammenspiel von Tourismus und Wirtschaftswachstum, Mobilität und CO₂-Emissionen, Bodenverbrauch und steigenden Wohn- und Lebenshaltungskosten. Sie thematisiert die Verdrängung der lokalen Bevölkerung ebenso wie die Entwicklung touristischer Unterkünfte zu Anlageobjekten und die zunehmende Privatisierung attraktiver Landschaftsräume.

„Wenn ein Land nur mehr als touristische Destination vermarktet wird, leidet die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung in mehrfacher Hinsicht. Massentourismus im heutigen Ausmaß bedroht die Grundlage einer Urlaubsregion: die Kultur- und Naturlandschaft, die Ruhe, den Erholungswert, die vielbeschworene Authentizität“, sagt Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbandes Südtirol.

Gerade in Südtirol berührt die Auseinandersetzung mit Tourismus zentrale Fragen der Heimatpflege: Wie verändern sich Landschaft und Siedlungsraum? Wie viel Verkehr und Infrastruktur erzeugt touristisches Wachstum? Wie bleiben Dörfer und Städte lebenswerte Orte für jene Menschen, die dauerhaft dort leben? Und wie lässt sich die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus mit dem Schutz seiner eigenen Grundlagen verbinden?

Nicht Anklage, sondern Auseinandersetzung

Die Kuratorinnen Karoline Mayer und Katharina Ritter machen unterschiedliche Auswirkungen und Phänomene des Tourismus in acht Themenfeldern greifbar. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Mobilität, Städtetourismus, touristisch geprägte Dörfer, Klimawandel, Landwirtschaft, Beherbergungsformen, die Privatisierung von Landschaft sowie die Frage, wie touristische Entwicklung geplant und gesteuert werden kann.

Der Blick richtet sich dabei nicht nur auf Fehlentwicklungen, sondern ebenso auf Alternativen. Beispiele aus verschiedenen Ländern zeigen neue Ansätze im Umgang mit Menschen, Landschaft, Ressourcen und Mobilität. Auch die Rolle der Reisenden selbst wird thematisiert: ihre Erwartungen, ihr Mobilitätsverhalten und ihre Mitverantwortung für die Orte, die sie besuchen.

„Über Tourismus“ erhebt keine pauschale Anklage, sondern lädt dazu ein, scheinbare Selbstverständlichkeiten des Reisens und des touristischen Wachstums neu zu hinterfragen. Im Zentrum steht eine Frage, die für eine Tourismusregion wie Südtirol besondere Relevanz besitzt: Wie gestalten wir einen Tourismus, der bewahrt, wovon er lebt?

Ausstellung und Rahmenprogramm

Begleitet wird „Über Tourismus“ von einem umfangreichen Rahmenprogramm, das die Themen der Ausstellung vertieft und auf Südtirol überträgt. Vorträge, Expertengespräche, Podiumsdiskussionen, Filmabende und weitere Veranstaltungsformate bringen Perspektiven aus Tourismus, Wissenschaft, Raumplanung, Architektur, Mobilität, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung. Für Schulklassen gibt es eigene Angebote; darüber hinaus können Führungen durch die Ausstellung für Gruppen und Interessierte gebucht werden.

Unterstützt wird die Ausstellung von der Abteilung Deutsche Kultur, der Stiftung Südtiroler Sparkasse, dem HGV, der Gemeinde Bruneck und Kronplatz Bruneck Tourismus. Das Rahmenprogramm entsteht in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern aus Kultur, Bildung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Bezirk: Pustertal

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