Von: Sophia Molitor
Schlanders – Der Bündner Architekt Gion A. Caminada ist am Freitag, 30. Oktober, zu Gast in Schlanders. Caminada, bekannt für die preisgekrönte Erneuerung seines Heimatdorfs Vrin und Professor für Architektur und Entwurf an der ETH Zürich, spricht um 18:00 Uhr in der BASIS Vinschgau Venosta über „Orte schaffen” und ist anschließend im Gespräch mit Robert Veneri. Sein Vortrag beschließt die Tagung „Zweite Chance für große Areale”, zu der der Heimatpflegeverband Südtirol und die Umweltschutzgruppe Vinschgau einladen. Am selben Abend wird die Wanderausstellung „Gut bauen für alle” eröffnet, die anschließend durch die Vinschger Gemeinden zieht.
Ein Rundgang durch unsere Dörfer macht deutlich, wie sehr sich Ortsbilder verändern. Auffallend ist dabei ein wachsendes Maß an Material- und Energieeinsatz im Bauwesen, mit entsprechenden Folgen für Ortsgestaltung und Umwelt. Bauen ist damit nicht nur eine Frage der finanziellen Möglichkeiten, sondern eine kulturelle Herausforderung. Allen voran sollten öffentliche Bauträger ihrem Vorbildauftrag gerecht werden und auf den Erhalt charakteristischer Ortsmerkmale und auf umweltschonende Bauweisen setzen.
Nirgends stellt sich diese Aufgabe deutlicher als dort, wo ein großes Areal mitten im Ort eine neue Nutzung sucht. Die Tagung stellt diese Frage deshalb an einem konkreten Ort: auf dem ehemaligen Kasernenareal in Schlanders. Nach einem Rundgang über das Gelände mit Hannes Götsch um 14:30 Uhr spricht die Landeskonservatorin Karin Dalla Torre über Erhalten oder Abreißen und den Umgang mit dem Gebäudebestand, die Architektin Susanne Waiz steuert Beispiele aus Südtirol bei, bevor Hannes Götsch die Vision der BASIS Vinschgau Venosta vorstellt.
Bausektor verantwortlich für 40 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes
Um 17:30 Uhr wird die Wanderausstellung „Gut bauen für alle” eröffnet. Ihre Schautafeln illustrieren jene Aspekte der Bautätigkeit, die sich in besonderem Maß auf Klima und Umwelt auswirken. Der 40-Prozent-Faktor zeigt, weshalb der Bausektor jener Wirtschaftszweig ist, der rund 40 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes verursacht und entsprechend viel zum Klimaschutz beitragen kann. Je nach Bauweise und Materialwahl wiegt der ökologische Rucksack schwerer oder leichter, besonders ins Gewicht fällt dabei der Einsatz von Stahl und Beton. In jedem Bau steckt zudem ein mehr oder minder großes Maß an grauer Energie, also an Rohstoff- und Energieaufwand für Herstellung, Transport und Entsorgung. Die Ausstellung gibt einen Überblick über Baustoffe, mit denen sich umweltschonend und werterhaltend investieren lässt, und regt dazu an, schon in der Planungsphase den gesamten Lebenszyklus und die Gesamtkosten eines Bauwerks zu bedenken. Ihre Botschaft: Die Erhaltung bestehender Gebäude und ihre Renovierung oder Erweiterung mit passenden Baustoffen bleibt in vielen Fällen die bessere Wahl, und moderne Bautechnik und Tradition können sich dabei bestens ergänzen.
Die Tagung ist der Auftakt der Veranstaltungsreihe „Baukultur und nachhaltiges Bauen”. Über den Winter und das Frühjahr hinweg folgen Vorträge, Baubesichtigungen und eine Lehrfahrt, gerichtet an Fachleute, Gemeindeverwaltungen und private Interessierte. Die Themen reichen von Leerstand und Bestandsnutzung über ökologische Baustoffe und Holzbau bis zu Fördermöglichkeiten bei Sanierungen und zur Vermeidung von Flächenverbrauch.




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