Von: Matthias Knapp
Meran – Am 28. August um 20.30 Uhr setzt das Seoul Philharmonic Orchestra aus Südkorea die sinfonische Reihe „classic“ des südtirol festival meran im Kursaal fort. Am Pult steht der niederländische Dirigent Jaap van Zweden. Solistin ist Bomsori Kim (Violine).
Das Konzert beginnt mit „Inferno” von Jaeil Jung. Der koreanische Komponist und Multiinstrumentalist wurde 1982 in Seoul geboren. Er schrieb die Soundtracks für den oscarprämierten Film „Parasite” und den Netflix-Serienhit „Squid Game“. Sein erstes Orchesterwerk „Inferno“ entstand 2025 im Auftrag des Seoul Philharmonic Orchestra. Die Inspirationsquelle für das Stück ist ein Zitat aus der letzten Prosaminiatur aus Italo Calvinos Buch „Die unsichtbaren Städte”: „Die Hölle der Lebenden ist nicht etwas, was sein wird; gibt es eine, so ist es die, die schon da ist, die Hölle, in der wir tagtäglich wohnen, die wir durch unser Zusammensein bilden. Zwei Arten gibt es, nicht darunter zu leiden. Die eine fällt vielen leicht: die Hölle akzeptieren und so sehr ein Teil von ihr werden, dass man sie nicht mehr erkennt. Die andere ist gewagt und erfordert dauernde Vorsicht und Aufmerksamkeit: suchen und zu erkennen wissen, wer und was inmitten der Hölle nicht Hölle ist, und ihm Bestand und Raum geben.”
Es folgt die Sinfonie Nr. 40 von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Eröffnungsmotiv aus diesem Werk, das Mozart 1788 als „freier Künstler“ schreibt, ist eine Ikone des „klassischen“ Repertoires. Die g-Moll-Sinfonie – unkonventionell, mit provozierenden Dissonanzen und meistens in düsteren Wolken schwebend – beginnt voller Unrast, zieht sich im Trio des dritten Satzes kurz auf eine Insel der Glückseligen zurück und endet im Finale mit einem in die Romantik weisenden Sound. Nach dem berühmten Violinkonzert in e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy, das Arnold Schönberg später als „Inbegriff höchster geigerischer Schönheit“ lobt, endet der Abend mit Ottorino Respighis „Pini di Roma“ – mit einem musikalischen Spaziergang durch Rom, von spielenden Kindern in der Villa Borghese bis zu einem Sonnenaufgang auf der Via Appia.
Die Violinistin Bomsori Kim, deren Vorname „Klang des Frühlings“ bedeutet, wurde 1989 in Daegu (Südkorea) geboren. Die imponierende Verbindung von natürlicher Begabung, harter Arbeit und bemerkenswerten künstlerischen Fähigkeiten führte sie zu Erfolgen bei renommierten Wettbewerben in der ganzen Welt, darunter beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb und beim ARD-Musikwettbewerb. Im Februar 2021 unterzeichnete sie einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon. Ihre erste DG-Soloaufnahme, „Violin on Stage”, erschien im Juni 2021.
Das Seoul Philharmonic Orchestra (SPO) wurde 1945 als Korea Symphony Orchestra gegründet. Seit seiner Neukonstituierung als Stiftung im Jahr 2005 hat das Orchester unter der Leitung seines damaligen künstlerischen Leiters Myung-Whun Chung bemerkenswerte internationale Erfolge erzielt. 2011 wurde es als erstes asiatisches Orchester in den Katalog der Deutschen Grammophon (DG) aufgenommen und interpretierte in den folgenden Jahren zentrale Werke des sinfonischen Repertoires.
Der niederländische Dirigent Jaap van Zweden wurde 1960 in Amsterdam geboren. Seine musikalische Laufbahn begann als Geiger: Bereits mit 18 Jahren wurde er Konzertmeister des Royal Concertgebouw Orchestra – der jüngste in der Geschichte des Orchesters. Von 2018 bis 2024 war er Musikdirektor des New York Philharmonic. Unter seiner Leitung wurde das Hong Kong Philharmonic Orchestra (2012–2024) im Jahr 2019 von Gramophone zum „Orchester des Jahres“ gekürt. Seit 2024 ist Jaap van Zweden Musikdirektor des Seoul Philharmonic Orchestra.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen