Prominent besetzte Tagung der Uni Bozen

Deutsch-italienische Beziehungen auf dem Prüfstand

Montag, 25. September 2017 | 11:03 Uhr

Bozen – Deutsch-italienische Beziehungen auf dem Prüfstand: Eine prominente Runde von Historikern und Journalisten diskutiert am 12. und 13. Oktober  im Rahmen einer an der Freien Universität Bozen stattfindenden Tagung über den Stand der deutsch-italienischen Beziehungen. Haben Finanzkrise, Zuwanderung und zunehmende Europaskepsis das Verhältnis zwischen den beiden Staaten verändert?

Das Thema ist hochaktuell. In den letzten Jahren haben sich zu den alten Belastungen neue Probleme von ungeahnter Wucht gesellt. Seit 2008 kämpfen beide Länder mit den Folgen einer dreifachen Krise: der Krise der Finanzmärkte, der Krise durch den Flüchtlingszustrom aus Afrika und dem Nahen Osten sowie der Krise der europäischen Institutionen, gipfelnd im Votum der britischen Wähler für den Austritt aus der Europäischen Union. Diese dreifache Krise ließ in Deutschland wie in Italien das Vertrauen in etablierte politische Institutionen und Parteien schwinden, sie sorgte für politische Verstimmungen zwischen Berlin und Rom, die einer Revitalisierung giftiger Stereotype Vorschub leisteten, und sie förderte den Aufstieg populistischer Bewegungen wie dem Movimento 5 Stelle oder der Alternative für Deutschland, die das „System“ nicht nur auf den Prüfstand, sondern in Frage stellen.

Diese dreifache Krise mit ihren weitreichenden Folgen ist das Thema der prominent besetzten Tagung „Gefährdete Demokratie? Deutschland und Italien zwischen Finanzkrise, Zuwanderung und Europaskepsis“. Sie setzt sich zum Ziel, die Situation in Italien und Deutschland zu vergleichen und das Beziehungsgeflecht zwischen den beiden Staaten auszuleuchten: Treiben antisystemische und antidemokratische Parolen und Bewegungen die politische Ordnung, in die wir beinahe alle hineingeboren wurden und mit der wir aufgewachsen sind, in den Abgrund? Wie steht es mit den Gegenkräften, können sie noch stabilisierend wirken? Und wie stehen Deutschland und Italien in dieser krisenerschütterten Zeit zueinander? Wie sehen und interpretieren sie sich gegenseitig? Experten aus Deutschland und Italien, Historiker und Journalisten, gehen diesen Fragen nach. Dabei werfen sie auch Schlaglichter auf den internationalen Kontext der deutsch-italienischen Besonderheiten sowie auf allgemeine Entwicklungen in wichtigen Ländern der Europäischen Union. Nicht zuletzt geht es auch darum, aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und in den historischen Kontext einzuordnen: Deutschland hat soeben gewählt, Italien steht vor der Wahl!

Hochkarätig besetzt ist auch die im Rahmen der Tagung am Donnerstag, den 12. Oktober (18.00 Uhr) 2017, stattfindende Podiumsdiskussion: Der ehemalige deutsche Botschafter in Rom, Michael Steiner, diskutiert mit dem Philosophen Angelo Bolaffi, dem Historiker Hans Heiss, dem ARD-Korrespondenten in Rom Jan-Christoph Kitzler, Christiane Liermann vom Deutsch-italienischen Zentrum Villa Vigoni und Stefan Ulrich von der Süddeutschen Zeitung über „Scharfmacher oder Aufklärer? Zur Rolle von alten und neuen Medien in der dreifachen Krise“.

Von dieser Tagung soll ein Signal ausgehen: Die Organisatoren, das Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen, die Arbeitsgruppe „Geschichte und Region“ und das bekannte Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (Herausgeber der kritischen Edition von Hitlers „Mein Kampf“), haben sich vorgenommen, die deutsch-italienischen Beziehungen auf dem Feld der Zeit- und Gegenwartsgeschichte zu intensivieren und damit der „schleichenden Entfremdung“ zwischen diesen beiden Kernländern Europas entgegenzuwirken.

 

Tagung „Gefährdete Demokratie? Deutschland und Italien zwischen Finanzkrise und Euroskepsis“

Wann: 12.–13. Oktober 2017

Wo: Universität Bozen, Universitätsplatz 1, Hörsaal D1.02

Veranstalter:

 

Podiumsdiskussion „Scharfmacher oder Aufklärer? Zur Rolle von alten und neuen Medien in der dreifachen Krise“

Wann: 12. Oktober 2017, 18.00–20.00 Uhr

Wo: Universität Bozen, Universitätsplatz 1, Hörsaal D1.02

Moderation: Michael Steiner (ehemaliger deutscher Botschafter in Rom),

Teilnehmer:     

Hans Heiss (Zeithistoriker und Politiker)

Jan-Christoph Kitzler (ARD-Korrespondent in Rom)

Christiane Liermann (Deutsch-Italienisches Forschungszentrum Villa Vigoni)

Stefan Ulrich (Süddeutsche Zeitung)

Von: ao

Bezirk: Bozen

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