Von: Sophia Molitor
Meran – Im Jahr 2000 war Sir John Eliot Gardiner mit seiner „Bach Cantata Pilgrimage” zum ersten Mal beim südtirol festival meran zu Gast: Mit den English Baroque Soloists und dem Monteverdi Choir nahm er in der Meraner Stadtpfarrkirche drei Kantaten von Bach – BWV 95, 168 und 105 – für das Label Archiv der Deutschen Grammophon auf. 26 Jahre später kehrt der berühmte britische Dirigent – wieder mit Chor und Orchester – nach Meran zurück.
Am 31. August um 20.30 Uhr leitet er im Kursaal die von ihm 2024 gegründeten Ensembles Constellation Choir und Constellation Orchestra mit zwei Meisterwerken, die beim südtirol festival zum ersten Mal zu hören sind: Das „Schicksalslied” von Johannes Brahms und die Sinfonie-Kantate „Lobgesang” von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Der Götterolymp mit „ewiger Klarheit” liegt anderswo: Ende des 18. Jahrhunderts, als in Paris die Köpfe fallen, hält der gescheiterte Freiheitskämpfer Hyperion in Friedrich Hölderlins gleichnamigem Briefroman Rückschau „in dürftiger Zeit”. „Verdorben bis ins Mark” seien die Deutschen, „dumpf und harmonielos wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes”. Ein Weltgeist in Unruhe, dem man den Boden unter den Füßen weggezogen hat: „Es schwinden, es fallen die leidenden Menschen, blindlings wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen”, klagt Hyperion in einem „Schicksalslied”, das Brahms, „aufs Tiefste ergriffen”, 1868 vertont. Doch es gibt Hoffnung: 1840 feiert die Verlagsstadt Leipzig den 400. Jahrestag der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg. Mendelssohn, der zuerst an ein „kleines Oratorium” denkt, kombiniert in seiner Festmusik Weltliches und Geistliches und lobt mit der großen „Sinfonie-Kantate nach Worten der Heiligen Schrift” Gott – und die Bücher – als „Waffen des Lichts”.
Von Barock bis heute
Der Constellation Choir und das Constellation Orchestra (CCO) wurden 2024 von Sir John Eliot Gardiner gegründet und repräsentieren den Höhepunkt eines Lebenswerks, das der musikalischen Exzellenz und Innovation gewidmet ist. Beide Ensembles zeichnen sich durch ein breit gefächertes Repertoire aus, das von der Barockzeit bis zur zeitgenössischen Musik reicht. Das CCO ist bestrebt, Aufführungen mit stilistischer Präzision und technischer Brillanz zu präsentieren, die Gardiners tiefes Verständnis und seinen Respekt für musikalische Traditionen widerspiegeln und gleichzeitig die Grenzen der modernen Interpretation erweitern.
Das Ensemble setzt sich aus führenden Musikerinnen und Musikern zusammen und ist Teil der übergeordneten Initiative Springhead Constellation. Dieses dynamische Kollektiv vereint Musikensembles sowie kreative Solistinnen und Solisten, die sich der Neudefinition der Kunst des 21. Jahrhunderts verschrieben haben. Das CCO spielt eine zentrale Rolle in dieser anspruchsvollen Mission, indem es das Publikum mit verständlichen, lehrreichen und fesselnden Aufführungen, die generations- und länderübergreifend wirken, begeistert.
Als Gründer und künstlerischer Leiter des Monteverdi Choir, der English Baroque Soloists und des Orchestre Révolutionnaire et Romantique wurde Sir John Eliot Gardiner zu einer zentralen Figur der Alten-Musik-Renaissance und zu einem Pionier der historisch informierten Aufführungspraxis. Als Gast renommierter Sinfonieorchester dirigiert Gardiner das London Symphony Orchestra, das Philharmonia Orchestra, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Royal Concertgebouw Orchestra und die Berliner Philharmoniker.
Seine künstlerische Vielseitigkeit dokumentiert ein Katalog preisgekrönter Aufnahmen mit seinen eigenen Ensembles und herausragenden Orchestern bei bedeutenden Labels (darunter Decca, Philips, Erato und mehr als 30 Aufnahmen für die Deutsche Grammophon), deren Repertoire von Mozart, Berlioz, Elgar und Kurt Weill bis zu Werken von Komponisten der Renaissance und des Barock reicht. Zu seinen Auszeichnungen im Bereich der Tonaufnahmen gehören zwei Grammay Awards. Sir John Eliot Gardiner hat im Verlauf seiner Karriere mehr Gramophone Awards erhalten als jeder andere lebende Künstler.




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