Forschungswoche im Matscher Tal ergibt zehn Neufunde für Südtirol

Internationaler Tag der biologischen Vielfalt: Eurac zieht Bilanz

Freitag, 19. Mai 2017 | 17:27 Uhr

Bozen – Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt ziehen Biologen von Eurac Research eine Zwischenbilanz einer Erhebung, an der Forscher aus dem ganzen Alpenraum mitarbeiteten

Mit seinen Zirben- und Lärchenwäldern, dem Gletscher, den Weiden und Mähwiesen vereint das Matscher Tal verschiedene Lebensräume für Tiere und Pflanzen, die auch für andere alpine Bergregionen typisch sind. Eine Woche lang haben 30 Biologen im vergangenen Sommer die Artenvielfalt im Tal eingehend untersucht. Unter der Regie der Forscher von Eurac Research spürten sie 1.152 verschiedene Arten von Insekten, Spinnentieren, Schlangen, Amphibien und Gefäßpflanzen auf. Nach der Auswertung steht jetzt fest: Zehn Tierarten wurden zum allerersten Mal in Südtirol gefunden, darunter eine Buntkäferart, die sogar für den ganzen Alpenraum eine Neuentdeckung bedeutet.

Drei Spinnenarten, drei Käferarten, drei Milbenarten und eine Mückenart wurden bei der Erhebung im Matschertal zum ersten Mal in Südtirol entdeckt. „Mit insgesamt mehr als 1.100 gefundenen verschiedenen Arten ist unsere Ausbeute sehr erfreulich. Dass wir neue Tierarten fanden hat uns weniger überrascht, denn Gebiete wie das Matschertal sind noch nicht so gut erforscht wie etwa die Dolomiten“, erklärt der Biologe Andreas Hilpold von Eurac Research. Zudem konzentrierten sich die Forscher – unter anderem auch vom Naturmuseum Südtirol – auf Organismengruppen wie Insekten und Spinnentiere, die weniger untersucht sind. „Unser Ergebnis unterstreicht, dass es in Südtirol noch viel zu erforschen gibt“, so Veronika Fontana von Eurac Research, die die Forschungswoche koordinierte. Dennoch warten die Forscher mit einer kleinen Sensation auf: Sie entdeckten ein Exemplar des Buntkäfers Opetiopalpus sabulosus, dessen Artgenossen man bislang nur in Steppengebieten östlich von Rumänien und in Nordafrika fand. Wie dieser Käfer in den Vinschgau kam, können die Biologen nur mutmaßen: „Während der Eiszeit gab es rund um die Alpen viele Steppengebiete. Dieser Käfer könnte ein Relikt aus dieser Zeit sein. Dass der Wind etwa diesen Käfer aus Rumänien hierhertransportiert hat, ist sehr unwahrscheinlich“, erklärt Hilpold.

Viele der neu gefundenen Arten besiedeln die extremen Trockenrasen oberhalb von Schluderns am Eingang des Matscher Tals – für die Forscher ein weiterer Beleg, dass die beweideten Trockenrasen des Vinschger Sonnenberges ein wichtiges Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten darstellen. Auch die durch die Beweidung aufgelichteten Lärchen- und Zirbenwälder sind Lebensraum für viele besondere Arten. Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass sich eine traditionelle Bewirtschaftung positiv auf die Biodiversität auswirkt.  „Gerade durch diese vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Naturraum und durch die jahrelange Forschungsarbeit von Eurac Research wurde das Matschertal vor drei Jahren als eine der wenigen Gebirgsregionen in das weltweite Netzwerk für langfristige sozio-ökologische Forschung LTSER aufgenommen, wodurch diese intensive Forschungswoche überhaupt erst möglich wurde“ erläutert Ulrike Tappeiner von Eurac Research, die Leiterin von LTSER Matsch.

Die Daten aus der Forscherwoche fließen in die zentrale Datenbank des Naturmuseums Südtirol ein, das die  detaillierten Ergebnisse auch in der diesjährigen Ausgabe der Zeitschrift „Gredleriana“ veröffentlicht. Außerdem werden die Daten in die globale LTSER Datenbank aufgenommen und können damit mit Daten anderer Gebirgsregionen, wie der Sierra Nevada oder den Rocky Mountains verglichen werden.

Von: pf

Bezirk: Bozen, Vinschgau

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