Von: Sophia Molitor
Bozen – Im Südtiroler Apfelanbau treten seit einigen Jahren zwei neue Pilzkrankheiten auf: Glomerella Leaf Spot (GLS), der vor allem Blätter befällt, und Apple Bitter Rot (ABR), der bereits vor der Ernte Schäden an den Früchten verursachen kann. Während GLS 2020 erstmals in Südtirol festgestellt wurde, trat ABR hier 2023 erstmals auf. Beide Krankheiten werden durch Pilze der Gattung Colletotrichum verursacht und stellen Forschung, Beratung und Obstbaupraxis vor neue Herausforderungen. Das Versuchszentrum Laimburg untersucht seither die Erreger, ihre Ausbreitung und mögliche Maßnahmen zum Schutz der Apfelbestände.
„Wenn neue Krankheiten auftreten und sich die Bedingungen im Anbau verändern, braucht die Landwirtschaft rasch verlässliches Wissen. Genau hier zeigt sich der Wert einer praxisnahen Forschung: Sie schafft die wissenschaftlichen Grundlagen, auf denen Beratung und landwirtschaftliche Betriebe aufbauen können. Mit seiner Forschung zu Glomerella Leaf Sopot und Apple Bitter Rot unterstützt das Versuchszentrum Laimburg den Südtiroler Apfelanbau dabei, frühzeitig auf neue Herausforderungen zu reagieren“, so Luis Walcher, Landesrat für Landwirtschaft.
Obwohl beide Krankheiten von derselben Pilzart verursacht werden können, handelt es sich nach heutigem Kenntnisstand um zwei unterschiedliche Krankheitsbilder. Glomerella Leaf Spot verursacht typische Blattflecken und kann innerhalb weniger Wochen zu starker Entlaubung führen. Zusätzlich können auf den Früchten kleine, eingesunkene Flecken auftreten, die häufig von einem rötlichen Ring umgeben sind. Vorernte-Apple Bitter Rot hingegen verursacht bereits am Baum eingesunkene Fruchtfäulen, die sich rasch vergrößern können.
Starke Ausbreitung in 2026
Die bisherigen Beobachtungen zeigen ein wechselhaftes Auftreten beider Krankheiten: Nach den ersten Nachweisen von Glomerella Leaf Spot im Jahr 2020 wurden 2021 und 2022 nur vereinzelt Symptome beobachtet. 2023 kam es zu einem stärkeren Auftreten und gleichzeitig wurde Vorernte-Apple Bitter Rot erstmals nachgewiesen. Nach dem Jahr 2024 mit vergleichsweise geringem Befall wurden 2025 vermehrt Symptome beider Krankheiten festgestellt.
Im Jahr 2026 wurde im Vergleich zu den Vorjahren ein deutlicher Anstieg von Symptomen und Befallsfällen beobachtet. In zahlreichen Apfelanlagen der Talsohle zwischen Meran und Salurn wurden in den letzten Wochen Symptome beider Krankheiten festgestellt. Die Befallsstärke variiert dabei erheblich: von einzelnen Blatt- und Fruchtflecken bis hin zu Anlagen, in denen nahezu alle Früchte und Blätter Symptome von GLS zeigen. Vorernte-ABR hingegen tritt sowohl innerhalb der Apfelanlagen als auch im Anbaugebiet unregelmäßig verteilt auf, allerdings gibt es auch hier sehr stark betroffene Anlagen.
„Die anhaltend hohen Temperaturen bis weit in den September hinein, gepaart mit einzelnen starken Niederschlagsereignissen, dürften zusätzlich dazu beigetragen haben, dass sich der Krankheitsdruck in diesem Jahr weiter erhöht hat“, betont Sabine Öttl, Leiterin des Instituts für Pflanzengesundheit am Versuchszentrums Laimburg.
Forschung läuft auf Hochtouren
Die Forscherinnen und Forscher des Versuchszentrums Laimburg untersuchen derzeit, wie die pilzlichen Erreger leben, sich verbreiten und unter welchen Bedingungen Infektionen entstehen können. Zudem wird erforscht, wie anfällig verschiedene Apfelsorten sind und welche Maßnahmen sich für den integrierten und biologischen Anbau eignen. Ergänzend werden Methoden weiterentwickelt, um die Erreger zuverlässig nachweisen und mögliche weitere Colletotrichum-Arten frühzeitig erkennen zu können.
„GLS und Vorernte-ABR werfen noch viele wissenschaftliche Fragen auf. Deshalb liegt unser Fokus derzeit darauf, die beteiligten Erreger, ihre Lebensweise und die Krankheitsentwicklung unter Südtiroler Bedingungen besser zu verstehen. Gemeinsam mit unserem internationalen Forschungsnetzwerk und dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau arbeiten wir daran, die notwendigen Grundlagen für ein gutes Gesundheitsmanagement im Apfelanbau zu schaffen“, so Öttl. Mit jeder neuen Erkenntnis wächst das Verständnis dieser Krankheiten und damit die Wissensgrundlage für Forschung, Beratung und landwirtschaftliche Praxis. Dies unterstützt einen vorausschauenden und standortangepassten Umgang mit GLS und Vorernte-ABR im Südtiroler Apfelanbau.
Die Forschungsaktivitäten zu Glomerella Leaf Spot und Apple Bitter Rot werden in Zusammenarbeit mit alpoma und mit Unterstützung der Europäischen Union durchgeführt.




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