Von: Sophia Molitor
Bozen – In wenigen Tagen beginnt das Schuljahr und es gibt immer noch kein klares Bekenntnis zur dringend nötigen Wiederaufnahme der kulturellen Tätigkeiten, Exkursionen und Präventionsworkshops für die Schülerinnen und Schüler. Die Berufsvertretung der darstellenden Künstlerinnen und Künstler PERFAS (Performing Artists Association South Tyrol) appelliert daher eindringlich an alle Beteiligten, zu Schulbeginn einen klaren und konstruktiven Neustart zu setzen und die außerschulischen Tätigkeiten vollumfänglich wieder aufzunehmen.
Kultur und Bildung gehören zusammen
Genauso wie das Recht auf Bildung und das Recht auf kulturelle Teilhabe zusammengehören. „Wir haben großes Verständnis für die Anliegen der Lehrkräfte. Ein gestärktes, zeitgemäßes Bildungssystem ist von fundamentaler Bedeutung“, betont PERFAS-Präsident Peter Schorn. „Gleichzeitig möchten wir klar unterscheiden zwischen der Solidarität mit den berechtigten Anliegen der Lehrpersonen, die wir zu 100 Prozent unterstützen, und der Solidarität mit den gewählten Protestmaßnahmen im vergangenen Schuljahr, die nach einem langen Jahr mit teils schwerwiegenden Folgen für Kinder und Jugendliche sowie für eine ganze Berufsgruppe ein Ablaufdatum erreicht hat.“
Die Aussetzung von Theaterbesuchen, kulturellen Angeboten und Workshops, von Expert:innen-Unterricht und Präventionsprojekten habe sowohl die Schülerinnen und Schüler, als auch gemeinnützige Vereine und Kulturschaffende unverhältnismäßig stark getroffen. „Über viele Jahre aufgebaute Strukturen wurden geschwächt oder unwiederbringlich zerstört. Viele Angebote mussten bereits drastisch reduziert oder sogar eingestellt werden, viele Kunstschaffende und Expert:innen mussten ihre Tätigkeit aufgeben“, fasst Theaterpädagogin und PERFAS-Mitglied Alexandra Hofer die dramatische Situation zusammen.
Kulturelle Teilhabe gehöre dabei mit zu den wichtigsten Hebeln für Chancengleichheit, Integration und Zugehörigkeit, sagt PERFAS Young-Talents-Sprecherin Margot Mayrhofer: „Es ist auch Aufgabe der Schule, unterschiedliche Startbedingungen auszugleichen. In Zeiten von digitaler Überpräsenz und Radikalisierungsgefahr sind Kinder und Jugendliche einem Dschungel von Gefühlen, Fragen und Unsicherheiten ausgesetzt. Gemeinsame Erlebnisse wie Theaterbesuche, Workshops und Ausflüge sind kein Luxus, sie sind für die Entwicklung von emotionaler Stabilität, Empathie und Reflexionsfähigkeit unverzichtbar.“
Neustart im Herbst
Die Stärkung der Zusammenarbeit von Kultur und Bildung ist für das PERFAS-Team ein wichtiges Anliegen, das zu diesem Zweck eng mit der Pädagogischen Abteilung der Provinz Bozen zusammenarbeitet. In Planung sind etwa neue Förderkonzepte wie ein niederschwelliges Angebot von hochwertigem und professionellem Figurentheater, visuellem Theater sowie Musik- und Tanzvorstellungen an Südtiroler Kindergärten und Schulen.
Der Bereich „Kultur und Bildung“ wird bei PERFAS geleitet von Sabrina Fraternali, Tanzschaffende und diplomierte Tanzwissenschaftlerin sowie Mitglied der internationalen Plattform für junges Publikum Generator: „Wir möchten in diesem Schuljahr wieder richtig durchstarten, darauf freue mich sehr. Wir wünschen uns, dass die Fachkräfte im Bildungsbereich das bewährte Programm ‚Schule braucht Theater‘ ebenso mit Freude und Überzeugung für unsere Kinder und Jugendlichen nutzen werden wie die vielfältigen Theaterangebote.“ Der Aufwand sei dabei für das Bildungspersonal minimal: „Ein Anruf genügt, und die Expertinnen und Experten kommen an die Schule oder den Kindergarten und bringen ihr Programm mit.“
Für PERFAS ist ein partnerschaftliches und gutes Verhältnis mit allen Menschen, die in der Bildung arbeiten, von größter Bedeutung: „Wir setzen uns solidarisch für ein multiprofessionelles, offenes und mehrsprachiges Bildungssystem auf der Höhe der Zeit ein, das kulturelle Teilhabe nicht in freiwilliges und oft unterbezahltes Engagement auslagert, sondern fest in den schulischen Alltag integriert“, sagt PERFAS-Geschäftsführer Thomas Maniacco. Aktivitäten, die für die persönliche Entwicklung Heranwachsender unverzichtbar sind, sollten für das PERFAS-Team nicht fakultative „außer-schulische“ Tätigkeiten sein, sondern als fixer Bestandteil in das schulische Curriculum aufgenommen werden. Den Prozess dahin unterstützt die Vereinigung nach Kräften.




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