Unermüdlicher Campino war mit den Toten Hosen schön laut

Die Toten Hosen rockten mit Vicky Leandros in Wien

Sonntag, 13. September 2026 | 09:57 Uhr

Von: importer

“Für uns gibt es kein besseres Auswärtsspiel!”, rief Sänger Campino beim Konzert der Die Toten Hosen am Samstag ins Oval des ausverkauften Ernst-Happel-Stadions. Tatsächlich glich der Auftritt der Band in Wien im Rahmen ihrer Abschiedstour mehr einem explosiven Heimspiel, angefeuert von 55.000 Fans. Als Gäste veredelten Birgit Minichmayr und Vicky Leandros die Darbietung mit einem Programm, das keine Wünsche offen ließ. Politisch wurde es nur kurz.

Der mit Inbrunst von Campino und der 77-jährigen Leandros im Duett gesungene Edelschlager “Ich liebe das Leben” war der – vielleicht doch etwas unerwartete – Höhepunkt einer an eigenen Klassikern wie eben “Auswärtsspiel” (druckvoll wie eh und je), “Liebeslied” (unkaputtbar) oder “Hier kommt Alex” (ein zeitloser Gassenhauer) reichen Performance. Das gemeinsam mit “der besten deutschsprachigen Schauspielerin dieser Zeit”, so Campino, der Oberösterreicherin Minichmayr, dargebotene “Auflösen” sorgte für die wenigen besinnlichen Momente in rund zweieinhalb rasanten Stunden.

“Zum 39. Mal hier”

Die Toten Hosen machten im Rahmen der “Trink Aus! Wir Müssen Gehen”-Tournee Station in der Bundeshauptstadt. “Das ist der letzte Abend auf der Europatour, bevor es nach Südamerika geht. Wir könnten uns dafür keine bessere Stadt vorstellen, zum 39. Mal sind wir hier”, rief der immer noch stimmkräftige Frontmann. Der 64-Jährige erzählte, dass er bei einem Spaziergang durch die City in der “Sankt Petri Kirche” drei Kerzen angezündet und der Albertina einen Besuch abgestattet hat, wo er die am 18. September öffnende Ausstellung “Picasso – Bacon” im Voraus sehen durfte. Das sei gemalter Punk!

Apropos – von wegen “Die Hosen sind kein Punkrock mehr” (eine Zeile aus ihrem Lied “Alle sagen das”): Mit einem superschnellen “Opelgang” starteten die Düsseldorfer ihr Programm, “Weil Du nur einmal lebst” folgte wenig später ebenfalls knallhart im Hypertempo. Neben Campino präsentierten sich seine Freunde Andreas “Kuddel” von Holst (Gitarre), Michael “Breiti” Breitkopf (Gitarre), Andreas Meurer (Bass) und Vom Ritchie (Drums) unermüdlich und kompakt. Verstärkt wurde die Stammmannschaft von Keyboarder Jet Baker (Campino: “der uneheliche Sohn von Jon Lord”).

Neue Lieder wie das hymnische “Die Show muss weitergehen” und “Wir waren nie weg” fügten sich nahtlos zwischen den Klassikern ein. Die großen Hits wie “Alles aus Liebe”, “Steh auf wenn du am Boden liegst”, “Pushed Again” und “Wünsch dir was” wurden mit Verve und alles andere als reiner Routine abgefeuert und gefeiert. Es ging querfeldein durch 44 Jahre Hosen-Geschichte. Der Spaß kam nie zu kurz: Ob man wirklich zwei Stunden gewartet habe, “um Sauflieder zu hören”, fragte etwa Campino scherzhaft, bevor es mit “Bis zum bitteren Ende” und “Eisgekühlter Bommerlunder” ins endgültige Finale ging.

“Schlicht und ergreifend ein Anti-Nazi-Konzert”

Die Toten Hosen haben aus ihrer Haltung nie ein Geheimnis gemacht und oft Stellung bezogen. So hielt Campino an diesem Abend fest: “Wenn man auf einem Konzert von den Toten Hosen ist, ist man schlicht und ergreifend auf einem Anti-Nazi-Konzert.” Die folgenden “Nazis raus”-Rufe kommentierte er mit “keiner ist zu viel” und brachte mit der Band das Stück “Was ist los mit uns” vom aktuellen Album (Textzeile: “Du sagst, du willst dein Land zurück, ich versteh’ nicht, was du meinst, das Dritte Reich von Hitler oder Deutschland in zwei Teilen?”). Und im Zugabenteil coverten die Hosen einmal mehr “Schrei nach Liebe” von den Die Ärzte.

“Ich glaube fest, es ist besser, einen Tick zu früh zu gehen, wenn die meisten sagen: Schade, hätte man sich das gern noch ein bisschen länger reingezogen”, hatte Campino in einem APA-Interview betont. “Alles wird vorübergehen” hieß eines der Lieder auf der Setlist – “schade”, mögen sich da wohl 55.000 gedacht haben. Eine Österreich-Zugabe gibt es zumindest am 23. Juni 2027 in Graz (Messe Open Air). Folgt noch eine?

Leftovers und Donots heizten an

Als Special Guests hatten am Nachmittag übrigens die Lokalmatadoren Leftovers die zuströmenden Fans mit Alternative-Rock begrüßt. Anschließend zogen die Donots, immerhin auch bereits seit 1994 unterwegs, eine makellose Powershow ab. Spätestens beim Twisted-Sister-Cover “We’re Not Gonna Take It” stand das Praterstadion Kopf. Es war alles angerichtet für Die Toten Hosen, die dann voll ablieferten.

(Von Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E – www.dth.de )

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