Von: importer
Hier und da tauchen aus dem Nichts hölzerne Schachfiguren auf. Mal ein Pferd, mal ein Läufer. Doch woher kommen sie? Stehen sie im Zusammenhang mit Morden an einem Pfarrer und einem Touristen? Das Team der ORF-ZDF-Krimi-Reihe “Die Toten vom Bodensee” ermittelt in seiner neuen Folge “Im Schattenreich” in einem ehemaligen Kinderheim für Schwererziehbare. Zu sehen am 5. September, 20.15 Uhr, auf ORF 2 (und auf ORF On abrufbar).
Mittlerweile liegt der “Sonnenhof Bregenz” verlassen im Wald, ein sogenannter Lost Place. Kommissar Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) macht sich mit einer Taschenlampe auf den Weg durch die Stockwerke, findet ein Bett mit Fesseln daran sowie Kombinationen aus Zahlen und Buchstaben an der Wand.
So mystisch wie sonst oft ist die 25. Folge nicht. Es geht nicht um okkulte Rituale oder dergleichen. Das eigentliche Motiv des Serienmörders ist recht irdisch und könnte auch in anderen Krimiformaten vorkommen.
Ermittlungen in Parallelwelt
Besonders ist aber, dass Oberländer niedergestochen wird, ins Krankenhaus kommt und im Koma gewissermaßen weiterermittelt: Die Szenerie taucht in rötlich getünchtes Licht. Der Kommissar findet sich plötzlich im Kinderheim wieder. Dort sitzt ein Jugendlicher an einem Tisch und spielt Schach.
Herausfordernder waren für den 52-Jährigen Szenen unter Wasser, gedreht einen Tag lang in einer Tauchschule in Wien. “Da weiß man abends, was man gemacht hat”, sagte Koeberlin der dpa. Er brauche zwar nicht unbedingt solch körperlich anspruchsvolle Szenen. “So eitel bin ich nicht”, betonte er. “Aber wenn ich das Gefühl habe, es dient der Geschichte, dann mache ich es auch.”
Auf ganz andere Weise anstrengend seien die Dreharbeiten für die Krankenhaus-Szenen gewesen. “Die Kollegen haben vorher geneckt, dass ich zwei Wochen nur im Bett liege”, berichtete der Schauspieler vom Set. “Ich habe dann gemerkt: Das ist durchaus fordernd.”
Weiteres Opfer im Visier
Während Oberländer im Koma liegt, gehen Kollegin Mara Eisler (Anna Werner Friedmann) und der Teamchef, Kriminalchefinspektor Thomas Komlatschek (Hary Prinz) ganz unterschiedlich mit der Situation um, giften sich sogar gegenseitig an. Doch beide suchen auch das Gespräch mit dem Patienten.
Für das im Hier und Jetzt verbliebene Ermittler-Team wird klar, dass der Täter seine Opfer nicht nur töten wollte. Er wollte sie quälen. Auch tauchen weitere Fragen auf – so hatte der ermordete Tourist vor seinem Tod für die Trauerfeier zum Gedenken an den Pfarrer noch einen Kranz aufstellen lassen.
Oberländer ist in seinen Ermittlungen in der Art Paralleluniversum den Kollegen einen Schritt voraus. Er kommt irgendwann dahinter, dass der Mörder noch mindestens ein weiteres Opfer im Visier haben muss – und schreit das förmlich heraus. Nur: Die Kommunikation mit der Außenwelt ist schier unmöglich.
Weitere Episoden im Kasten
Koeberlin erzählte, er habe der Produktion vorgeschlagen, mal den einen oder anderen Fall etwas anders zu erzählen und neue Ausdrucksformen zu finden. “Das wurde hier umgesetzt.” Die Ideen für die “klassischen” Fälle des deutsch-österreichischen Teams seien aber nicht ausgegangen, versicherte der Schauspieler. “Wir haben dieses Jahr wieder drei Filme gedreht.”
Auch wenn Oberländers komatöser Zustand zeitweise ein wenig so anmutet, als müsste sich das Publikum auf einen Abschied von der Rolle einstellen, ist davon laut Koeberlin noch lange keine Rede. “Wenn ich für mich das Gefühl habe, eine Sache ist erzählt, der Kreis schließt sich, höre ich damit auf”, sagte er. “Aber ich habe das Gefühl, ich kann noch ein paar Runden drehen.”




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