Der Rathausplatz war am Samstag richtig gut besucht

Fans feiern Song Contest österreichweit beim Public Viewing

Samstag, 16. Mai 2026 | 23:40 Uhr

Von: apa

Eher argwöhnisch blickt der hypothetische Wettergott auf die Wiener Song-Contest-Woche herunter. Auch am Finaltag waren die ESC-Fans mit recht durchwachsenen Umständen konfrontiert. Im Eurovision Village am Rathausplatz hatte sich trotzdem schon lange vor dem Start der großen Show eine sehr stattliche Menge eingefunden. Der Auftritt von Israels Teilnehmer wirkte sich auf die Partystimmung nicht merkbar negativ aus. Bundesweit luden zahlreiche Locations zum Public Viewing.

Sehr wetterfest und teilweise höchst ausgelassen gaben sich die Afficionadas und Afficionados bereits Stunden vor dem musikalischen Auftakt in Wien durch Dänemarks Søren Torpegaard Lund mit dem hoch gehandelten “Før vi går hjem” in der Stadthalle. Man lasse sich die gute Laune nicht verderben, so der Tenor unter den vielfach mit Fahnen, ESC-Merchandising-Artikeln oder selbst gebastelten Outfits ausgestatteten Fans.

Israel-Auftritt ohne Störungen

Beim ersten ESC-Auftritt von Noam Bettan mit seinem Song “Michelle” im Halbfinale am Dienstag gab es vor allem ob des Vorgehens von Israels Armee in Gaza in Reaktion auf den Hamas-Angriff eher vereinzelte, aber lautstarke abfällige Äußerungen. Das war im “Grand Final” bei Bettans Performance mit Startnummer 3 am Rathausplatz nicht prominent wahrnehmbar. Eher im Gegenteil: So waren viele Israel-Flaggen in der Menge auszumachen. Davor feierten die versammelten Fans beim musikalischen Auftakt recht einhellig und ließen sich von Sarah Engels’ “Fire” etwas wärmen. Als echter Stimmungsaufheller präsentierte sich abermals Griechenlands Akylas mit seinem hoch gehandelten “Ferto”.

Beim Public Viewing im Israel gewidmeten “Eurofan Café” – der MQ Kantine im Wiener Museumsquartier – herrschte zum Showauftakt ruhige Stimmung. Vereinzelt waren Israel-Flaggen auf T-Shirts oder als Make-up zu sehen. Der einzige offene Zugang zum Café wurde ebenso wie die versperrten Eingänge von Polizeibeamten bewacht. Während Bettans Auftritt gab es lauten Jubel und Applaus, der Refrain wurde gemeinschaftlich mitgesungen.

Beim Public Viewing im MAK – Museum für Angewandte Kunst moderierte Dragqueen Pandora Nox den Abend. Der Saal wurde in ESC-Farben stimmungsvoll beleuchtet und die Besucherinnen und Besucher an einer Bar mit Getränken versorgt. Die Atmosphäre war entspannt. Großen Applaus erhielt Delta Goodrem für ihren Song “Eclipse”, mit dem sie für Australien antritt.

Kapazitäten im “Village” aufgestockt

Im “Village” war der Tag unter dem Titel “Heroes” gestanden – einer Anspielung auf den Siegertitel beim letzten Wiener ESC vor mittlerweile elf Jahren. Am Abend gab noch Österreichs Starterin des Jahres 2016, Zoë, ein ESC-Spezialkonzert am Rathausplatz, von dessen Hauptbühne aus spätabends auch noch die österreichischen Jurypunkte von Ö3-Moderator Philipp Hansa dem Fernsehpublikum und den anwesenden Fans dargebracht werden.

Erstmals sperrte man auch Teile der Wiener Ringstraße, um die Kapazität des Areals auf bis zu 30.000 Besucher zu erhöhen. Davon hatte man angesichts des schlechten Wetters bei den Halbfinalshows noch abgesehen. Diese großzügigen Erweiterungen mit großen Leinwänden in beide Ring-Richtungen waren am früheren Abend noch nicht wirklich besiedelt. Ganz anders jener Geländeteil, der mit viel Gastro, Karaoke und der großen Bühne direkt vor dem Rathaus lockt.

“Song Contest ist nur einmal im Jahr”

Wer angesichts des Wetters oder anderer ungünstiger Umstände psychisch etwas angeschlagen war bzw. in all dem Trubel der ESC-Woche ein wenig Einkehr und Ansprache brauchte, hatte dazu die Möglichkeit im “Interreligiösen Pavillon”. Der “Begegnungsraum” stand unter dem Motto “United in Humanity – Connected by Music” und wurde in den vergangenen Tagen erstaunlich gut angenommen, erklärte Elisabeth Charlotte Palugyay von der Erzdiözese Wien der APA. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher hatten Friedensbotschaften am Zaun vor dem Pavillon angebracht.

Die Village-Geher aus aller Welt zeigten sich insgesamt erstaunlich hartgesotten und entschlossen, den gesamten Abend bei immer wieder einsetzenden, allerdings abends noch leichtem Nieselregen und einem spürbaren Lüftchen am Rathausplatz komplett durchzudienen. “Song Contest ist nur einmal im Jahr”, erklärten einige ESC-Fans der APA. Einen Plan B in einer Indoorlocation für den Fall, dass sich das Wetter verschlechtert, hatten nur die Allerwenigsten.

Internationales Publikum in der Volksoper

Friedlich und von gemeinsamer Freude für die musikalischen Acts war die Stimmung beim Indoor-Public-Viewing in der Wiener Volksoper. Es sei nicht leicht gewesen, Tickets zu ergattern, meinten die Besucherinnen Susanne und Katrin aus Wien. Vereinzelt blitzten Pailletten-Hemden im Dunkeln der Publikumsreihen, ein paar ESC-Schals, zwei blau gemalte Cosmo-Sterne ums Auge, ein paar Leuchtarmbänder. Die Besucher Markus und Marcus aus Hamburg und Berlin waren schon bei vielen ESC-Final-Veranstaltungen, aber Wien habe ihnen besonders gefallen. “Es war total friedlich, sicher, einfach ein super Happening”, so Marcus. Die Freundinnen Tracey und Nicola waren extra aus Wales angereist – für den ESC und Traceys 60. Geburtstag. Die beiden hatten sich für das Viewing in der Volksoper entschieden, weil sie “aus Sicherheitsgründen” nicht zu einem der großen Viewings gehen wollten.

Auch die Direktorin der Volksoper, Lotte de Beer, strahlte übers ganze Gesicht. Sie freue sich, den ESC auch in die Volksoper bringen zu können, denn “‘United by Music’, das sind wir auch”, sagte sie. Es gehe darum, die Unterschiede zu vergessen und das Gemeinsame zu suchen, “mit der Musik, die die magische Kraft hat, die Herzschläge zu synchronisieren”.

Familiäre Stimmung in Graz

Recht ruhig und familiär ging es beim offiziellen ESC-Public-Viewing im Grazer Schubertkino zu. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn waren die Reihen im Einsersaal des altehrwürdigen Innenstadtkinos in der steirischen Landeshauptstadt gut besetzt. Eine gewisse Internationalität war zu bemerken, in der ersten Reihe des Kinos hatte sich eine Abteilung aus Bella Italia breit gemacht, die grün-weiß-rote Tricolore des Nachbarlandes war neben einem Union Jack in einer der hinteren Reihen aber auch schon die einzige Flagge, die gelegentlich geschwenkt wurde.

Verkleidungen waren kaum zu sehen, neben ein paar bunten Perücken das eine oder andere Cosmó-Make-Up, und das war’s dann auch schon. Im Wesentlichen dominierte Gemütlichkeit mit Popcorn und Bier, die einzelnen Beiträge am Anfang des Feldes wurden, inklusive Israel, mit durchwegs freundlichem Applaus bedacht.

Beim Viewing in der wetterfesten Messe Dornbirn verfolgten rund 1.300 ESC-Fans nach einem Vorprogramm mit regionalen Acts, darunter ehemalige ESC-Teilnehmer, wie George Nussbaumer (ESC 1996), bei guter Stimmung den Wettbewerb und schwenkten vor allem Österreich-Fähnchen. Guten Zulauf gab es an der Malstation, wo sich viele mit einem Cosmó-Stern ausstatten ließen. Proteste bei Israels Act waren auch im Westen nicht auszumachen.

(S E R V I C E – https://eurovision.wien.gv.at/esc-village ; https://go.apa.at/8T9oR7xL )

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