Ein Südtiroler erklärt den Rheinländern ihre Lebensweise

Kabarettist Konrad Beikircher 80-jährig gestorben

Mittwoch, 29. Juli 2026 | 12:20 Uhr

Von: APA/dpa

Eigentlich ist es abstrus: Ein Südtiroler erklärt den Rheinländern ihre Lebensweise. Aber wenn Konrad Beikircher mit seinem ureigenen Humor deren Dialekt und Mentalität aufs Korn nahm, begeisterte er nicht nur das Publikum im Rheinland, sondern auch weit darüber hinaus. Am Dienstag ist der Kabarettist im Alter von 80 Jahren in Bonn gestorben. “Wir waren bei ihm”, sagte Ehefrau Anne Beikircher der Deutschen Presse-Agentur.

Aufgewachsen im Pustertal, kam er bereits 1965 zum Studium nach Bonn – und blieb dort dann hängen. “Ich möchte nicht mehr weg von hier”, schilderte er der dpa in einem Gespräch anlässlich seines 75. Geburtstags im Dezember 2020. “Meine Heimat ist und bleibt Südtirol. Aber mein Zuhause ist das Rheinland.” Er liebe das dort spürbare “mediterrane Lebensgefühl” nach dem Motto: Wichtig ist die Gegenwart – jetzt muss es schön sein.

Erstes Programm erreichte Kultstatus

In seinen Kabarettstücken ließ Beikircher unter anderem seine Kunstfigur “Frau Walterscheidt” zu Wort kommen, die sich in rheinischer Leichtigkeit über Gott und die Welt ausließ. Sein erstes Programm “Himmel un Ääd” erreichte Kultstatus.

Beikircher war ein künstlerisches Multitalent: Er spielte zahlreiche Instrumente, trat als Sänger auf – vorwiegend mit italienischen Liedern, schrieb Kochbücher, Kindererzählungen und Opernführer und moderierte Konzerte mit großen Orchestern. Am liebsten mache er das, was mit Klassik zusammenhängt, sagte er der dpa. “Das macht mir große Freude – das andere macht mir Spaß.”

Vom Gefängnispsychologen zum Bühnenmenschen

Für seine künstlerische Karriere hatte der Vater von fünf Kindern seinen bürgerlichen Beamtenberuf an den Nagel gehängt: Bis Mitte der 1980er-Jahre arbeitete er als Gefängnispsychologe vor allem mit jungen Straftätern.

Das habe er sehr gern gemacht, sagte er 2020 rückblickend. Bei den Häftlingen sei er beliebt gewesen: “Ich konnte in jede Zelle gehen, auch in aufgeregteste Situationen, mir ist nie was passiert.” Doch im Laufe der Zeit hätten die Formalitäten und behördlichen Auflagen ihn immer weiter eingeengt, sodass er schließlich “zur Selbstrettung” dort aufgehört habe. Diese Entscheidung bereute er nach eigenen Worten keine Sekunde.

Je länger er als Künstler unterwegs war, desto süchtiger sei er nach der Bühne geworden. Besonders bewusst wurde ihm dies in der Zeit der Theaterschließungen während der Corona-Pandemie. “Die Bühne ist ein Ort, wo ich mir allein gehöre, wo keine Kinder, keine Ehefrau, keine Umstände an mir zerren.”

Beim Sterben wollte er zu Hause sein

Doch so sehr Beikircher den öffentlichen Auftritt liebte, eines war für ihn klar: “Dieses alte Ding, der schönste Tod ist der auf der Bühne – dem fühle ich mich nicht so verpflichtet.” Beim Sterben wolle er gern zu Hause sein, bei den Menschen, die ihm am wichtigsten sind, sagte er vor ein paar Jahren. Angst vor dem Tod habe er nicht: “Darauf bin ich sogar eher neugierig.”

Seine Ehefrau sagte jetzt nach seinem Tod, ihr Mann sei zwar zweimal aus der Kirche ausgetreten, aber gläubiger Christ gewesen. Er habe die Menschen mit seiner Kunst “umarmt”, schilderte Anne Beikircher. “Er hat die Menschen geliebt, das war authentisch. Und die Menschen haben ihn geliebt.”

Bezirk: Pustertal

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