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Eine Trauer-Auszeit gab es nicht: Mit dem Tod seines Vaters Harald V. wurde Haakon VIII. sofort Norwegens neuer König. Am 1. September legte der 53-Jährige seinen Eid vor dem Parlament in Oslo ab. Gut eine Woche später muss Haakon nun seinen Vater zu Grabe tragen. Dass zu der Trauerfeier nicht nur viele Mitglieder von Königshäusern sowie internationale Staats- und Regierungschefs anreisten, sondern auch die Anteilnahme im Volk groß ist, dürfte dem neuen König Kraft geben.
Die wird der 53-Jährige brauchen. Denn wie sein Vater und sein Großvater will Haakon VIII. dem Wahlspruch “Alles für Norwegen” gerecht werden.
Aus diesem Pflichtgefühl heraus hatte sein Vater eine Abdankung stets abgelehnt. Wegen seiner gesundheitlichen Probleme in den vergangenen Jahren ließ Harald V. sich aber häufig durch Haakon vertreten. Mit seiner bescheidenen und zurückhaltenden Art scheint dieser ein idealer Repräsentant der Norweger zu sein.
Von klein auf zur Bodenständigkeit erzogen
Bodenständigkeit wurde Haakon von klein auf vermittelt. König Harald und Königin Sonja, eine Bürgerliche, schickten ihn in einen staatlichen Kindergarten und in staatliche Schulen. Danach ging er drei Jahre zur Marine, wo er auf einem Torpedoboot diente. Nach einem Bachelor-Studium an der University of California in Berkeley rundete er seine Ausbildung mit einem Master-Abschluss an der renommierten London School of Economics ab.
Mit seinen Landsleuten verbindet den 53-Jährigen nicht nur die Liebe zum Skifahren und zum Wassersport, mit vielen Norwegerinnen und Norwegern seiner Generation teilt er auch Anliegen wie Umweltschutz und den Kampf gegen Rassismus und Homophobie. “Es ist wichtig, dass wir schützen, wer wir sind, und Norwegen als ein Land, wo es erlaubt ist, zu lieben und zusammen zu sein, mit wem auch immer wir wollen”, sagte Haakon etwa nach einem Angriff auf die LGBTQ-Community in Oslo im Juni 2022.
Monarchie litt zuletzt unter mehreren Skandalen
Solch ein staatsmännisches und einendes Auftreten ist von Haakon nun gefragter denn je. Schließlich hat das Ansehen der Monarchie in den vergangenen Monaten gleich unter mehreren Skandalen gelitten.
Im Februar zeigten die sogenannten Epstein-Akten, dass Haakons Frau Mette-Marit Anfang der 2010er-Jahre eine Freundschaft zu dem US-Milliardär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gepflegt hatte, der damals bereits wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution vorbestraft war. Sie hatte demnach häufig Kontakt mit Epstein, ihr Mail-Wechsel deutet auf eine enge Beziehung hin.
Im März gaben Haakon und Mette-Marit ein Interview zu den Skandal-Enthüllungen. “Wenn man eine Ehe schließt, dann ist es für die guten wie die schlechten Zeiten”, sagte der Kronprinz darin.
Im Juni wurde Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung, der 29 Jahre alte Marius Borg Hoiby, wegen zwei Vergewaltigungen und anderer Vergehen zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Berufungsurteil steht noch aus, seinen derzeitigen Hausarrest durfte Hoiby für die Beisetzung von Harald V. verlassen.
Prinzessin Ingrid Alexandra nun Thronfolgerin
Als Haakon die Alleinerziehende Mette-Marit 2001 geheiratet hatte, nahm er Marius wie seinen eigenen Sohn an. Das Paar hat zudem zwei gemeinsame Kinder: die 22-jährige Ingrid Alexandra, die dereinst Königin werden soll, und den 20-jährigen Sverre Magnus. Sie begleiteten ihren Vater, als er am Dienstag vergangener Woche seinen Eid als König vor dem Parlament ablegte.
Prinzessin Ingrid Alexandra kehrte im Juni von ihrem Studienort in Australien heim, um ihrer Mutter und ihrem Vater beizustehen. Der Zustand von Mette-Marit, die vor Jahren an einer seltenen Form von Lungenfibrose erkrankt war, hatte sich dramatisch verschlechtert. Mitte Juni verkündete der Palast schließlich, dass die Kronprinzessin eine Spenderlunge erhalten habe und sich nun von dem schweren Eingriff erholen müsse.
Nach dieser kräftezehrenden Zeit muss Haakon nun seinen Vater ersetzen und die Sorge um seine Familie und um sein Land unter einen Hut bringen. Wie viel Rückhalt das norwegische Volk geben kann, hat es ihm nach dem Tod seines Vaters vor Augen geführt: Tausende säumten den Weg des Trauerzugs durch die Innenstadt von Oslo.




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