Lucas Englander hat noch viel vor

Lucas Englander: “Glamour bringt uns von den Menschen weg”

Montag, 16. Februar 2026 | 05:01 Uhr

Von: apa

Alljährlich werden seit 1998 im Rahmen der Berlinale Jungschauspieler aus ganz Europa von der European Film Promotion als “European Shooting Stars” vor den Vorhang geholt. Die zehn Künstlerinnen und Künstler absolvieren einen Marathon mit Castingdirektoren, Agenturen, Filmschaffenden und Presse und werden am Ende mit einem Award geehrt. Heuer ist nach langem mit Lucas Englander wieder ein Österreicher in den erlauchten Kreis der Nachwuchstalente aufgenommen worden.

Der 32-jährige Wiener, der bereits an der Seite von Nicole Kidman (“Nine Perfect Strangers”) zu sehen war und mit der EU-Serie “Parlament” seinen Durchbruch hatte, tritt als European Shooting Star in Fußstapfen von heutigen Stars wie Daniel Craig, Nina Hoss, Matthias Schoenaerts, Carey Mulligan, Alicia Vikander oder Riz Ahmed. Der APA beantwortete der Schauspieler aus diesem Anlass die Frage, warum das Schauspiel in den letzten Jahrzehnten in eine falsche Richtung gegangen ist, welches Projekt er mit Adrian Goiginger im Auge hat und was das Kunst-Träumen bringt.

APA: Sie haben von “Parlament” über “Nine perfect strangers” bis zu “Transatlantic” schon in internationalen Millionenproduktionen mitgespielt. Empfinden Sie für sich die Titulierung als “Nachwuchsschauspieler” respektive Shootingstar überhaupt noch als zutreffend?

Lucas Englander: Das ist das erste Mal, dass mich das Wort Nachwuchs in Bezug auf den Shooting Star findet. Bis jetzt wurde mir eher “rising star” oder “up and coming” nachgesagt. Aber ich empfinde trotzdem auch, dass ich noch recht am Anfang meiner schauspielerischen Suche nach Leben bin, und diese Zeit hier motiviert mich, weiter zu suchen.

APA: Welche Hoffnungen/Erwartungen verknüpfen Sie mit diesem Label für sich?

Englander: Vielleicht, dass ich meine eigene Arbeit trotz meines natürlichen, kritischen Blickes selbst etwas mehr schätzen könnte, und durch diesen Selbstrespekt mich ermutige, meine Karriere in der Vielfalt zu leben, wie ich es mir vorstelle.

APA: Sie haben bisher primär in Produktionen gespielt, die auf die USA respektive Frankreich fokussiert waren. Ist diese internationale Karriere auch Ihr Weg in der Zukunft? Oder ist der österreichische TV/Filmmarkt ebenso von Interesse für Sie?

Englander: Da wo’s mein Herz hinbringt, bringt’s mein Herz hin. Ich freu mich schon unglaublich darauf, mit Adrian Goiginger “Das Café ohne Namen” vorzubereiten und zu drehen. Es gibt so viele tolle RegisseurInnen in Österreich. Schau’ ma mal, was passiert!

APA: Bis dato haben Sie vornehmlich in Serien respektive Filmen gespielt. Hat die Theaterbühne Sie nie gereizt, oder hat sich hier ein größeres Engagement einfach noch nicht ergeben?

Englander: Ich war vor kurzem im Senegal und habe dort gedreht. Da hab ich die Theatergruppe Brrr Production kennengelernt. Deren Herangehensweise hat mich so berührt, dass ich danach so geweint hab, dass mich einer der Schauspieler für eine Minute umarmt hat, bis ich wieder richtig atmen konnte. Also, ja, ich glaub, in den nächsten paar Jahren möcht’ ich, wenn sich die Zeit und die richtige Geschichte finden, Theater spielen. Aber genauso spüre ich auch die Regie in mir – lustigerweise Theaterregie. Und bei dem Gedanken, mich das wirklich zu trauen, freut sich was ganz tief in mir drinnen. Aber noch ist das ein Traum. Das Gute ist schon mal, dass Kunst Träumen einen Weg zeigt, wie sie zuerst Vision und dann auch Realität werden können.

APA: Können Sie definieren, was Sie persönlich am Spiel reizt, an der Darstellung als Beruf?

Englander: Ich glaube innig an Empathie, und daran, dass wir öffentliche Orte und öffentliche Akteure brauchen, die uns erlauben, aufeinander zuzugehen. Schauspiel ist ein Beruf, der, wie ich finde, Teil so eines Ortes ist, der aber auch über die letzten Jahrzehnte hinweg in die falsche Richtung gegangen ist. Glamour, Berühmtheit, Leichtsinn, all das bringt uns von der Bevölkerung und den Menschen weg, für die wir spielen. All das entfernt uns von dem, worum’s geht: Teil einer Geschichte zu sein, die uns spüren lässt, dass wir alle Menschen sind, und uns umeinander kümmern sollten. Weil sonst fallen wir halt einfach auseinander. Egal welche Klasse, egal woher. Und wenn wir auseinander gefallen sind, dann vergisst der Mensch schnell, dass wir eigentlich zusammen gehören.

Für mich ist Schauspiel, und im weiteren Kunst, einer dieser Orte des Zusammenkommens, eine Plattform, auf der wir suchen, was sich im Menschsein tut, damit wir das gemeinsam mit dem Publikum besser wahrnehmen und diskutieren können, und durch dieses Aufeinanderkommen unsere Welt, und einander mit etwas mehr Liebe und Verständnis wahrnehmen und behandeln.

(Die Fragen stellte Martin Fichter-Wöß/APA)

(S E R V I C E – https://efp-online.com/programs/european-shooting-stars )

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