Von: importer
Spaniens Kronprinzessin Leonor hat am Freitagabend die nach ihrem Titel benannten Prinzessin-von-Asturien Preise vergeben. Sie gelten als die spanischen “Nobelpreise” und werden jedes Jahr im Teatro Campoamor von Oviedo in acht Kategorien vergeben. Obwohl die Preisträger aus den verschiedensten Bereichen und Berufen kämen, hätten sie eins gemeinsam, meinte während der Gala die US-amerikanische Punkrock-Ikone Patti Smith, die in der Sparte Kunst ausgezeichnet wurde.
Sie seien “positive Vorbilder, die Freude verbreiten, die Umwelt schützen, mutig Neues erkunden, Menschenrechte verteidigen, die intellektuelle Neugier fördern und eine Quelle des Stolzes darstellen”. Kurz vor ihrem 80. Geburtstag betrachtet Smith die Auszeichnung als “Ansporn, weiterzuarbeiten. Sie ermutigt uns, uns stetig weiterzuentwickeln, um neue Wege zu finden, den Menschen bestmöglich zu helfen und den neuen Generationen Hoffnung und Stabilität zu geben.”
In der Kategorie Kommunikation und Geisteswissenschaften wurde das japanische Animationsstudio Studio Ghibli ausgezeichnet, das mit Filmen wie “Mein Nachbar Totoro” und “Chihiros Reise ins Zauberland” internationale Bekanntheit erlangte. Der spanische “Nobelpreis” für Literatur ging heuer an den britischen Schriftsteller Julian Barnes, der mit Romanen wie “Flauberts Papagei” oder “Vom Ende einer Geschichte” bekannt wurde.
Auszeichnung für Weltsaatgut-Tresor
Mit dem Preis für internationale Zusammenarbeit zeichnete Spaniens Kronprinzessin den Weltsaatgut-Tresor auf Spitzbergen aus. Die unterirdische Anlage in der norwegischen Arktis bewahrt Saatgut zahlreicher Nutzpflanzen als Absicherung gegen Naturkatastrophen, Konflikte und andere Gefahren für die weltweite Ernährungssicherheit auf.
Der Preis für wissenschaftliche und technische Forschung ging an die britischen Chemiker David Klenerman und Shankar Balasubramanian sowie den französischen Biophysiker Pascal Mayer. Sie wurden für die Entwicklung von DNA-Sequenzierungstechnologien ausgezeichnet, die Fortschritte in der medizinischen Diagnostik und der biologischen Forschung ermöglicht haben.
Appell an Zusammenhalt
Zahlreiche Preisträger richteten sich mit Appellen zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und kritischem Denken bei der Preisvergabe zu Wort. So forderte auch die US-Astronautin Christina Koch dazu auf, die Menschheit als gemeinsame Schicksalsgemeinschaft zu begreifen. “Warten Sie nicht auf die nächste Mondmission, um zu erkennen, dass Ihre Mitmenschen Ihre Crewmitglieder sind”, appellierte Koch bei der Entgegennahme des Preises für Eintracht. Die Astronautin erinnerte an ihre Teilnahme an der Artemis-Mondmission im April, bei der Menschen ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer politischen Überzeugungen und ihrer Bildung zusammengearbeitet hätten.
Unterdessen richtete sich der britische Historiker, Journalist und Essayist Timothy Garton Ash nach der Entgegennahme des Preises für Sozialwissenschaften in seiner Dankesrede direkt an die 2005 geborene Kronprinzessin und ihre Generation. “Nie zuvor waren wir der Verwirklichung der Vision eines vereinten und freien Europas so nahe wie in jenem goldenen Moment um das Jahr 2005.” Es sei eine Zeit beispielloser Ausweitung von Freiheit, Frieden und europäischer Integration gewesen.
Von diesem Versprechen Europas sei heuer nur noch eine “Zukunftsvorstellung” übrig, so der Oxford-Professor, der vor allem durch seine Abhandlungen über die Gefahren von Autoritarismus und Populismus international Ansehen erlangte. “Alles, was seit 1945 erreicht wurde – jenes Europa, das viele Ihrer Generation, Hoheit, als selbstverständlich betrachteten -, ist heute in seinem Bestand bedroht”, wandte sich Garton Ash an die Kronprinzessin.
“Freies Europa” als Ziel
Er gab aber drei Lösungsvorschläge, wie man weiterhin ein “freies Europa” erreichen könne. “Ein tiefes Bekenntnis zur Suche nach der Wahrheit”, die “Wiederherstellung des Vertrauens in die liberale Demokratie” und drittens: “Tiqui-Taca” – der spanische Fußballmix aus individueller Genialität und einem ausgefeilten Teamwork, sagte der britische Historiker und schaute dabei zum mehrfachen argentinischen Weltfußballer Lionel Messi, der den Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Sparte Sport erhielt und während seiner hauptsächlich in Spanien verbrachten Fußballkarriere den “Tiqui-Taca”-Stil maßgeblich mitprägte.
Prinzessin Leonor bezeichnete sämtliche Preisträger als “Hoffnungsträger”, die ihrer Generation zu neuem “Vertrauen” in einer von “tiefer gesellschaftlicher Ernüchterung, von Ungleichheiten, Konflikten, Extremismus, Populismus, von technologischen und hybriden Kriegen, Bedrohungen und von Unsicherheit” geprägten Zeit verhelfen.
(S E R V I C E – https://www.fpa.es/de/prinzessin-von-asturien-preise/)




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen