Von: Sophia Molitor
Mehr als acht Jahrzehnte lang lag ein deutsches U-Boot vor der Küste Südwestenglands verborgen auf dem Meeresgrund. Auf Seekarten war das Wrack fälschlicherweise als gesunkenes Segelschiff aus dem Ersten Weltkrieg verzeichnet. Erst jetzt konnten Taucher das Geheimnis lüften und berichten, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um U-672 handelt, das im Juli 1944 von der britischen Fregatte HMS Balfour angegriffen wurde.
Die Geschichte des Bootes hängt mit der Rettung der Bootsbesatzung zusammen. Nachdem schwere Lecks das U-Boot beschädigt hatten, ließ Kommandant Ulf Lawaetz es auftauchen und befahl der Besatzung, das Boot selbst zu versenken. Die 52 Männer verließen das sinkende U-Boot und retteten sich in Rettungsflöße. Am folgenden Tag wurden sie von den Briten festgenommen und gerieten in Kriegsgefangenschaft. Alle 52 Besatzungsmitglieder überlebten und kehrten nach dem Krieg nach Deutschland zurück.
Warum das Wrack so lange unentdeckt blieb, ist äußerst bemerkenswert: In den damaligen Militärunterlagen war offenbar eine falsche Position eingetragen worden. Das Boot lag tatsächlich rund 74 Kilometer von der dokumentierten Stelle entfernt. Bei der Identifizierung halfen den Tauchern technische Details am Wrack, darunter ein frühes Schnorchelsystem und Überreste des sogenannten Aphrodite-Systems. Dabei handelte es sich um eine deutsche Radartäuschung, bei der kleine Reflektoren an Ballons oder anderen Trägern aufgehängt wurden. Sie sollten feindliche Radargeräte durch zusätzliche Echos irritieren und so die Ortung von Flugzeugen oder Schiffen erschweren. Auch ein historisches Erkennungszeichen – ein Schwein auf dem Kommandoturm – trug zur Aufklärung bei.
So tritt ein jahrzehntelanges Rätsel in das Kapitel der Kriegsgeschichte ein.




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