Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Am gestrigen Welttag der Reparatur, dem 17. Oktober, kamen im Fablab unibz in Bozen erstmals die Südtiroler Repair-Café-Gruppen zu einem gemeinsamen Netzwerktreffen zusammen.
Eingeladen hatte die OEW – Organisation für Eine solidarische Welt, um den Austausch unter den Freiwilligen zu fördern und über die Zukunft der Reparaturbewegung und das Recht auf Reparatur zu diskutieren. Am Nachmittag öffnete ein großes Repair Café seine Türen: 15 Freiwillige aus verschiedenen Südtiroler Repair Cafés versuchten gemeinsam mit den Besuchern, kaputte Alltagsgegenstände wieder instand zu setzen.
Seit elf Jahren gibt es Repair Cafés in Südtirol. Die ehrenamtlichen Initiativen bieten Menschen die Möglichkeit, kaputte Gegenstände kostenlos und ohne Anmeldung gemeinsam mit erfahrenen Freiwilligen zu reparieren. So werden Ressourcen geschont, Wissen weitergegeben und Menschen zusammengebracht. Obwohl sich die Südtiroler Gruppen seit Jahren gegenseitig unterstützen, fand bisher noch kein gemeinsames Netzwerktreffen statt.
„Es war schön zu sehen, dass Vertreter so vieler Repair Cafés gekommen sind und sich sogar zwei Interessierte gemeldet haben, die selbst eine neue Repair-Café-Gruppe gründen möchten“, freut sich Verena Dariz, OEW-Mitarbeiterin und Hauptorganisatorin des Treffens. „Das große Interesse zeigt, wie viel Potenzial in der Reparaturbewegung steckt. Umso wichtiger ist es, dass sich die Freiwilligen vernetzen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam neue Ideen entwickeln.“
Mehr als reparieren: Wissen teilen, Menschen verbinden
Am Vormittag tauschten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen und Herausforderungen aus. Giorgio Nesler sprach darüber, wie sich Freiwillige für das gemeinsame Reparieren begeistern und langfristig motivieren lassen. Ugo Vallauri, Co-Direktor von The Restart Project und Mitbegründer der europäischen Koalition Right to Repair Europe, beleuchtete das Recht auf Reparatur und die Situation in Italien. Vallauri unterstrich dabei auch die politische Bedeutung der Bewegung: „Tausende Freiwillige treiben derzeit in Europa die Bewegung der Repair Cafés voran und setzen sich auch auf politischer Ebene für Veränderungen ein. Diese Arbeit ist sehr mühselig, aber extrem wichtig.“
Giorgio Nesler betonte den Wert handwerklicher Fähigkeiten: „Wir dürfen uns diese Handfertigkeit nicht nehmen lassen.“ Gerade junge Menschen hätten großes Interesse daran, selbst praktisch tätig zu werden. Repair Cafés böten die Möglichkeit, dass Generationen voneinander lernen und Berührungsängste abbauen. „Wir müssen denken, dass alles lösbar ist. Die Lösung ist manchmal ganz leicht zu finden.“
Wie viel Freude das Reparieren bereiten kann, weiß auch Corinna Lorenzi, Mitbegründerin des seit fünf Jahren bestehenden Repair Cafés in Bozen: „Es ist eine totale Genugtuung, wenn man etwas reparieren kann. Oft haben wir etwas nur auseinandermontiert und geputzt und es ging wieder.“ Besonders viele ältere Menschen besuchen das Repair Café im Spazio 77. „Sie sind so unglaublich froh, dass man es zumindest probiert.“ Neben dem Reparieren sei auch der zwischenmenschliche Austausch ein wichtiger Teil der Treffen.
Dass Repair Cafés weit mehr leisten als nur Gegenstände zu reparieren, verdeutlichte Fabian Mayr, Gründer des Repair Cafés Meran, anhand einer Aktion während der Coronapandemie: Gemeinsam mit der Gemeinde Meran machte die Gruppe 30 ausrangierte Computer für Familien wieder einsatzfähig, die sich nicht für jedes Schulkind einen eigenen PC leisten konnten. Das Repair Café Meran feierte 2025 sein zehnjähriges Bestehen und gilt als erstes Repair Café Italiens. Für Mayr steht neben solchen Aktionen vor allem die Sensibilisierung im Mittelpunkt: „Wenn wir unser Konsumverhalten ändern, wird auch der Beruf des Handwerkers wieder wertvoller. Genauso der Beruf des Reparateurs an sich.“ Damit sich langfristig wieder eine Kultur des Reparierens etabliert, brauche es auch politische Unterstützung. Der 2025 angenommene Beschlussantrag Nr. 168/24 zur Unterstützung der Repair Cafés müsse endlich umgesetzt werden.
Auch das Fablab unibz, das seine Räumlichkeiten für das Treffen zur Verfügung stellte, möchte handwerkliche Fähigkeiten stärken. „Im Fablab versuchen wir vor allem unter jungen Menschen die Handwerksfähigkeit zu fördern, und das Interesse ist immer groß“, erklärt Fablab-Leiterin Kathrin Kofler. Ein eigenes offenes Repair Café sei für die Zukunft denkbar. Schon jetzt können Menschen ab 16 Jahren Mitglied werden und die Geräte und Werkzeuge des Fablabs für eigene Reparaturen nutzen.
Bei einem World Café diskutierten die Teilnehmenden anschließend, wie neue Freiwillige gewonnen, weitere Repair Cafés gegründet und die bestehenden Gruppen besser vernetzt werden können. Auch die Sichtbarkeit der Reparaturinitiativen und ihre organisatorischen Herausforderungen standen zur Debatte. „Ich habe heute wieder viel Motivation bei der Tagung getankt“, resümierte Josef Untermarzoner, Mitbegründer des Repair Cafés Brixen, das es nun auch schon seit zehn Jahren gibt. Der Austausch mit anderen Engagierten gebe den Freiwilligen neue Motivation für ihre Arbeit.
Reparieren muss einfacher werden
Der Internationale Tag der Reparatur wurde heuer zum zehnten Mal begangen. Die Bewegung entstand 2009 mit dem ersten Repair Café in Amsterdam. Inzwischen gibt es weltweit Tausende gemeinschaftliche Reparaturinitiativen. Doch viele Geräte lassen sich nur schwer öffnen, Ersatzteile sind teuer oder nicht erhältlich und Reparaturanleitungen oft nicht zugänglich.
Die europäische Koalition Right to Repair Europe setzt sich deshalb dafür ein, dass Produkte langlebiger und leichter reparierbar werden und Ersatzteile sowie Reparaturanleitungen für alle zugänglich und bezahlbar sind. Erste politische Erfolge gibt es bereits: Seit Ende Juli 2026 gelten neue EU-Vorschriften zum Recht auf Reparatur. Sie stärken unter anderem den Anspruch auf Reparatur bestimmter Produkte auch nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung. Wer sich innerhalb der Gewährleistungsfrist für eine Reparatur statt für einen Austausch entscheidet, erhält eine Verlängerung der Gewährleistung um mindestens zwölf Monate. Ab Februar 2027 sollen durch die EU-Batterieverordnung weitere Vorgaben den Austausch von Batterien in vielen Geräten erleichtern.
“Neben politischen Veränderungen braucht es auch ein Umdenken im Alltag. Die Reparaturbewegung setzt sich für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen ein. Dazu gehören neben Repair Cafés auch sogenannte Bibliotheken der Dinge, in denen Gegenstände ausgeliehen und gemeinsam genutzt statt neu gekauft werden können, wie etwa in Bologna und Turin. Die gemeinsame Botschaft: Nicht alles, was kaputt ist, muss weggeworfen werden, und nicht alles, was gebraucht wird, muss neu gekauft werden”, so das OEW.




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