Von: Matthias Knapp
Bozen – Ist nach diesem Sommer ein “Extrem-Winter“ 2026/27 mit enormen Mengen an Schnee durch El Niño möglich? Experten erteilen allzu verfrühten Prognosen eine Absage.
Im Verbund mit dem Klimawandel, der für einen allgemeinen Temperaturanstieg sorgt, gilt das berüchtigte Wetterphänomen als Motor für den heurigen Hitzesommer. Auch der Herbst soll nach Angaben der World Meteorological Organization (WMO) mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen aufwarten. Auch im Zusammenhang mit dem kommenden Winter fallen vereinzelt wieder Begriffe wie „Rekord-“ oder „Jahrhundert-Winter“. Doch was steckt dahinter?
El Niño beeinflusst Europa im Sommer meist indirekt. Deutlicher sind die Effekte in der Regel in Nordamerika und in Teilen der Tropen. Für Mitteleuropa ist entscheidend, wie sich unter anderem der Nordatlantik entwickelt und wie andere Muster, wie etwa die Nordatlantische Oszillation mitspielen.
Laut „Severe Weather Europe“ würden sich für den Winter 2026/27 in Europa sich aktuell überwiegend mildere Signale und eine eher westliche Strömung zeigen, was unterm Strich eine Tendenz zu mehr Niederschlag in vielen Teilen Europas zeigt, weil Tiefdruckgebiete vom Atlantik den Kontinent leichter erreichen.
Gleichzeitig betont „Severe Weather Europe“, dass Modellkarten lediglich Trends, aber keine festen Zusagen für einzelne Länder oder Zeiträume abbilden.
Feststeht allerdings auch, dass El Niño zu Kälteeinbrüchen in Europa führen kann. „In Europa macht sich El Niño manchmal mit einer Auswirkung über den polaren Windwirbel bemerkbar, sodass es in Europa oder Nordamerika zu Kälteeinbrüchen kommen kann“, erklärte El Niño-Expertin Kristina Fröhlich im Juni. Tatsächlich erreicht das Wetterphänomen Ende Dezember meist seinen Höhepunkt, weshalb es auch seinen Namen erhielt. „El Niño“ bedeutet übersetzt „das Kind“ und ist eine Anspielung auf das Christkind und die damit verbundene Weihnachtszeit.
Trotzdem lassen sich aus dem El Niño-Ereignis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine zu 100 Prozent sicheren Winter-Prognosen ableiten. Die in vielen Medienberichten in diesem Kontext oft zitierte Bauernregel „Ist’s von Petri bis Lorenzi (1. bis 10. August) heiß, dann bleibt der Winter lange weiß“, ist laut Experten „physikalisch nicht begründbar“. Wer jetzt Eiseskälte oder einen Rekordwinter verspreche, übertreibe maßlos, erklärte der Diplom-Meteorologe Dominik Jung in seiner Wetterkolumne am 13. August.




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