Vermischtes

Blechlawinen statt Idylle: Besucher strömen auch heuer auf die Dolomiten

Freitag, 12. Juni 2026 | 08:00 Uhr

Von: stnews

Gadertal/Gröden – Spätestens mit den Pfingstferien hat der Ansturm auf die Dolomiten begonnen. Rudel von Motorradfahrern stürmen die Dolomitenpässe, riesige Touristenbusse zwängen sich auf die engen Bergstraßen und bleiben in den Kurven stecken. Die Schlangen von Hot-Spot-Touristen an den Aufstiegsanlagen werden Tag für Tag länger. Die Dorfstraßen sind, langsam, aber sicher, vom Dauerstau besetzt.

„Jedes Jahr scheint man aufs Neue mit Verblüffung dem Touristenansturm entgegenzutreten. Die Maßnahmen, die man verkündet und setzen möchte, sind zu langsam oder greifen nicht. Das liegt auch daran, dass man die falsche Strategie gewählt hat: retroaktiv zu agieren, statt proaktiv vorzubeugen“, so Elide Mussner, Gemeinderätin in Abtei und Tourismusexpertin.

Im ladinischen Radio sprechen die Aufstiegsanlagenbetreiber über die kommende Saison, mit Stolz verkündet man, dass der Sommer immer besser werden wird. Mit „besser“ meint man natürlich mehr. Mehr Menschen, mehr Kapazitäten, mehr Nächtigungen. Also auch mehr Verkehr, mehr Lärm und mehr Masse. „Und das heißt nun einmal: weniger Ruhe, weniger Naturerlebnis, weniger Qualität. Der Denkfehler ist deutlich: Ein weiteres Mehr ist wirtschaftlich schädlich, man könnte es in Qualitätsverlust umbenennen. Und wenn wir noch weiter an Qualität verlieren, dann verlieren wir an Attraktivität. Wir begeben uns als Tourismusdestination in eine Richtung, die sich keiner wirklich wünschen kann. Ist die Qualität einmal verloren, dann kommt sie so leicht nicht wieder“, warnt Mussner.

Eine Stimme, die aus der Reihe tanzt, ist jene des Präsidenten der Tourismusgenossenschaft Alta Badia, Christian Pescollderungg. Im ladinischen Radio übt er starke Kritik am Verkehrsansturm auf die Dolomitentäler. Er fordert mehr Respekt für die Menschen und das Gebiet.

„Nun werden landesweit Abermillionen in die touristische Kommunikation und Vermarktung investiert, und genau hier braucht es ein Umdenken: Wir müssen die Besucherinnen und Besucher besser informieren und vor allem sensibilisieren“, so Mussner. Frei nach dem Motto: Zurück zum Ursprung der Kommunikation und weg von einer marktorientierten Inszenierung.

Die Informationsaufgabe dürfe laut Mussner nicht fremdbestimmten sozialen Medien und digitalen Apps überlassen werden. Die Aufgabe des touristischen Marketings sollte es sein, den Gästen zu vermitteln, dass die Dolomiten kein Fun-Park sind.

„Unsere Täler, unsere Wälder, unsere Dörfer sind Lebensräume, die es zu respektieren gilt. Die Dolomiten sind kein Futtertrog, an dem sich alle beliebig bedienen können, ohne dafür Verantwortung übernehmen zu müssen. Es geht darum, gemeinsam an einem Strang zu ziehen – südtirolweit. Wir dürfen die Dolomitentäler nicht allein lassen, schließlich geht es um unsere Heimat und um unsere Wirtschaft“, schließt Elide Mussner.

Kommentare

Aktuell sind 9 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen