Von: stnews
Bozen – Wer zwischen 14 und 25 Jahre alt ist, wohnhaft und ansässig in Südtirol ist, soll künftig kostenlose Verhütungsmittel beanspruchen können. Das Angebot können altersunabhängig auch besonders schutzbedürftige Menschen nutzen, etwa Frauen, die Gewalt erlebt haben in Notlagen, oder Personen, die in Unterstützungsprojekten wie Alba begleitet werden.
Die Landesregierung hat auf Vorschlang von Gesundheitslandesrat Hubert Messner am 19. Juni dazu das das Pilotprojekt “Förderung der sexuellen, reproduktiven und partnerschaftlichen Gesundheit sowie Zugang zu kostenloser Verhütung” genehmigt. Damit setzt das Land ein Gesetz von 2025 um, das die Möglichkeit kostenloser Verhütungsmittel vorsieht. Das Projekt startet am 1. September 2026 und läuft vorerst ein Jahr.
Mit diesem Pilotprojekt setze das Land ein Vorhaben aus dem Landesgesetz zu den Familienberatungsstellen vor einem Jahr um, gebe ein starkes Signal für Prävention und Gesundheitsförderung, sagt Landesrat Messner: “Wir wollen jungen Menschen den Zugang zu Verhütungsmitteln erleichtern und sie unterstützen, selbstbestimmte und informierte Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig wollen wir helfen, sexuell übertragbarer Krankheiten vorbeugen und ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden”, betont Messner.
Das Projekt sieht vor, dass die Antibabypille, der Vaginalringe, das Hormonpflaster, subkutane Implantate und Spiralen den Anspruchsberechtigten kostenlos bereit zu stellen. Auch Kondome werden direkt über die teilnehmenden Familienberatungsstellen ausgegeben und können auch ergänzend zu anderen Verhütungsmethoden bezogen werden. Jugendliche und junge Erwachsene aller Geschlechter, vorausgesetzt sie sind anspruchsberechtigt, sollen gleichermaßen Zugang zu den Verhütungsmitteln haben, und zwar nach ärztlichem Ermessen.
In der ersten Phase beteiligen sich die privat konventionierten Familienberatungsstellen sowie die Mädchenambulanzen in den Krankenhäusern Brixen, Sterzing und Innichen. Danach soll das Projekt auch auf die öffentlichen Familienberatungsstellen des Südtiroler Sanitätsbetriebs ausgeweitet werden.
In den beteiligten Einrichtungen werden Anspruchsberechtigte individuell, auf die jeweilige Situation abgestimmt verpflichtend beraten und gynäkologisch untersucht, letzteres ausgenommen bei der Bereitstellung von Kondomen. Nach Ermessen können die Gynäkologin oder der Gynäkologe dann ein Verschreibungsblatt auszustellen, mit dem man das verschriebene Verhütungsmittel innerhalb von 30 Tagen kostenlos in den öffentlichen oder privaten vertragsgebundenen Apotheken bekommt. Kondome werden an Anspruchsberechtigte direkt von den Beratungsstellen ausgegeben.
Ein Fokus liegt zudem auf Aufklärung, Sexualerziehung und persönlicher Beratung, immer mit dem Ziel, sexuelle und reproduktive Gesundheit junger Menschen zu fördern, über das korrekte Nutzen von Verhütungsmethoden zu informieren und ungewollte Schwangerschaften sowie sexuell übertragbare Infektionen zu verringern.
Für das erste Jahr werden in das Projekt rund 500.000 Euro investiert. Nach der Pilotphase werden die Ergebnisse ausgewertet. Bei positiver Bewertung kann das Projekt verlängert oder dauerhaft in das Leistungsverzeichnis des Landes aufgenommen werden.
Grüne erfreut
Was die Grüne Fraktion im Südtiroler Landtag vor einem Jahr im Omnibus-Gesetz durchgesetzt hatte, setzt die Landesregierung nun mit einem Beschluss um. Die Grünen zeigen sich erfreut, dass ab 1. September 2026 junge Menschen in Südtirol zwischen 14 und 25 Jahren über die Familienberatungsstellen kostenlos Verhütungsmittel erhalten.
“Der Weg dorthin war nicht geradlinig. Im März 2025 hatte der Gesetzgebungsausschuss den grünen Änderungsantrag zur kostenlosen Verhütung zunächst abgelehnt. Wenige Monate später, im Juli 2025, brachte die Grüne Fraktion den Vorschlag erfolgreich in das Omnibus-Gesetz ein. Durch den Beschluss der Landesregierung erfolgt nun die konkrete Umsetzung”, erklären die Grünen.
Angebotene Verhütungsmittel sind Pille, Vaginalring, Pflaster, Implantat, Spirale sowie Kondome. Die Ausgabe der Verhütungsmittel ist nicht an eine ärztliche Verschreibung gekoppelt und erfolgt niederschwellig über die Familienberatungsstellen.
Da Verhütungsmittel zuverlässig vor sexuell übertragbaren Infektionen (STD) schützen, sei ihr kostenloser Zugang ein entscheidender Beitrag zur öffentlichen Gesundheit. Auch gehen in europäischen Ländern, die auf kostenlose Verhütungsmittel setzen, ungewollte Schwangerschaften zurück. “Gleichzeitig steigt die Geburtenrate, was zeigt, dass ein offener Umgang mit freier und informierter Verhütung sich nicht negativ darauf auswirkt, sondern sie im Gegenteil begünstigt”, so die Grünen.
Ein Erfolg für Gesundheit und Menschenwürde – Verhütung sei keine Frage des Geldes mehr, freut sich Brigitte Foppa, Landtagsabgeordnete der Grünen Fraktion. „Das ist ein echter Fortschritt für die reproduktive Selbstbestimmung junger Menschen in Südtirol. Wir sind froh, dass diese Forderung vom Frauenmarsch nun endlich Realität wird. Auch dank der produktiven Zusammenarbeit mit Landesrat Messner.”
„Wir haben diese Forderung nicht fallengelassen und uns nicht entmutigen lassen, auch als sie im Ausschuss abgelehnt wurde”, so die Grüne Fraktion. „Dass die Landesregierung sie jetzt umsetzt, zeigt: Hartnäckigkeit zahlt sich aus, und sexuelle Gesundheit gehört zur Grundversorgung!”



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