„Über Tourismus“ in Bruneck eröffnet

Ausstellung fragt nach dem richtigen Maß im Tourismus

Dienstag, 08. September 2026 | 11:41 Uhr

Von: Redaktion Südtirol News

Bruneck – Mit zahlreichen Gästen wurde am Montagabend in Bruneck die Ausstellung „Über Tourismus“ eröffnet. Bis zum 25. Oktober zeigt der Heimatpflegeverband Südtirol gemeinsam mit Partnerorganisationen die vom Architekturzentrum Wien konzipierte Ausstellung in der Alten Turnhalle und im NOBIS. Sie nimmt Tourismus als globales Phänomen in den Blick und fragt, wie ein Tourismus gestaltet werden kann, der bewahrt, wovon er lebt.

Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbandes Südtirol, griff in ihrer Eröffnungsrede das schmelzende Eis auf, das als Motiv die Ausstellung begleitet: Eine weitere Kugel bedeute irgendwann nicht mehr Genuss – das Eis laufe über den Rand. Ähnlich stelle sich beim Tourismus die Frage nach dem richtigen Maß. Tourismus schaffe Einkommen, Arbeitsplätze und Begegnung, zugleich gerieten Wohnraum, öffentliche Räume, Natur und Infrastruktur zunehmend unter Druck. „Ein Ort ist kein Produkt“, betonte Plaikner: Entscheidend sei nicht nur, wie viele Menschen ein Ort noch aufnehmen könne, sondern wie Tourismus so gestaltet werde, dass er auch morgen für Gäste und Einheimische lebenswert bleibe. Ihr Ziel brachte sie auf die Formel: „Werte schaffen, ohne Lebensqualität zu verbrauchen.“

Dass diese Frage längst auch innerhalb der Tourismuswirtschaft angekommen ist, machte Judith Rainer, Landesvizepräsidentin des HGV, deutlich. Die Grenzen des touristischen Wachstums würden auch innerhalb der Branche wahrgenommen und kritisch diskutiert. Rainer begrüßte ausdrücklich, dass Ausstellung und Rahmenprogramm unterschiedliche Positionen zusammenbringen: „Wir müssen miteinander über Tourismus reden, wenn wir dann vom Reden ins Handeln kommen wollen.“ Passend zu Plaikners Bild brachte sie die Dringlichkeit auf den Punkt: „Die Zeit drängt, das Eis schmilzt.“

Auch Hannes Kronbichler vom Tourismusverein Bruneck unterstrich die Bedeutung dieser Auseinandersetzung und verwies auf die Bemühungen von Tourismusverein und Gemeinde Bruneck, sich den Herausforderungen zu stellen und die touristische Entwicklung verantwortungsvoll mitzugestalten.

Vom Erfolgsmodell zu den Grenzen des Wachstums

Der Historiker Hans Heiss, auf dessen Initiative die Ausstellung nach Südtirol geholt wurde, erinnerte daran, dass der Tourismus Südtirol mehrfach aus wirtschaftlich schwierigen Situationen herausgeholfen habe: während der Agrarkrise Ende des 19. Jahrhunderts, in der Phase starker Abwanderung nach 1950 und schließlich in den 1970er-Jahren, als der touristische Aufschwung wesentlich zur Entstehung einer breiten Mittelschicht beitrug. Gerade vor diesem Hintergrund müsse heute aber auch die starke Wachstumsdynamik kritisch betrachtet werden. Die aktuellen Herausforderungen fasste Heiss unter drei Begriffen zusammen: Raum, Ressourcen und Risiken. Dabei müsse künftig auch über Reduktion, Rückbau und ein mögliches Schrumpfen nachgedacht werden. Südtirol brauche deshalb einen breiten gesellschaftlichen Dialog darüber, welche touristische Entwicklung dem Land langfristig guttut.

Katharina Ritter, Kuratorin am Architekturzentrum Wien, führte anschließend in die Ausstellung und ihre acht Themenfelder ein. Internationale Beispiele zeigen die vielfältigen Auswirkungen des Tourismus ebenso wie Alternativen und neue Lösungsansätze.

Nach einem gemeinsamen Rundgang durch die beiden Ausstellungsstandorte klang die Eröffnung im NOBIS bei einem Umtrunk mit Südtiroler Spezialitäten und Musik von Titlà aus.

Rahmenprogramm startet mit Harald Pechlaner

Bereits am Donnerstag, 10. September, um 18.00 Uhr im NOBIS startet das vielfältige Rahmenprogramm mit einem hochkarätig besetzten Abend. Der renommierte Tourismusforscher Harald Pechlaner eröffnet die siebenteilige Reihe „Über Tourismus reden“ mit dem Thema „Die Gesellschaft auf Reisen – eine Reise in die Gesellschaft“ und der Frage: „Ist der Tourismus noch zukunftsfähig?“

Pechlaner geht der Frage nach, welche gesellschaftlichen Entwicklungen den Tourismus antreiben, wo seine Grenzen liegen und welche Veränderungen notwendig sind, damit er zukunftsfähig bleibt. Im Anschluss besteht Gelegenheit zur Diskussion. Die Reihe wird vom Heimatpflegeverband Südtirol gemeinsam mit POLItiS organisiert.

Führungen und Angebote für Schulklassen

Für Mittel- und Oberschulklassen wird ein eigenes 90-minütiges Vermittlungsprogramm angeboten. Auch Gruppenführungen können auf Anfrage gebucht werden. Anfragen unter tourismus@hpv.bz.it.
Zusätzlich findet ab 16. September wöchentlich eine öffentliche Führung statt; der Kostenbeitrag beträgt 3 Euro pro Person; die Führung startet bei der Alten Turnhalle.

 

Ausstellung „Über Tourismus“

8. September – 25. Oktober 2026
Alte Turnhalle Bruneck & NOBIS
Eintritt frei

 

Bezirk: Pustertal

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