AFI zu Jugend und Arbeitswelt

Das Praktikum als Trumpf

Dienstag, 25. Mai 2021 | 11:56 Uhr

Bozen – An der Umfrage des Praktika- und Jobservices der Freien Universität Bozen bezogen auf das Jahr 2020 nahmen 435 Studierende teil. Die meisten von ihnen beurteilen Praktika in Unternehmen und Organisationen positiv. Dank der aktuellen Umfrage, der neunten seit 2013, bestätigen das AFI | Arbeitsförderungsinstitut und die Freie Universität Bozen (unibz) erneut die Qualität der Universitätspraktika, die als eine gute Gelegenheit angesehen werden, sich zu erproben, sich für zukünftige Entscheidungen zu orientieren und in die Arbeitswelt einzusteigen.

An der Freien Universität Bozen werden die Praktikumserfahrungen systematisch erfasst. Hauptthema dieser Umfrage, die seit 2013 jedes Jahr vom AFI | Arbeitsförderungsinstitut in Zusammenarbeit mit dem Praktika- und Jobservice der unibz durchgeführt wird, ist es zu verstehen, ob die Praktikantinnen und Praktikanten für den Praktikumsbetrieb nützliche Aufgaben übernommen haben und ob sie einen realen Beitrag leisten konnten. Die Umfrage von 2020 fördert den bislang höchsten Prozentsatz an Praktikantinnen und Praktikanten zu Tage, die sich selbst als „Ressource“ für das Unternehmen einschätzen: 92,2 Prozent. „Wir sind sehr zufrieden mit diesem Ergebnis, das zwar immer sehr positiv war, sich im Jahr 2020 aber noch weiter verbessert hat. Das freut uns besonders, weil es aufgrund des Covid-Notstandes kein einfaches Jahr war“, betont Iris Tappeiner, Leiterin des Praktika- und Jobservice der unibz. Ungeachtet der durch die Covid-Pandemie verursachten Schwierigkeiten haben jene, die in dieser Zeit ein Praktikum machen konnten, diese Erfahrung grundsätzlich noch positiver beurteilt als in den Vorjahren.

Selbstständig, doch unterstützt von unibz

Die Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Studierenden ihre Praktikumsplätze selbstständig durch aktive Unternehmensrecherche auswählt (41,0 Prozent), und dass 30,8 Prozent ihren Praktikumsplatz durch private Bekanntschaften gefunden haben. „Dennoch nimmt die Zahl der Studierenden, die sich bei der Suche nach einem Praktikumsplatz an die Freie Universität Bozen wenden, stetig zu“, erklärt AFI-Praktikantin Gaia Peressini. Diese Tendenz spiegelt sich auch darin wieder, dass die Anfrage der individuellen Beratungen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Praktika-und Jobservices von Jahr zu Jahr steigen.

Gelungene Praktika machen sich für die Anbieter bezahlt

Die Praktikantinnen und Praktikanten sind im Durchschnitt mit der Praktikumserfahrung sehr zufrieden (der Durchschnittswert liegt bei 6,3 auf einer Skala von 1 bis 7). Im Allgemeinen werden sie gut in das Unternehmen eingebunden und finden ein gutes Arbeitsklima vor, das meistens durch sehr hilfsbereite Arbeitskollegen und einen präsenten und aktiven Unternehmenstutor geprägt ist; zudem bestätigen sie, korrekt behandelt worden zu sein, und dass ihre Mitarbeit positiv aufgenommen wurde. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es eine wachsende Anzahl an Befragten, die ihr Praktikum uneingeschränkt weiterempfehlen würden (ca. 70 Prozent), weitere 27,1 Prozent würden es insgesamt weiterempfehlen.

Das Praktikum als ein Moment der Ausbildung und des persönlichen Wachstums

Die wichtigsten Erwartungen der Studierenden an das Praktikum sind vor allem die Möglichkeit, Kontakte für einen späteren Einstieg in die Arbeitswelt zu knüpfen (Mittelwert: 6,0 auf einer Skala von eins bis sieben), das im Studium erlernte Wissen in die Praxis umzusetzen (Mittelwert: 5,9) und die Arbeitserfahrung im Lebenslauf anzuführen (Mittelwert: 5,7). „Viele junge Menschen sehen das Praktikum als einen Moment des persönlichen Wachstums, währenddessen sie sich selbst auf die Probe stellen, ihre Sprachkenntnisse vertiefen, sich bei der Wahl ihres zukünftigen Studienweges orientieren, eine neue Stadt kennenlernen, menschliche Beziehungen aufbauen und sich wertgeschätzt fühlen können“, betont Peressini.

Das Praktikum als potentielle Möglichkeit zum Einstieg in den Arbeitsmarkt

Angebote für eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem Unternehmen nach Beendigung des Praktikums betreffen vor allem Projektarbeiten (12,9%) oder andere Angebote (24,1 Prozent), wie z. B. ein Lehrlingsvertrag zur höheren Berufsausbildung nach dem Studium, ein Berufspraktikum oder ein weiteres Praktikum. 8,7 Prozent haben hingegen über das Praktikum direkt eine feste Anstellung gefunden. „Wenn wir berücksichtigen, dass ein großer Teil der Studierenden, die das Praktikum absolvieren, sich mitten im Studium befindet und die Umfrage keine Absolventinnen- und Absolventenpraktika umfasst, die auf einen Einstieg in den Arbeitsmarkt abzielen, dann ist der Anteil der Praktikantinnen und Praktikanten, denen eine weitere Zusammenarbeit angeboten wurde, sehr positiv zu beurteilen“, sagt Tappeiner.

Der Mehrwert des Südtiroler Arbeitsmarktes: ein junges und multikulturelles Umfeld

Die Umfrage zeigt auch, dass die Praktikantinnen und Praktikanten die Attraktivität des Südtiroler Arbeitsmarktes für Hochschulabsolventen schätzen. Als positive Aspekte des Südtiroler Arbeitsmarktes wird hervorgehoben, dass es sich um ein Umfeld handelt, welches aus Unternehmen besteht, die in innovativen Sektoren tätig sind und talentierten jungen Menschen viele Chancen bieten. Viele Praktikantinnen und Praktikanten bezeugen, dass Südtirol eine mehrsprachige und multikulturelle Realität ist, die junge Menschen mit guten Sprachkenntnissen in Italienisch, Deutsch und Englisch willkommen heißt. Zu den aufgezählten positiven Aspekten gehört auch die gute Vernetzung von unibz, die sich vermehrt mit lokalen Unternehmen austauscht, um ihnen die notwendigen Berufsprofile bereitzustellen: dies ist ein Vorteil für einen zukünftigen Einstieg in den lokalen Arbeitsmarkt. Zu den Kritikpunkten, auf die Praktikantinnen und Praktikanten hinweisen, gehören die Löhne, die in keinem Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten stehen und niedriger sind als in den nordeuropäischen Ländern, sowie die Tatsache, dass es in Südtirol nur wenige international tätige Unternehmen gibt. Des Weiteren werden im Tourismus, der Landwirtschaft und im Sozialbereich bessere Arbeitsaussichten gesehen, zum Nachteil anderer Bereiche des Hightech-Sektors und der Forschung.

Wo soll sich der künftige Arbeitsplatz befinden?

Die meisten Praktikantinnen und Praktikanten beabsichtigen, sich in Südtirol zu bewerben (33,4 Prozent), 23,5 Prozent in anderen italienischen Regionen, 23,2 Prozent in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, und 19,9 Prozent in anderen Staaten.

Anforderungen der Studierenden mit Praktika-Erfahrung an die Universität

In den offenen Fragen konnten die Praktikantinnen und Praktikanten ihre Anforderungen an die unibz umfassend zum Ausdruck bringen, um für eine Praktikumserfahrung besser vorbereitet zu sein. 47,3 Prozent möchten, dass die Ausbildung dazu beiträgt, praktische Fähigkeiten zu entwickeln (z. B. Anwendung der Theorie in der Arbeitspraxis, Einsatz von Laborgeräten und die Projektarbeit), während 34,6 Prozent spezifische Fähigkeiten (z. B. Social-Media-Marketing und grundlegende Buchhaltungskenntnisse) ausbauen möchten. Vor allem die Studierenden der Fakultät für Design und Künste sowie der Fakultät für Informatik legen ihren Fokus darauf.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Das Praktikum als Trumpf"


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nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
18 Tage 54 Min

Tatsache ist, dass viele Praktikanten leider nichts anderes sind als billige Urlaubsvertretungen an der Kopiermaschine…

Faktenchecker
18 Tage 3 h

Bringt Einblick und schafft Ausblick!

ebbi
ebbi
Superredner
17 Tage 22 h

Praktikas sind eine tolle Sache, wenn man den Praktikanten auch wirklich die Möglichkeit gibt, den Betrieb und die Abläufe kennenzulernen. In der Realität sieht es aber leider häufig ganz anders aus. Praktikanten werden dazu benötigt, langweilige und mitunter stumpfsinnige Tätigkeiten auszuüben, die niemand tun möchte oder einfach immer liegen bleiben. Oder die Praktikanten machen nach kurzer Einarbeitung das selbe wie die Angestellten, werden dafür aber grottenschlecht bezahlt.

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