Kluft bleibt bestehen, doch der Abstand verringert sich

Die wahrgenommene Kluft zwischen Arm und Reich

Donnerstag, 23. Juli 2026 | 10:54 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Ergebnisse des aktuellen AFI-Barometers unterstreichen einmal mehr: In Südtirol wird die Kluft zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft als groß empfunden – die erhobenen Werte ähneln dabei jenen der Vorjahre Dazu AFI-Direktor Stefan Perini: „Als Hauptursache für die Ungleichheit nennen die Befragten primär das Fehlen einer angemessenen Lohnpolitik – ein oft diskutiertes und noch immer ungelöstes Problem – sowie eine verfehlte gesamtstaatliche und lokale Wirtschaftspolitik“.

Das Stimmungsbild des AFI-Barometers – Ausgabe Sommer 2026 – wurde vom Institut bereits letzte Woche auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Die Fragen des Themenblocks wurden hingegen erst in diesen Tagen ausgewertet. Diese zielen auf die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Ungleichheiten in Südtirol ab, aber auch deren mögliche Ursachen und die Mittel zur Beseitigung aus arbeits- und wirtschaftspolitischer Sicht.

Zur korrekten Einordnung: Um das Thema Verteilungsgerechtigkeit aus allen Blickwinkeln zu beleuchten, sind sowohl Umfrage – als auch Verwaltungsdaten hilfreich. Umfragen spiegeln die Wahrnehmung von bestimmten Personengruppen wider – im Fall des AFI-Barometers sind es die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – und zeigen auf, wie diese über einen bestimmten Sachverhalt denken. Verwaltungsdaten sind wiederum hilfreich, um persönliche Einschätzungen an einem objektiven Maßstab zu messen.

Nur 21 Prozent der Befragten halten die Unterschiede für unerheblich

Knapp acht von zehn Arbeitnehmern schätzen die Kluft zwischen „arm“ und „reich“ in Südtirol als „groß“ (64 Prozent) bzw. „sehr groß“ (15 Prozent) ein, nur rund zwei von zehn Befragten betrachten den Unterschied als unerheblich. „Diese Zahlen sprechen für eine stark wahrgenommene Ungleichverteilung, werden allerdings durch den Umstand relativiert, dass in Vergangenheit die wahrgenommene Schere noch stärker auseinanderging“, betont Perini.

Fehlgeleitete Lohn- und Wirtschaftspolitik als Hauptursachen

Als Hauptursache für die große Kluft zwischen „arm“ und „reich“ in der Gesellschaft nennen die Südtiroler Arbeitnehmer eindeutig die ineffektive Lohnpolitik (31 Prozent), gefolgt von der „lokalen und nationalen Wirtschaftspolitik“ (27 Prozent). An erster und zweiter Stelle finden wir also Faktoren, die von den Betroffenen nicht direkt beeinflusst werden können. Erst an dritter Stelle wird mit „Einige arbeiten härter als andere“ (19 Prozent) ein Aspekt genannt, der mit dem persönlichen Engagement zusammenhängt. Es folgen „die Globalisierung“ (neun Prozent) und „das Bildungssystem“ (acht Prozent). AFI-Direktor Stefan Perini kommentiert: „Betrachtet man die Befragungsergebnisse im Zeitverlauf, so fällt auf, dass zunehmend die Lohnpolitik als Hauptgrund genannt wird, ein Faktor, der tatsächlich auf lokaler Ebene korrigiert werden könnte.“ Das Schlusslicht in den Ursachen bildet aktuell „das Steuersystem“ (sechs Prozent). Hier ist anzumerken, dass diesem Aspekt vor zehn Jahren eine sehr viel größere Wertigkeit eingeräumt wurde (29 Prozent) und dass diese schrittweise gesunken ist.

Wichtig für den beruflichen Erfolg: harte Arbeit, eine gute Ausbildung und „Vitamin B“

Engagement und Fleiß (Durchschnittsbewertung 7,62 auf einer Skala von null – unwichtig bis zehn – sehr wichtig) sind zweifelsfrei notwendige Elemente, um die soziale Leiter emporzuklettern, aber nach Ansicht der Befragten reichen diese allein noch nicht aus. Weitere relevante Aspekte sind „eine gute Ausbildung [zu] haben“ (7,40) und „die richtigen Leute [zu] kennen“ (6,96). Diese drei Faktoren bilden nach Ansicht der Südtiroler Arbeitnehmer:innen die solide Grundlage für beruflichen Erfolg. Die Zugehörigkeit zu einer „wohlhabenden Familie“ (6,61) sowie „das Glück auf der eigenen Seite [zu] haben“ (6,49) werden ebenfalls als gute Voraussetzung angesehen – sie sind allerdings nachrangig.

Bezirk: Bozen

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