Der Iran-Krieg befeuert die Inflation in Europa

EZB erhöht erstmals seit 2023 die Zinsen

Donnerstag, 11. Juni 2026 | 15:20 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht ihren Leitzins wegen der stark gestiegenen Inflation erstmals seit fast drei Jahren. Sie hob den Einlagensatz am Donnerstag wie erwartet von 2,0 auf 2,25 Prozent an. Über ihn steuert der EZB-Rat seine Geldpolitik. Auch die Zinsen für Sparer orientieren sich daran. Befeuert vom Iran-Krieg stiegen die Ölpreise stark an. Die Teuerung schoss in der Eurozone mit zuletzt 3,2 Prozent über das Ziel der EZB von 2,0 Prozent hinaus.

Der Krieg drohe die Inflation im Euroraum weiter anzufachen, während er die Wirtschaft schwäche, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Zuletzt hatte die Notenbank den Zins, den Geschäftsbanken für bei der EZB geparkte Gelder bekommen, siebenmal in Folge bei 2,0 Prozent belassen. Die letzte Zinserhöhung im Euroraum gab es im September 2023.

Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Sparer profitieren, wenn Banken steigende Leitzinsen weiterreichen. Zugleich sind Zinserhöhungen eine Bürde für die ohnehin schwache Konjunktur. Die EZB steckt in der Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen zu stark an, läuft sie Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen. Wichtigstes Ziel der Euro-Währungshüter ist es, die Inflation im Zaum zu halten.

EZB erhöht Inflationsprognose für heuer von 2,6 auf 3,0 Prozent

Doch auf der Preisfront dürfte sich die Lage weiter eintrüben: Die EZB erwartet, dass die Inflation mit dem Iran-Krieg höher ausfällt als bisher angenommen. Sie rechnet im Jahresschnitt mit einer deutlich erhöhten Teuerung von im Schnitt 3,0 Prozent, während die Wirtschaft im Euroraum kaum noch um 0,8 Prozent wachsen dürfte. Selbst 2027 erwartet die EZB nun mit 2,3 Prozent eine Inflationsrate über ihrer Zielmarke. Im März ging die EZB für 2026 noch von 2,6 Prozent und für 2027 von 2,0 Prozent aus. Die 2,0 Prozent werden nun erst für 2028 erwartet.

Ökonomen fürchten, dass sich mit dem Krieg im Nahen Osten nicht nur Tanken und Heizen verteuern, sondern die Preise insgesamt anziehen, da Firmen gestiegene Energie- und Transportkosten an Kunden weitergeben.

Weitere Zinserhöhung wird für September erwartet

Experten hatten mit der geldpolitischen Straffung gerechnet. “Da die Inflation im Euroraum drei Prozent überschritten hat und wenig Aussicht auf Entspannung im Iran-Konflikt besteht, ist eine Zinserhöhung jetzt der richtige Schritt”, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen rechnen für September mit einer weiteren Zinsanhebung.

Iran-Krieg befeuert Inflation

Nach Beginn der Angriffe der USA und von Israel auf den Iran am 28. Februar sind die Energiepreise stark gestiegen. Die Zentralbank will verhindern, dass es wieder zu einem Inflationsschub kommt wie 2022, als Russlands Invasion in der Ukraine die Teuerungsrate auf zeitweilig über zehn Prozent steigen ließ. Die EZB stand damals in der Kritik – auch weil sie die Teuerungswelle zu lange unterschätzt hatte. Lagarde und andere Vertreter der Zentralbank hatten in jüngster Zeit klargemacht, dass die Zentralbank dieses Mal wachsamer sein werde. Dabei geht es auch um ihre Glaubwürdigkeit und ihr Mandat, für stabile Preise zu sorgen.

Die Inflationserwartungen der Verbraucher in den Euro-Ländern sind wegen der gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs weiter hoch. In den kommenden drei Jahren erwarten sie eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,9 Prozent.

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