Von: importer
Faltbare Smartphones haben trotz jahrelanger Marktpräsenz ein hartnäckiges Problem: Sie entfalten ihr volles Potenzial nur selten – die meisten Nutzer verwenden sie schätzungsweise achtzig bis neunzig Prozent der Zeit im geschlossenen Zustand. Samsungs bisherige Modelle der Fold-Reihe wirkten im Alltag in manchen Situationen wie schmale Fernbedienungen, auf deren Außendisplay das Tippen zur Qual wurde. Mit dem Galaxy Z Fold 8 vollzieht der Hersteller nun eine radikale Abkehr.
Es ist kurz, breit und flach geworden. Geschlossen erinnert der Gehäusekörper im 16:10-Seitenverhältnis an einen edlen Reisepass oder ein handliches Notizbuch. Das äußere Display misst nur noch 5,5 Zoll (rund 14 Zentimeter) in der Diagonale, doch durch die gewonnene Breite liegt das Gerät phänomenal in der Hand. Einhändiges Tippen auf der Bildschirmtastatur klappt im Vergleich zu den Vorgängern auf Anhieb flüssig und ohne Krampf.
Wie schlank sollte ein Smartphone sein?
Ganz anders präsentiert sich das neue Premium-Geschwistermodell, das Galaxy Z Fold 8 Ultra. Hier hält Samsung eisern am bekannten, länglichen Konzept fest. Es bietet ein großes 6,5-Zoll-Außendisplay und klappt zu einem gigantischen, fast quadratischen 8-Zoll-Innenbildschirm auf. Wer das Ultra in die Hand nimmt, spürt sofort den Unterschied: Es ist ein massiver Multitasking-Bolide, der zwar mehr reine Arbeitsfläche bietet, aber geschlossen in fast jeder Hosentasche deutlich zu spüren ist.
Trotz der extrem geringen Dicke von nur 4,1 Millimetern im geöffneten Zustand beim Ultra und 4,5 Millimetern beim normalen Fold 8 macht das kompakte Fold 8 im Alltag das Rennen um die beste Ergonomie. Es ist mit 201 Gramm spürbar leichter als das 214 Gramm schwere Ultra und lässt sich problemlos in der Gesäßtasche der Jeans verstauen.
Die technologische Zähmung der Knickfalte
Das größte visuelle und haptische Ärgernis bisheriger Faltgenerationen war stets die tiefe Furche in der Mitte des flexiblen Displays. Hier ist Samsung im Modelljahr 2026 ein weiterer Fortschritt gelungen. Unter dem Namen “Titanium Flexible Display” kommt eine Kombination aus einer hauchdünnen Titanlegierung-Folie und einer direkt in das Display integrierten Titanplatte zum Einsatz. Diese Konstruktion ist laut Herstellerangaben zwanzigmal steifer als herkömmliche Polymer-Folien und soll den Faltbereich effektiv abstützen.
Im Alltagstest bewährt sich diese Neuerung: Die Knickfalte ist beim Fold 8 visuell und haptisch fast vollständig verschwunden. Streicht man mit dem Finger über den Bildschirm, ist die Delle kaum noch wahrnehmbar. Dieser Effekt wird durch eine hervorragende neue Antireflexionsbeschichtung verstärkt, die störende Spiegelungen minimiert. Seltsamerweise schlägt dieser glättende Effekt beim größeren Fold 8 Ultra nicht im gleichen Maße durch; dort bleibt der Knick deutlicher spür- und sichtbar.
Das paradoxe Breitbild-Erlebnis
Beim Medienkonsum zeigt sich ein verblüffendes Paradoxon: Obwohl das Fold 8 Ultra das weitaus größere Innendisplay besitzt, stellt das kompakte Fold 8 klassische Breitbild-Videos im 16:9-Format fast genauso groß dar.
Der Grund liegt im Seitenverhältnis. Das Fold 8 entfaltet sich zu einem perfekten 4:3-Bildschirm mit 7,6 Zoll, das an die Proportionen eines iPad Mini von Apple erinnert. Beim Abspielen von Kinofilm-Trailern oder YouTube-Videos fallen die ungenutzten schwarzen Balken oben und unten extrem schmal aus. Beim quadratischen Riesen-Display des Ultra hingegen bleibt fast die Hälfte der wertvollen Bildschirmfläche ungenutzt schwarz.
Damit erweist sich das vermeintlich kleinere Fold 8 als das eigentlich überlegene Gerät für Streaming, E-Books und das Betrachten digitaler Magazine. Das Ultra kann nur mit einem satteren Sound dagegenhalten.
Überraschung beim Akkutest
Unter der Haube verbaut Samsung in beiden Modellen den Hochleistungschip Snapdragon 8 Elite Gen 5 in Kombination mit 12 Gigabyte Arbeitsspeicher. Mit der One UI Benutzeroberfläche fliegen beide Geräte nur so durch alle Anwendungen. Multitasking mit zwei parallel geöffneten Apps läuft absolut butterweich.
Eine Überraschung liefert der neue Silizium-Kohlenstoff-Akku: Obwohl das normale Fold 8 mit 4.800 Milliamperestunden einen kleineren Akku besitzt als das Ultra-Modell mit 5.000 Milliamperestunden, hält es im realen Betrieb deutlich länger durch. Im Ausdauertest erreichte das Fold 8 eine fabelhafte Laufzeit von elf Stunden und dreiundfünfzig Minuten – fast eine Stunde mehr als das Ultra, das unter dem enormen Energiehunger seines riesigen Bildschirms leidet.
Das Kamera-Kuriosum: Wenn weniger mehr ist
Ein Blick auf das Kameradatenblatt sorgt zunächst für Enttäuschung beim Fold 8: Samsung verbaut auf der Rückseite lediglich ein Dual-Kamera-Set-up, bestehend aus einer 50-Megapixel-Hauptkamera und einer 50-Megapixel-Ultraweitwinkellinse. Ein optischer Tele-Zoom fehlt komplett. Das Ultra-Modell hingegen protzt mit einer 200-Megapixel-Hauptkamera und einer zusätzlichen 10-Megapixel-Dreifach-Telelinse.
Im Praxistest zeigt sich ein verblüffendes Ergebnis: Bei mittleren Zoomstufen bis zu einer vierfachen Vergrößerung liefert das günstigere Fold 8 dank moderner Software-Algorithmen und Sensor-Cropping der Hauptkamera schärfere und detailreichere Aufnahmen als das dedizierte Teleobjektiv des Ultra. Der Grund dafür dürfte sein, dass Samsung beim Ultra-Modell seit Jahren denselben 10-Megapixel-Sensor für den Dreifach-Zoom verwendet, der inzwischen als technisch überholt gilt.
Erst bei extremen Vergrößerungen ab einer zehnfachen Zoomstufe kann sich das Ultra durch seine physische Brennweite absetzen. Bei normalen Tageslicht-Aufnahmen bewegen sich beide Hauptkameras auf einem exzellenten Flaggschiff-Niveau.
Scharfe Kanten und saftige Preise
Wo viel Licht ist, zeigt der Alltagstest auch Schattenseiten. Das kantige Design beider Folds wirkt zwar optisch hochmodern, führt im täglichen Gebrauch ohne Schutzhülle jedoch dazu, dass die Ecken unangenehm in die Handflächen drücken. Ein Rückschritt für Fans des Flex-Modes ist zudem das neue, stramme Titanium-Scharnier des Fold 8. Dieses ist so stark gefedert, dass ein stufenloses Aufstellen in Winkeln über 90 Grad fast unmöglich geworden ist – das Display klappt dann meist sofort vollständig auf.
Auch die IP48-Zertifizierung enttäuscht in dieser Preisliga leicht, da die Konkurrenz bereits vollkommen staub- und wasserdichte Gehäuse nach IP68 oder IP69 anbietet, etwa das Vivo X Fold 3 Pro oder das Oppo Find N5.
Und dann sind da noch die saftigen Preise: Das Galaxy Z Fold 8 startet bei stolzen 1.999 Euro für die 256-Gigabyte-Version und reicht bis zu 2.599 Euro für das Modell mit einem Terabyte Speicher. Das Fold 8 Ultra reißt mit Preisen von bis zu 2.799 Euro noch größere Löcher in die Geldbörse.
Fazit: Klein schlägt groß
Das kompakte Samsung Galaxy Z Fold 8 ist das spannendste und konsequenteste Falthandy seit Jahren. Durch die Abkehr vom schlanken Fernbedienungs-Format und den intelligenten Einsatz von Titan zur Glättung der Displayfalte hat Samsung das Konzept des faltbaren Telefons neu definiert.
Es ist handlich, ausdauernd und bietet im Alltag einen echten Mehrwert, ohne den Nutzer mit Ballast zu belasten. Für wen Geld keine Rolle spielt und wer sein Smartphone vor allem als digitales Arbeitspferd nutzt, für den ist das Fold 8 Ultra eine praktische und teure Alternative.







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