Von: Redaktion Südtirol News
Bozen – Strategische Planungsdokumente sind ein zentrales Steuerungsinstrument der öffentlichen Verwaltung. Auf Anregung der Landesverwaltung hat das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien 24 Planungsdokumente der Landesverwaltung im Kontext der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen analysiert. Beim heutigen Webinar wurden die Kernergebnisse der Studie und praktische Hinweise für die Erstellung strategischer Planungsdokumente diskutiert.
„Nachhaltige Entwicklung kann nur dann gelingen, wenn ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele gemeinsam gedacht werden. Die strategische Planung schafft dabei die Grundlage, um ökologische Verantwortung, sozialen Zusammenhalt und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit miteinander zu verbinden sowie Südtirol als lebenswerten und wettbewerbsfähigen Standort zu sichern“, sind sich Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen und Alexander Steiner, Generaldirektor der Provinz Bozen, einig.
Zunächst präsentierte Urban Perkmann, einer der Autoren der WIFO-Studie, die wichtigsten Ergebnisse der Studie: Die 24 untersuchten Planungsdokumente der Südtiroler Landesverwaltung – darunter der Klimaplan 2040, die Waldagenda 2030 oder der Gleichstellungsaktionsplan Südtirol 2023-2028 – sind thematisch breit aufgestellt und beinhalten insgesamt 483 Ziele und 1.575 Maßnahmen. Die Ziele decken die drei Nachhaltigkeitsdimensionen Soziales, Wirtschaft und Umwelt insgesamt ausgewogen ab. Allerdings erfüllen nur 48 Prozent der Ziele gleichzeitig die drei SMART-Kriterien Spezifität, Messbarkeit und zeitliche Bestimmtheit und sind somit klar formuliert, überprüfbar und zeitlich eingeordnet. Was die Maßnahmen betrifft, so lässt sich etwa die Hälfte eindeutig einem bestimmten Ziel zuordnen, während die andere Hälfte ohne Zielbezug in den Dokumenten aufscheint. Positiv hervorzuheben ist, dass Synergien zwischen den verschiedenen strategischen Zielen deutlich überwiegen, während Zielkonflikte nur selten auftreten.
Harald Vacik, Professor an der Universität für Bodenkultur Wien und wissenschaftlicher Berater der Studie, hielt den Vortrag „Erfahrungen zur Erarbeitung von Handlungsoptionen zur Umsetzung der SDGs in Österreich“ und gab dabei Einblicke in die Arbeit der Uninetz-Initiative in Österreich. Dabei zeigte er auf, wie 19 Partnerinstitutionen über drei Jahre hinweg gemeinsam Ansätze entwickelt haben, um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) in Österreich voranzubringen.
Was braucht es nun, damit strategische Planung in der öffentlichen Verwaltung gut gelingen kann? Antworten auf diese Frage lieferten sowohl die Ergebnisse der Studie als auch die anschließende Diskussionsrunde mit Klaus Egger, Sonderbeauftragter für Nachhaltigkeit der Provinz Bozen, Josef Berhart vom Institut für Public Management der Eurac Research und Christian Dobler von der Abteilung Landesentwicklung Tirol.
Demzufolge benötigt die strategische Planung einen übergeordneten Bezugsrahmen, und die Planungsdokumente müssen in der Verwaltungspraxis auch tatsächlich angewendet werden. Die Qualität der Planung kann weiterentwickelt werden, indem künftig einheitlichere Dokumente eingeführt, klarere und messbare Ziele formuliert und die Maßnahmen konsequenter an den Zielen ausgerichtet werden. Werden die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Politikfeldern von Anfang an mitgedacht, können Synergien und Zielkonflikte frühzeitig erkannt und die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele wirksamer gestaltet werden. Nachhaltige Entwicklung gelingt insbesondere dann, wenn ökologische, soziale und wirtschaftliche Zielsetzungen in der strategischen Planung gemeinsam betrachtet und aufeinander abgestimmt werden.
Die WIFO-Studie „Planungsdokumente der Südtiroler Landesverwaltung im Rahmen der Sustainable Development Goals: Ziele, Maßnahmen und ihre Wirkungszusammenhänge“ steht auf der Webseite www.wifo.bz.it/studien zum Download bereit und liegt als gedruckte Publikation in der Handelskammer Bozen auf.




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