Von: Redaktion Südtirol News
Bozen – Mehr Öffnungszeiten bedeuten nicht automatisch mehr Umsatz. Und die große Mehrheit der Konsumenten will am Sonntag gar nicht einkaufen. Das bestätigt laut dem hds eine aktuelle Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes-Kepler-Universität Linz.
Für den Wirtschaftsverband hds sind die Ergebnisse ein klares Signal für die Diskussion um die künftige Regelung der Geschäftsöffnungszeiten in Südtirol. „Die Menschen wollen nicht rund um die Uhr einkaufen. Sie wollen attraktive Geschäfte, persönliche Beratung und lebendige Ortszentren. Genau darauf müssen wir setzen, statt einen kostspieligen Wettbewerb um immer längere Öffnungszeiten anzufachen“, betont hds-Präsident Philipp Moser.
Die in diesen Tagen veröffentlichte österreichische Studie zeige ein eindeutiges Bild: “62 Prozent der Befragten lehnen eine weitere Liberalisierung der Sonntagsöffnung ab. Die aktuelle Untersuchung ergänzt damit die Ergebnisse des Südtiroler AFI-Barometers vom Juli 2026, wonach 61 Prozent der befragten Arbeitnehmer gegen Sonntagsöffnungen sind. Auch von Montag bis Samstag besteht kaum Handlungsbedarf: Lediglich 16 Prozent wünschen sich unter der Woche längere Öffnungszeiten im Nicht-Lebensmittelhandel, am Samstag sind es 21 Prozent.”
Besonders aufschlussreich sei eine weitere Erkenntnis der Handelsforscher: “Zusätzliche Öffnungstage schaffen nicht zwangsläufig zusätzlichen Konsum. Vielmehr könnten sich Umsätze lediglich auf andere Tage oder größere Handelsstandorte verlagern – möglicherweise zulasten kleinerer Geschäfte und Ortszentren.” „Das ist gerade für Südtirol mit seiner kleinstrukturierten Handelslandschaft entscheidend. Wenn Geschäfte immer länger offenhalten müssen, steigen Personal- und Betriebskosten, ohne dass deshalb mehr Geld ausgegeben wird“, unterstreicht Moser.
Der hds spricht sich deshalb weiterhin für eine klare gesetzliche Regelung der Öffnungszeiten im Handel aus, unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse touristischer Gebiete in Südtirol. „Insbesondere Sonn- und Feiertage sind nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine gesellschaftliche Frage. Unsere Unternehmerfamilien und ihre Mitarbeiter brauchen verlässliche Ruhezeiten und gemeinsame freie Tage. Gleichzeitig müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit der Nahversorger und des lokalen Handels stärken“, so Moser.
Eigene Südtiroler Regelung vorantreiben
Vor diesem Hintergrund fordert der hds, die Voraussetzungen für eine eigenständige Südtiroler Regelung der Geschäftsöffnungszeiten zu schaffen. Entscheidend sei nun, die dafür notwendigen politischen Schritte und insbesondere die entsprechende Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut auf staatlicher Ebene konsequent voranzutreiben.
„Wir brauchen eine auf Südtirol zugeschnittene Lösung, die unseren besonderen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten Rechnung trägt. Ziel sind klare, ausgewogene und verlässliche Regeln, die den heimischen Handel stärken und zugleich den Bedürfnissen der Bevölkerung, der Beschäftigten und des Tourismus gerecht werden“, fordert Moser. „Südtirol braucht nicht mehr Verkaufsstunden, sondern mehr Handelsqualität. Attraktive Ortszentren, gute Erreichbarkeit, innovative Betriebe und persönliche Dienstleistungen sind die Zukunft unseres Handels – nicht die permanente Ausdehnung der Öffnungszeiten“, schließt hds-Präsident Philipp Moser.




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