China hat seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich weiniger Öl importiert

IEA-Ökonom: Ölpreise überraschend resilient gegen Irankrieg

Dienstag, 08. September 2026 | 14:21 Uhr

Von: importer

Die Ölpreise nähern sich aktuell wieder der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar. Dennoch seien vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran Ende Februar angesichts der Dauer der Krise höhere Ölpreise erwartbar gewesen. Ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren habe dazu geführt, dass die Ölpreise in den vergangenen Monaten nicht noch weiter gestiegen sind, sagte der Chef-Energieökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), Tim Gould, am Montag.

“Wenn uns jemand gesagt hätte, dass es eine sechsmonatige Krise geben würde, die die Straße von Hormuz weitgehend blockieren würde, und dass der Ölpreis nach sechs Monaten im 90-Dollar-Bereich liegen würde, wären wir skeptisch gewesen”, so der IEA-Ökonom im Rahmen der jährlichen Botschafterkonferenz in Wien. Einer der Hauptgründe sei gewesen, dass man mit einem erheblichen Überangebot an Öl in diese Krise gegangen sei. Die Lagerbestände seien daher sehr hoch gewesen. Jene Lagerbestände seien abgebaut worden, “auch dank der historischen Vereinbarung der IEA-Mitgliedsländer, 400 Millionen Barrel Öl auf den Markt zu bringen”, so Gould. Im März verkündete die IEA mit Sitz in Paris die bis dato größte koordinierte Freigabe von Ölreserven seit der Gründung der Agentur.

Deutlich niedrigere Importe Chinas

Weiters hätten die Alternativrouten “auf dem oberen Niveau unserer Erwartungen” funktioniert. Man hätte die angekündigten Kapazitäten gekannt, aber noch nie Durchflussmengen in dieser Größenordnung gesehen. “Es war nicht ganz klar, wie gut sie funktionieren würden”, sagte Gould. Die Alternativrouten, die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien sowie die Pipeline nach Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten, hätten sich äußerst gut bewährt. Ein weiterer Grund dafür, dass die Preisbewegungen relativ moderat ausgefallen seien, sei ein erhöhtes Angebot von mehreren exportierenden Staaten gewesen.

Der mit Abstand wichtigste Aspekt der Reaktionen auf diese Krise sei jedoch auf der Nachfrageseite gelegen, konkret bei China. Die chinesischen Rohölimporte seien dramatisch zurückgegangen, was eine global stark niedrigere Nachfrage bedeutete. Das sei durchaus überraschend gewesen. “Ich bin auf niemanden gestoßen, der damit gerechnet hätte, dass China seine Rohölimporte um fünf Mio. Barrel pro Tag drosseln könnte”, so Gould. Das liege einerseits daran, dass sie auf ihre Lagerbestände zurückgreifen, andererseits aber auch daran, “dass sie auf der inländischen Nachfrageseite eine unglaubliche Flexibilität an den Tag gelegt haben”. Außerdem habe sich China mit Investitionen in die Elektrifizierung gewisse Optionen hinsichtlich des Energieverbrauchs gesichert. Darin liege eine wichtige strategische Lehre für Europa.

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