Von: Matthias Knapp
Bozen – Die Hitze und Trockenheit in diesem Sommer haben insbesondere in der Berglandwirtschaft zu Ernteeinbußen geführt. Aber auch im Obst- und Gemüsebau war das Wasser zeitweise knapp. Da solche Sommer künftig häufiger vorkommen werden, fordert der Südtiroler Bauernbund ein kluges Wassermanagement und einen raschen Ausbau der Speicherkapazitäten.
Südtirol ist nach wie vor ein wasserreiches Land. Allerdings ist das Wasser im Jahresverlauf unregelmäßig verteilt. Während es bei Starkniederschlägen – und diese werden künftig häufiger auftreten – größtenteils ungenutzt abfließt, fehlt das kostbare Nass in Hitze- und Trockenperioden. „Durch die klimatischen Veränderungen ändert sich auch in der Landwirtschaft der Wasserbedarf. Daher brauchen wir rasch ein besseres Wassermanagement“, unterstreicht Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser.
Ein zentraler Hebel ist dabei die strategische Wasserspeicherung. „Wir müssen sowohl bestehende Anlagen modernisieren und erweitern als auch rasch neue Speicherbecken bauen, um die Wasserversorgung der Landwirtschaft künftig zu sichern und damit auch die Lebensmittelproduktion“, so Gasser.
Ausdrücklich begrüßt der Südtiroler Bauernbund die Umsetzung eines Landesplans für ein strategisches Wassermanagement, wie ihn die Landesregierung vorgesehen hat. Eine Arbeitsgruppe, an der unter anderem auch der Südtiroler Bauernbund mitarbeitet, erhebt derzeit die Ist-Situation, analysiert den Bedarf und entwickelt Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung in der Landwirtschaft.
Raschere Genehmigungen notwendig
Um die Bewässerung optimal an die klimatischen Veränderungen anzupassen, braucht es geeignete Rahmenbedingungen. „Die Genehmigungsverfahren sind aufwendig und langwierig, und die involvierten Behörden sind oft unterschiedlicher Meinung. Hier braucht es eine Grundsatzentscheidung“, fordert Gasser.
Auch die Eintragung in den Bauleitplan und die Genehmigung des Projekts sollten in einer einzigen Prozedur erfolgen und nicht in mehreren getrennten Verfahren. Für kleinere Eingriffe sollte eine einfache Mitteilung ausreichen.
Ebenso wichtig ist es, rechtliche Hürden für die Mehrzwecknutzung von Strukturen zu beseitigen: So muss beispielsweise bei Bedarf Wasser aus hydroelektrischen Anlagen für die Bewässerung genutzt werden können.
Kosten und Mehrfachnutzen berücksichtigen
Bleibt die Frage der Kosten: Da diese bei neuen Anlagen und Speicherbecken sehr hoch sind und von der Landwirtschaft allein kaum getragen werden können, muss bei der öffentlichen Unterstützung nachgebessert werden. Denn Wassermanagement ist nicht nur eine landwirtschaftliche Herausforderung, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Wir müssen Synergien im Wassermanagement nutzen“, betont Gasser.
Denkbar sei beispielsweise eine Kombination von Bewässerung und Stromerzeugung oder die Nutzung von Wasser aus Speicherbecken für den Zivilschutz – wie etwa beim Waldbrand im vergangenen Jahr oberhalb von Latsch. Auch für die Trinkwasserversorgung könnten Speicherbecken in bestimmten Fällen genutzt werden, wie das Beispiel am Ritten zeigt.
Auch Speicher für die Schneeerzeugung in Skigebieten könnten zusätzlich für die Bewässerung und gegebenenfalls zur Stromproduktion genutzt werden, wie etwa im Skigebiet Watles.
Effiziente Bewässerung gewinnt an Bedeutung
Neben der Sicherung der Wasserverfügbarkeit ist eine effiziente Bewässerung ein weiterer Schwerpunkt des Südtiroler Bauernbundes. Im Obstbau wird ein Großteil der Flächen mit Tropfbewässerung bewässert. Zudem investieren die Bäuerinnen und Bauern in effiziente digitale Bewässerungstechniken, etwa mithilfe von Tensiometern.
Im Rahmen des Projekts „Wasserpilot“ befasst sich der Südtiroler Bauernbund auch mit einem effizienten Einsatz von Wasser im Grünland. Nicht zuletzt werden Weiterbildungen angeboten, um die Landwirtinnen und Landwirte bei einem möglichst effizienten Umgang mit der Ressource Wasser zu unterstützen.
All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Bewässerung an die klimatischen Veränderungen anzupassen, die Wassernutzung zu optimieren und die Wasserverfügbarkeit für die Landwirtschaft langfristig zu sichern.




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