Von: mk
Terlan – Wo die verbandspolitischen Herausforderungen in der Landwirtschaft liegen, wurde auf der traditionellen Klausurtagung des Südtiroler Bauernbund heute in Terlan diskutiert. Für das heurige und die nächsten Jahre hat sich der Südtiroler Bauernbund verschiedene Schwerpunkte vorgenommen.
Eine Entscheidung wird die Landwirtschaft in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflussen: die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). „In Brüssel wird derzeit die Agrarpolitik für 2028 bis 2034 verhandelt und dabei sowohl die Geldmittel als auch deren Verteilung bestimmt. Mit den ersten Vorschlägen waren wir überhaupt nicht einverstanden. Und auch der vorgeschlagene Einheitsfonds überzeugt uns nicht“, unterstrich Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser auf der Klausurtagung des SBB in Terlan, zu der rund 180 Vertreterinnen und Vertreter aus den Bezirks- und Ortsbauernräten gekommen sind. „Wir sind zuversichtlich, dass die Geldmittel für die europäischen Landwirtschaftsbetriebe aufgestockt und die Berggebiete besonders berücksichtigt werden. Die letzten Signale aus Brüssel stimmen uns vorsichtig optimistisch.“
Erfreut zeigte sich Gasser, dass für die Waldbewirtschaftung, die Instandhaltung der Waldwege – sie sind durch den Abtransport des Borkenkäferholzes teilweise in Mitleidenschaft gezogen worden – und für die Alpung bzw. die Tiergesundheit mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. „Gerade in Zeiten, wo die traditionelle Almwirtschaft durch das Großraubwild unter Druck steht, ist eine Unterstützung wichtig.“ Noch wichtiger wäre aber ein Großraubtiermanagement, das diesen Namen auch verdient. „Mit ein oder zwei Abschüssen, wie in Aussicht gestellt, werden wir uns sicherlich nicht zufriedengeben“, kündigte Gasser an. Zusammen mit Senator Meinhard Durnwalder werde in Rom weiter Druck gemacht. Das Großraubwild war auch in der Diskussion der Funktionäre mit den politischen Verantwortlichen eines der größten Anliegen. Zudem wurde die immer größere Bürokratie kritisiert, die auch durch die Digitalisierung nicht abgenommen hat.
Im Obstbau bereitet der Pflanzenschutz den Bäuerinnen und Bauern Kopfzerbrechen. „Durch Klimawandel und Welthandel kommen immer neue Schädlinge und Krankheiten auch nach Südtirol, viele von ihnen sind invasive Arten. Um die Ernte und damit das Einkommen abzusichern und die europäische Selbstversorgung auszubauen, brauchen wir effiziente Pflanzenschutzmittel“, so Gasser.
Ein großes Potential sieht der SBB in der Direktvermarktung. Sie wird 2026 und in den Folgejahren weiter ausgebaut. „Unsere Direktvermarkter-Offensive mit der Direktvermarkter-Akademie und dem Berater-Pool trägt bereits Früchte. Die Zahl der Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter und die Anzahl der bäuerlichen Produkte steigen“, freute sich Gasser.
Mit dem Angebot müsse gleichzeitig auch die Nachfrage steigen. „Wir müssen die Chancen am Markt nutzen. Ich wünsche mir eine noch engere Zusammenarbeit mit der Gastronomie und dem Handel. Es gibt viele Initiativen auf lokaler Ebene, die sehr erfolgreich sind und als Beispiel für andere dienen können.“ Erfreut zeigte sich Gasser, dass das Ressort Landwirtschaft deutlich mehr Mittel für die Bewerbung bäuerlicher Qualitätsprodukte zur Verfügung stellt.
Die Betriebe in betriebswirtschaftlicher Hinsicht zu stärken und ihnen Chancen aufzuzeigen, das will der Südtiroler Bauernbund in den nächsten Jahren verstärkt tun. „Mit der Abteilung Innovation und Energie im SBB haben unsere Mitglieder einen kompetenten Ansprechpartner, der nicht nur berät, sondern immer wieder auch innovative Projekte initiiert und Innovationen auf ihre Praxistauglichkeit prüft“, beschreibt Daniel Gasser.
Ein Thema, das auch die nächsten Jahre im Mittelpunkt stehen wird, ist die Nachhaltigkeit. „Hier wollen wir Teil der Lösung sein. Besonders bei erneuerbaren Energien wie Holz, Photovoltaik und zukünftig auch Agri-Photovoltaik gibt es viel Potential, das wir nutzen sollten. Und dank moderner Technologien und der Digitalisierung wird die Landwirtschaft effizienter und nachhaltiger, etwa beim Wassermanagement, der Düngung, der Bodengesundheit oder dem Pflanzenschutz.“
Damit die Höfe in Bauernhand bleiben, ist das Höfegesetz überarbeitet und die außerfamiliäre Hofübergabe gestartet. „Unser Ziel ist es, dass so viele Höfe wie nur irgendwie möglich weiterbewirtschaftet werden. Die flächendeckende Bewirtschaftung ist für die gesamte Gesellschaft von großer Bedeutung.“ Zudem will der SBB seine Dienstleistungen weiter ausbauen. Dass dem Südtiroler Bauernbund das in der Vergangenheit sehr gut gelungen ist, zeigt eine Mitgliederumfrage aus dem letzten Jahr. „94 Prozent der Mitglieder sind mit dem SBB sehr zufrieden oder zufrieden“, freute sich Gasser.




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