Von: Redaktion Südtirol News
Bozen – Ein besonderes Inklusionsprojekt ist in diesen Tagen in Bozen gestartet. Über den Verein Unique in der Italienallee in Bozen haben die Eltern Michele Cristiani und Daniela Plazzer beschlossen einen Friseursalon zu eröffnen, der vor allem Menschen mit Behinderung die Möglichkeit geben soll, sich ein Standbein im Arbeitsleben aufzubauen. Zudem ist es laut Daniela Plazzer das Anliegen des Vereins, den Menschen mit Behinderung, die sehr oft von den Eltern im Alltagsleben abhängen, die Freiheit zu geben, selbst zu entscheiden, wie sie auch mit ihrer eigenen Ästhetik umgehen.
Gerade bei jungen Erwachsenen ist das zusehends ein Thema, und gerade die Abnabelung von der Familie ist nicht so leicht. Das Konzept des Projekts, das mit sehr viel ehrenamtlichem Engagement umgesetzt wird, besteht hauptsächlich darin, den jungen interessierten Menschen an den Beruf als Friseurin oder in der Schönheitspflege heranzuführen, sie einzuschulen und nachfolgend mitzuhelfen, dass die Betroffenen als Handwerker und Handwerkerinnen tätig sein können, und zwar trotz ihrer körperlichen Einschränkungen.
Mutter Daniela Plazzer bringt es auf den Punkt: “Morgens in die Arbeit gehen, mit den Kollegen ratschen, über einer schwierigen Aufgabe grübeln, sich auf den Feierabend freuen – all diese Dinge sind für die meisten Menschen ein selbstverständlicher Teil ihres Arbeitsalltags. Für Menschen mit Behinderung ist eine regelmäßige Arbeit aus den gleichen Gründen wichtig wie für Menschen ohne Handicap: Sie spendet Orientierung und Halt, strukturiert den Tagesablauf, fördert die persönliche Weiterentwicklung und das Selbstbewusstsein.”
Bürgermeister Claudio Corrarati, der zur Eröffnung des Salons und zur Begutachtung der Vereinstätigkeit eingeladen war, betonte, wie wichtig ihm die maximale Einbindung der Menschen mit Behinderung sei. Er erinnert, gemeinsam mit seinem Referenten für Menschen, Ulrich Seitz, an den nächsten Termin des Speed-Datings für Menschen mit Behinderung, das für den 29.10.2026 um 16.00 Uhr im Saal Rosenbach am Nicolodi Platz in Bozen geplant ist. Anmeldungen werden über beobachtungsstelle@gemeinde.bozen.it oder Telefon 3285672127 entgegen genommen.
“Dieses Projekt findet bereits Nachahmer auf Landesebene, was sehr positiv ist”, unterstreichen Corrarati und Seitz. Was bisher auch bei der Realisierung des Vorhabens der Familie Cristiani ersichtlich wird, sei, dass zahlreiche Kandidaten und Kandidatinnen eine praktische Hilfestellung benötigen, sich überhaupt entsprechend gut zu präsentierten. Daher wurde in den letzten Wochen mit erfahrenen Freiwilligen bei der gezielten Ausarbeitung von Lebensläufen und dem Herausfiltern der besonderen Fähigkeiten der Jobsuchenden angesetzt.
“Die Stärke der aktuellen Bemühungen der Gemeinde Bozen liegt darin, dass wir den betroffenen Parteien eine Reihe von Experten und Expertinnen zur Verfügung stellen, um sie bei einem möglichen Anstellungsprozess von Menschen mit Behinderung zu unterstützen”, betont Seitz. Insgesamt reicht die Bandbreite vom Coaching der Arbeitssuchenden und der Eltern bis hin zu Beratungen für Beiträge zugunsten der Firmen. Welche Begleitung ein Mensch braucht, sei individuell sehr verschieden. Insgesamt gebe es einen enormen Beratungsbedarf.
“In Südtirol wird noch viel zu häufig ausschließlich in Richtung Werkstatt beraten. Und hier wird klar, dass Werkstätten selbst neuerdings viel mehr in die Akquise gehen und Kontakte zu Arbeitgebern aufnehmen. In diesem Sinne gilt, dass wir zeigen, wie wir Menschen bestmöglich begleiten, die sich für einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz interessieren”, so Bürgermeister Claudio Corrarati.




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